Immobilien können Wall Street nicht elektrisieren

Die Aktien in New York haben am Mittwoch nach zwei Tagen mit negativen Vorzeichen erstmals wieder im Plus geschlossen.

Doch alle drei führenden Indizes – der DOW, der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 – konnten nur einen Zehntel Prozentpunkt zulegen.

Und das, obwohl aus der US-Konjunktur positive Zahlen kamen.

Laut dem nationalen Maklerverband in den USA nahmen die Käufe gebrauchter Wohnhäuser im jüngsten Berichtsmonat um 7,8% zu.

Damit ist der höchste Stand in zwei Jahren erreicht. Sicher ein Zeichen, dass sich der angeschlagene Immobilien-Markt zu erholen beginnt.

Der Index der Immobilien-Developer im S&P stieg daraufhin um 3,1% an.

Geholfen hat gestern sicher auch, dass die Bank of Japan es nun der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank nachmacht und die Wirtschaft mit zusätzlicher Liquidität versorgt.

Auch aus Europa kamen Nachrichten, die für etwas Erleichterung sorgten. Die Renditen von Spanien-Anleihen fielen 20 Basispunkte auf 5,69, was die Zinslast für neue Schulden – oder die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten – verbilligt.

Öl-Notierungen – Schwer unter Druck

Und in den USA nahmen die Öl-Vorräte in den vergangenen Tagen überraschend stark zu. Das zeugt zwar von wirtschaftlicher Schwäche.

Aber die sinkenden Öl-Notierungen – die gestern um 3,5% einbrachen – lassen den US-Konsumenten mehr Luft für andere Einkäufe.

Und das sehen die Anleger gerne. Ein 6-Wochentief beim Öl hellt den Horizont für die Börsianer gleich etwas mehr auf.

Weil auch Saudi Arabien eine höhere Öl-Förderung in Aussicht stellt, weicht der Druck, den hohe Öl- und Benzinpreise auf die schwache US-Konjunktur ausüben (siehe GRAFIK).

Ansonsten nehmen die Warnungen zu, dass die jüngste Geldschwemme der US-Notenbank nicht viel helfen wird.

Dallas-Fed-Präsident Richard Fisher gab diese Bedenken am Mittwoch vor dem Harvard Club der Stadt New York zu Protokoll.

Der Finanzprofessor Aswath Damodaran von der New York University bescheinigt der Fed sogar, auf dem Weg in den „Wahnsinn“ zu sein, weil sie mit immer neuen Geldfluten den immer gleichen Irrtum begehe und der Wirtschaft nicht helfe.

Der Deutsche Bank-Analyst Daniel Brebner hat in diesem Zusammenhang beobachtet, dass sich Gold von seinem Dasein als Rohstoff verabschiede und sich dafür immer mehr wie eine Währung verhalte.

Deshalb bewege sich das gelbe Edelmetall weniger im Gleichschritt mit den üblichen Rohstoffen.

Die anhaltend lockere Geldpolitik der großen Notenbanken habe das umlaufende Papiergeld zudem so sehr geschwächt, dass Gold immer mehr wie ein offiziell anerkanntes Geld betrachtet wird.

Das Edelmetall notiert aktuell bei 1.774 Dollar je Feinunze.

Für etwas Unruhe hat gestern gesorgt, dass eine Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter 253 Fondsmanagern eine überraschend negative Sicht der Aktien zutage förderte.

Satte 58% der befragten Fondsmanager sind der Meinung, dass Aktien derzeit das am meisten überbewertete Anlage-Vehikel sind.

Im August waren noch 51% dieser Meinung.

Fondsmanager – Aktien sind überbewertet

Kein Wunder also, wenn an der Börse den weniger positiven Nachrichten im Augenblick wieder etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die schlechte News: Solche Nachrichten könnten jetzt wieder öfter kommen, wenn die erste Euphorie über die Notenbanken nachlässt und in den USA der Wahltag am 6. November naht.

In drei Wochen beginnt auch schon wieder die neue Bilanzrunde für das dritte Quartal bis Ende September.

Diesmal sollen die Quartalsgewinne sinken.

20. September 2012

geve
Von: geve.