Wall Street: 2 Tage bis B-Day

Noch zwei Mal schlafen, dann wissen die Anleger, was Ben Bernanke verkündet.

Der oberste Währungshüter wird am Donnerstag erklären, ob die Fed eine dritte große Kaufrunde für Anleihen einläutet. Die Hoffnung, dass es so kommt, wächst von Tag zu Tag.

Doch zum Wochenauftakt mischten sich in die hoffnungsvolle Atmosphäre an der Wall Street unsanfte Erinnerungen an den Ernst der Schuldenkris ein Europa.

Griechenland tut sich schwer, die nächsten Tranchen aus dem Rettungspaket zu sichern. In der Regierungskoalition in Athen gibt es Streit über die Sparpolitik.

Zudem scheint Spanien im großen Stil Finanzhilfe zu brauchen, ziert sich aber, vor den Regionalwahlen Ende Oktober darum zu bitten.

Wieder schlechte News aus Europa

Und die Wirtschaft Italiens schrumpft schneller als bisher angenommen.

Das alles sind klare Anzeichen, dass die Probleme in der Eurozone trotz des Jubels über die Ankündigung der Europäischen Zentralbank überhaupt nicht gelöst sind.

Diese Gewissheit war es auch, die gestern in der letzten Stunde des Handels die bis dahin einigermaßen stabilen Aktien auf Tauchstation gehen ließ.

Der Dow Jones Index verdoppelte seine Verluste in den letzten 30 Minuten des Handels auf -0,4%. Der Nasdaq 100 musste bis auf -1% den Rückzug antreten. Und der S&P 500 beschloss den Handel mit -0,6%.

Verstärkte Anleihekäufe von Wackelländern lösen in der Eurozone nicht die Schulden auf. Das weiß man auch in New York.

Doch dort wird trotz der neuen Querschläger aus Europa – und trotz der viel beachteten Entscheidung der Karlsruher Verfassungsrichter am Mittwoch – schon auf den Donnerstag geschaut.

Dass die US-Geldhüter weitere Maßnahmen ankündigen werden, gilt als ausgemachte Sache.

Deshalb haben zu Wochenbeginn trotz der negativen nachrichten aus Europa die Rohstoff-Notierungen angezogen. Kaffe, Zink, Erdgas und Aluminium legten jeweils mehr als 2% zu und führten den Sektor an.

Doch der Tagesverlierer im DOW – der Chiphersteller Intel – hält Anlegern und Investoren die schmerzliche Realität vor Augen.

Intel musste zu Wochenbeginn seine Umsatz-Prognose für das laufende Quartal wegen schwacher Nachfrage nach unten korrigieren.

Das ließ den Kurs der Aktie um über 4% einbrechen. Vor allem Firmen sowie Kunden in den Schwellenmärkten bestellen weniger.

Intel – Zahlen „schlimmer als erwartet“

„Das ist schlimmer als erwartet“, bestätigt Patrick Wang, Tech-Analyst bei Evercore Partners in New York, die Intel-Zahlen.

Das verheißt aber nichts Gutes für die Gewinne der Börsenfirmen im laufenden Quartal.

Deswegen mehren sich – trotz der Schützenhilfe der Notenbanken – Warnungen wie die von John Hussman.

Der Ökonom und Fondsmanager sieht die aktuelle Aktien-Rally in ihrem letzten Stadium, mit wachsenden Risiken.

Hussman verweist auf mehrere beunruhigende Beobachtungen: Hohe Kurse, überkauftes Territorium und kräftige Verkäufe von Insidern.

Firmengewinne trüben sich ein

Hussman sieht vor allem für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts schwarz. „Die Fed hat sich selbst in eine Situation manövriert, aus der sie ohne größere Umwälzungen nicht mehr heraus kommt“, sagt der Fondsmanager.

Während die Aktien in New York im zweiten Quartal Anlauf zu ihrem aktuellen Vierjahres-Hoch nahmen, ging der Zuwachs der Firmengewinne auf 0,8% zurück.

Das laufende dritte Quartal, über das ab Oktober in New York berichtet wird, soll erstmals seit drei Jahren abnehmende Firmengewinne bescheren.

Das sagen die Analysten fast übereinstimmend vorher.

11. September 2012

geve
Von: geve.