Wall Street: Bilanz-Fieber

Dem Aktienmarkt an der Wall Street steht diese Woche ein kleiner Stresstest bevor.

Der Aluminium-Produzent Alcoa und die Investmentbank JP Morgan geben morgen den Startschuss für die Bilanzrunde zum dritten Quartal.

Unter dem Strich sollen die Gewinnberichte der Firmen im S&P 500 Index so schwach ausfallen wie seit dem 4. Quartal 2009 nicht mehr.

Damals kroch die US-Wirtschaft mühsam aus der Großen Rezession. Diesmal hinterlassen ein schwächeres China, die Rezession in der Eurozone und die dümpelnde US-Wirtschaft Bremsspuren in den Gewinnberichten.

Daher bekommt am Dienstag Yum Brands besondere Aufmerksamkeit, der Konzern, unter dessen Schirm die Marken KFC, Pizza Hut und Taco Bell laufen.

Bilanzrunde – Rohstoffe und Schnellrestaurants im Fokus

Yum hat kürzlich das 4000. KFC-Schnellrestraurant in China eröffnet. Die Anleger werden sich die Verkaufszahlen für die Volksrepublik sehr genau anschauen und versuchen, daran Chinas Puls zu messen.

Ein negativer Befund dieser Probe könnte den Rohstoffmärkten ziemlich zusetzen.

Am Freitag werden Anleger und Investoren dann wieder einen Schwenk zurück in die USA machen. Die University of Michigan wird die neuen Zahlen über die Stimmung der Konsumenten veröffentlichen.

Am Freitag werden auch JP Morgan Chase und Wells Fargo, zwei der größten US-Banken, ihre Zahlen für das 3. Quartal vorlegen. Wells Fargo ist Marktführer bei Hypotheken-Krediten.

Die Bank gilt daher nicht nur als Fieber-Thermometer für den Immobilienmarkt, von dem viele glauben, dass er sich bereits erholt.

Wells Fargo wird auch das Bild abrunden, das sich die Börsianer von den Zahlen zur Konsumstimmung machen werden. Beide Zahlen kommen am selben Tag, am Freitag.

Den Pulsschlag der globalen Konjunktur wird der Internationale Währungsfonds bereits morgen messen, mit seinem neuen Ausblick für die Weltwirtschaft. Erwartet wird eine erneute Drosselung der Wachstums-Prognose.

Einige Unruhe kann für die Wall Street in dieser Woche auch wieder von Europa ausgehen.

Die Finanzminister der Eurozone werden in Luxemburg dabei sein, wenn der Gouverneurs-Rat des neuen Stabilitätsmechanismus offiziell den Startschuss für diesen neuen Rettungsfonds gibt.

Europa – Finanzminister tagen, ESM startet, Spanien wankt

Die Börsianer in New York interessiert, was am Rande über Griechenland und Spanien zu hören sein wird.

Und am Donnerstag werden die Finanzminister der Europäischen Union beim G7-Treffen in Tokyo den Spieß umdrehen und die USA daran erinnern, dass sie ihren eigenen Budget-Schlamassel in Ordnung bringen muss.

Die Diskussion um das „fiskalische Kliff“ in den USA – die drohende Steueranhebung und Ausgabensenkungen Anfang 2013 – könnte sich intensivieren.

Hier droht der US-Konjunktur 2013 ein Bremseffekt von bis zu vier Prozentpunkten beim Burroinlandsprodukt. Das wird die größte Sorge des Landes sein, nachdem am 6. November ein neuer Präsident gewählt wurde.

US-Notenbank – Beige Book am Puls der Konjunktur

Schließlich kommt an diesem Mittwoch das neue „Beige Book“ der US-Notenbank (Fed). Davon werden ebenfalls Aufschlüsse über die aktuelle Entwicklung der US-Konjunktur erwartet.

Am Mittwoch berichten außerdem Costco und Safeway ihre Zahlen zum 3. Quartal. – Hier bekommen Anleger und Investoren weitere Informationen über das Stehvermögen der Konsumenten in dieser ausgeprägt schwachen Erholung der US-Wirtschaft.

Dieser Overkill an Zahlen, Terminen und Prognosen könnte in New York für Unruhe sorgen. Die Flut von Nachrichten über die Wirtschaft enthält Stoff für Enttäuschungen.

Und das in einem Aktienmarkt, dessen führende Indizes in der Nähe ihrer 52-Wochenhochs angelangt sind.

Am Ende werden wohl die Bilanzberichte mehr Gewicht haben, als die Zahlen von internationalen Ereignissen und Terminen.

Firmengewinne – „Muttermilch der Aktienkurse“

„Gewinne sind die Muttermilch der Aktienkurse“, bestätigt Mark Luschini, der führende Investment-Stratege bei Janney Montgomery Scott.

Daher herrscht an der Wall Street zu Beginn dieser Woche eine spürbare Nervosität:

„Es gibt Sorgen, dass der Markt zu stark reagiert, wenn die Gewinnprognosen revidiert werden, weil es am Ende die Gewinne sind, die den Markt antreiben“, sagt John Canally, der Investment-Stratege bei LPL Financial.

Seine Mahnung zur Vorsicht hat einen guten Grund.

78% der Firmen im S&P 500, die einen Gewinnausblick gegeben haben, warnen, dass sie die Erwartungen der Analysten enttäuschen könnten.

Das ist reichlich Stör-Potential für die Aktienkurse.

8. Oktober 2012

geve
Von: geve.