Wall Street: Das Ende der Teflon-Börse

Für viele ist es schlicht eine negative Firmen-Nachricht, für manche aber ein dickes Warnsignal.

Caterpillar, der weltgrößte Produzent von Baufahrzeugen, spricht eine Gewinnwarnung aus – wegen der schwachen Weltwirtschaft.

Caterpillar (CAT) verlor gestern in New York knapp 3%. Und das sollte für uns alle eine Warnung sein.

Das Unternehmen ist in allen großen Wirtschaftsregionen gut aufgestellt. Und es liefert an Kunden vom Minensektor bis zur klassischen Baubranche: Raupen, Bagger, Nutzfahrzeuge aller Art für die Ausbeutung von Metallen im täglichen Minenbetrieb.

Rohstoff-Riesen drosseln ihre Investitionen

Das Problem: Wegen einbrechender Metallpreise – Kohle und Eisenerz verloren über 20% im laufenden Jahr – überdenken viele Bergbau-Konzerne ihre Expansionspläne.

Investitionen werden gestreckt – oder gestrichen.

Die Anlage-Investitionen im Minensektor könnten bis 2014 um 10% sinken. Das sagt die Investmentbank JP Morgan vorher.

Doch 70% dieser Investitionen werden für Baugerät, wie sie Caterpillar herstellt, ausgegeben.

Von den acht größten Rohstoff-Konzernen der Welt werden im kommenden Jahr lediglich drei ihre Investitionen erhöhen.

Vale, der Konzern mit dem größten Investitions-Budget in der Branche, wird seine Aufwendungen in die Erweiterung des Geschäfts 2013 um 4% reduzieren.

Das ist sicher eine schlechte Nachricht für Caterpillar selbst, und für alle Firmen, die Geräte und Maschinen für die Rohstoffbranche herstellen.

Caterpillar – Gegenwind für die ganze Börse

Caterpillar leitet 30% seiner eigenen Forschung und Investitionen in Geräte für den Bergbau-Sektor.

Viel wichtiger aber ist: Der Gegenwind, der Caterpillar ins Gesicht bläst, wird bald das ganze Börsenklima kühlen.

Denn die Bergbau-Konzerne drosseln ihre Investitionen wegen schwächerer Nachfrage nach Metallen und Energie.

Und diese Nachfrage sinkt, weil die Weltwirtschaft immer schwächer wird: Die Eurozone beißt sich in einer Rezession fest. China verliert sichtbar an Schwung, harte Landung nicht ausgeschlossen.

Und die USA erleben einen empfindlichen Rückschlag bei ihrer ohnehin schwachen Konjunktur-Erholung.

Das aber bedeutet: Nicht nur die Nachfrage nach Kohle, Eisenerz, Öl und Kupfer sinkt.

Es werden auch weniger langlebige Konsumgüter gekauft.

Der Einzelhandel wird darunter leiden. Dann kommen die Gewinne dieser Firmen. Dann die Aktienkurse.

Das Problem steckt bereits sichtbar in der Pipeline, es ist nur noch nicht im Börsensaal angekommen.

Genauer betrachtet saust es dort schon als Gespenst durch die Handelsräume. Es wird aber bislang noch kräftig ignoriert.

Notenbanken – Wie Schwarzwälder Kirsch für Diabetiker

Und so etwas rächt sich später. Denn ein Kursanstieg, der sich von den ökonomischen Fundamental-Daten losgelöst hat, wird irgendwann von der Schwerkraft eingeholt.

Die Notenbanken haben das bisher durch Geldvermehrung verhindert.

Mehr Liquidität für die Börse ist wie eine Schwarzwälder Kirschtorte für einen Diabetiker. Erst kommt die rauschende Mahlzeit, dann der Zuckerabsturz mit anschließendem Kater.

„Die gekürzte Prognose bei Caterpillar ist ein realistisches Spiegelbild der schwächer gewordenen globalen Konjunktur“, sagt Oliver Pursche beim GMG Defensive Beta Fund, der Aktien von Caterpillar im Depot hat.

Das war auch der wichtigste Grund, warum gestern die führenden Aktien-Indizes am vierten Tag in Folge fielen.

Der DOW gab 0,8% ab, der Nasdaq 100 immerhin 1,4%.

Für den DOW war es der erste Tag mit einem dreistelligen Punktverlust (-101) seit längerem.

Die eigentlich schlechte Nachricht: Caterpillar ist mit seiner Warnung nicht alleine.

Zuvor haben schon der weltweit größte fliegende Paketzusteller – FedEx – sowie die Eisenbahngesellschaft Norfolk Southern ähnliche Warnungen ausgesprochen. Auch verschiedene Techfirmen warnen bereits.

In weniger als 10 Tagen geht an der Wall Street die Bilanzrunde für das dritte Quartal im laufenden Jahr los.

Dann werden wir einige weitere „Caterpillars“ erleben. Den Aktienindizes könnte das in so dünner Höhenluft bitter aufstoßen.

Gestern haben wir in dieser Hinsicht das erste kleinere Vorbeben erlebt.

26. September 2012

geve
Von: geve.