Knorr Bremse überzeugt beim Börsendebüt

Hohe Nachfrage und allgemeine Erholungstendenzen verhalfen der Knorr Bremse AG zu einem gelungenen Start auf’s Börsenparkett. Das Unternehmen brachte knapp ein Drittel seiner Aktien an den Markt – alle aus dem Bestand von Großaktionär Heinz Hermann Thiele. Der Mann, der den Hersteller von Bremssystemen in den achtziger Jahren als Krisenfall übernommen hatte, läutete selbst die Glocke zum zweitgrößten Börsengang des Jahres. Gevestor war dabei.

 

Großaktionär Heinz Hermann Thiele und der gesamte Knorr-Vorstand zeigten sich unbeeindruckt vom allgemeinen Kursverfall der zurückliegenden Tage. Unaufgeregt wurde der Bulle bei den Hörnern gepackt. Und auch der erste Kurs stand erst nach geraumer Zeit fest: 80 Euro 10 – ein Hauch mehr als der Mittelwert der angestrebten Preisspanne. Die Old Economy schlägt zurück, oder lasst jetzt mal die Großen ran. So wirkte der zweite Börsengang in dieser Woche phasenweise, nachdem das Einrichtungs-Startup Westwing zwei Tage vorher zwar das ansprechendere Design aufs Parkett brachte, die Anleger aber nicht vollends begeisterte. Anders Knorr Bremse. Und doch gab sich Großaktionär Thiele bescheiden.

 

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Bis zum Mittag schaffte Knorr Bremse das, was den Startup-Kollegen verwehrt blieb: Das Papier notiert über dem Ausgabekurs. Und mit knapp zwei Prozent plus schlug sich die Aktie sogar besser als der Gesamtmarkt. Solide nannten das Börsenhändler, die den gelungenen Börsenauftakt zu einem gewissen Teil auch der allgemeinen Markterholung zuschrieben. Allerdings ist Knorr weltweit führend bei der Entwicklung von Bremsen und Systemen für LKW und Schienenfahrzeuge. Knapp 590 Millionen Euro Gewinn nach Steuern brachte das den Eigentümern – allen voran Heinz-Hermann Thiele. Dass er sich mit dem Börsengang von 30 Prozent der Anteile an Knorr Bremse trennt, spült noch einmal 3,87 Milliarden Euro in die Kassen.

 

Es sind alte Tugenden, die Anleger anzogen: Solide Werte und solide Allianzen. So plant Knorr nicht etwa mit Startup-Schmieden, sondern mit Continental Systeme für autonom fahrende Nutzfahrzeuge zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Zukunftsrhetorik aus Traditionsunternehmen. Dass diese Zukunftsmusik auch die Kassen der Aktionäre klingen lässt, dürfte noch dauern. Die notwendigen Investitionen muss Knorr Bremse aus vorhandenem Geld bezahlen. Der Erlös aus dem Börsengang geht ganz unbescheiden an eine Beteiligungsgesellschaft, die Heinz Hermann Thiele und seiner Tochter Julia gehört.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.