Mehr als Bitcoins und Geldersatz – was verbirgt sich hinter Kryptowährungen

Es ist kein Jahr her, da waren Bitcoin in aller Munde. Die so genannte Kryptowährung wurde zur potenziellen Geldanlage auch jenseits der Computer- oder Gamerszene. Inzwischen ist die Euphorie abgeklungen. Bitcoins sind von ihren Höchstständen weit entfernt. Was bleibt, sind Fragen wie: Können Bitcoin & Co wirklich wie richtiges Geld funktionieren und – Was genau ist unter digitalen Währungen zu verstehen? Auf der Collision ging diese Frage an Justas Pikelis von Monetha, Alex Frenkel vom Fintech Kin und an Noelle Acheson von CoinDesk:

________ Noelle Acheson / CoinDesk__________:

Nun, wir müssen die Begriffe viel besser definieren. Es ist nunmal schwierig etwas zu verstehen, wenn man Dingen Namen gibt, die nicht beschreiben, was dahinter steckt. Jeder von uns nutzt digitale Währungen – jeden Tag. Wir haben es seit Jahrzehnten getan. Sie haben digitale Dollar, ich habe meine digitalen Euro. Wir nutzen digitale Währungen. Der Punkt ist: um das zu tun – viele von Ihnen sind sich dessen bewusst, einige vielleicht nicht –, müssen wir um Erlaubnis bitten. Wir holen uns bei der Bank die Erlaubnis, eine digitale Zahlung vorzunehmen. Oder wir erbitten die Erlaubnis von einem Zahlungsdienst, eine bestimmte Transaktion auszuführen. In den meisten Fällen geht das problemlos, aber nicht immer. Sie können auch nein sagen.

Bei Kryptowährungen – und das ist es, worüber wir reden, was uns auf den Panel beschäftigt – bei Kryptowährung fällt die Notwendigkeit einer zentralen Instanz weg. Mit Kryptowährungen können Sie Transaktionen ausführen ohne einen unbeteiligten Dritten hinzuziehen zu müssen. Und eines müssen wir noch berücksichtigen: als Asset betrachtet – wir können noch gar nicht begreifen, was diese Assets alles können. Wir haben hier Assets, mit denen man etwas kaufen kann. Wir haben hier Assets, mit denen man Rechte übertragen kann, Eigentum. Wir haben Assets, mit denen man Reputation steuern kann, sie in der Hand behält. Es gibt Assets, um Ökonomien zu kreiieren, Mikro-Ökonomien, wo es vorher keine gab. Wir sind durch diese neue Technologie in der Lage, Dingen einen Wert beizumessen, die wir vorher nicht bewerten konnten. Daher ist es nachvollziehbar, dass wir alle zusammen rätseln, wie wir diese Dinge treffend benennen. Aber wenn wir schon Schwierigkeiten damit haben, stellen Sie sich vor, was es für Investoren bedeutet. Stellen Sie sich vor, was es für die Regulatoren bedeutet zu verstehen, wohin das alles führt Wir wissen nicht, wohin das führt. Ich meine, als das Internet startete, hat sich niemand von uns Netflix oder Youtube vorstellen können.

 

Frage: Wie können wir mit diesen Möglichkeiten umgehen?

________Justas Pikelis/ Monetha___________

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Ich nehme mal das Beispiel, dass Sie irgendwo eine Menge Bitcoins vermöhlt haben. Wir müssen einfach verstehen, dass diese Technologie so unausgereift ist. Sie ist in einem Embryonalstadium. Sie müssen mal auf die Verhaltensmuster schauen. Erinnern Sie sich mal an die Zeit, als Sie, um ins Internet zu kommen, Ihrer Mutter zuriefen, nimm mal das Telefon ab. Dann hatten Sie diesen Klack-klack-klack-Sound. Das gleiche erleben wir jetzt wieder. Die Blockchain-Technologie generiert so viel Aufmerksamkeit. Und es ist einem solch frühen Stadium. Daher: Für uns als ICO-Unternehmen – wir haben 95.000 Ether eingesammelt. Das waren 37 Millionen Dollar in 18 Minuten nur für das Versprechen, dass wir eine Vertrauens- und Reputationsplattform aufbauen. Aber es gibt so viele Unternehmen, die Dinge mit so hoher Skalierbarkeit versprechen, als hätte Netflix 1998 versprochen, HD-Filme in Echtzeit zu streamen.

Was wir im Wesentlichen machen, wir sind eine Art neutrale Instanz für jeden denkbaren Marktplatz. … Jeder versucht in diese Bewertungslisten zu kommen, sogar Facebook. Das Problem ist, Du kannst entweder Deine eigene Bewertung auf 5 Sterne hochpumpen, oder die Deiner Konkurrenz drücken. Alles eine Frage des schnellen Klicks. Wenn wir jetzt aber zurückkommen auf das Thema Kryptowährungen: Jeder ist auf Kryptos als Währung im eigentlichen Sinne fokussiert. Und das ist in diesem Zusammenhang nicht die beste Bezeichnung für diese Assets. Ingenieure sind eben nicht die besten Vermarkter. Token ist vielleicht die bessere Bezeichnung. Aber jetzt, wo alle Kryptowährungen mit Wertübertragung oder Tauschmitteln verbinden, ist das wie in den neunzigern, als die Menschen sagten Internet – das ist E-Mail. Was es nicht ist. Es ist ein Protokoll, auf dessen Basis Anwendungen geschaffen werden können. Und es gibt eben viele Firmen, wie auch unsere, die versuchen Dinge zu schaffen, die das beste aus der Blockchain herausholen. Und das ist nicht die Geldfunktion, das ist noch nicht die Killer-App.

 

Frage: Was sollten Nutzer von Blockchain erwarten können?

_________Alex Frenkel / Kin___________

Als Nutzer bewege ich mich auf so vielen unterschiedlichen Plattformen, und Identität und Reputation sind so zentralisiert. Es sind ganz wenige Firmen, die sämtliche Informationen über Nutzerdaten kontrollieren. Das ist ein neuer Ansatz, wo Blockchain die Nutzer in die Lage versetzt werden, ihre Informationen, ihre Daten, ihre Werte eigenständig auf unterschiedlichen Plattformen zu nutzen. Das ist meiner Meinung nach das Kernversprechen der Blockchain-Technologie.

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.