Wall Street: Erstickt die Vakuum-Rally?

Macht die Wall Street nach dem Labor Day-Deiertag am Montag in der verkürzten Woche das, was die europäischen Börsen am Montag vorexerziert haben?

Schwache Auftragsingänge in Chinas Industrie lassen Hoffnungen auf ein Stimulus-Programm in der Volksrepublik keimen.

Hinzu kommt, dass EZB-Präsident Mario Daghi am Montag im Europa-Parlament sagte, mit dem Kauf von kurz laufenden Anleihen aus Wackelländern bis drei Jahre würde er nicht gegen die Statuten verstoßen.

Freie Fahrt für Draghi – und keine harte Landung für China: Das sind Perspektiven, die Europas Aktienmärkte am Montag gut in die Woche starten ließen.

In den USA müssen die Börsianer jedoch erst einmal verdauen, dass ihr oberster Geldhüter, Ben Bernanke, am Freitag kein Geschenk mit nach Jackson Hole zur Jahreskonferenz der Fed gebracht hat.

Vorerst keine dritte Runde massiver Anleihekäufe. Das hat viele (überzogene) Erwartungen enttäuscht.

US-Konjunktur – Zwei wichtige Daten in dieser Woche

In New York wird daher in dieser Woche vor allem auf zwei wichtige Konjunkturdaten geschaut.

Heute kommt nicht nur der Index der Einkaufsmanager für das Verarbeitende Gewerbe in den USA – er könnte wie die europäischen und das chinesische Barometer dieser Art enttäuschen.

Es kommen heute auch noch die Verkaufszahlen der Autobauer für den August in den USA. Ein Schwächezeichen lässt sofort wieder die Rufe nach der Notenbank lauter erschallen.

Und am Freitag kommen in den USA die Arbeitsmarkt-Zahlen für den August. Weniger als 100.000 neue Jobs in der US-Wirtschaft für den vergangenen Monat wären ein Desaster.

Wann schreitet die Fed ein ? – Nächste Woche?

Aber auch ein weiterer Hoffnungsschimmer, dass die Fed doch bald einschreitet und wieder ordentlich auf das Gaspedal der Geldpolitik tritt.

Viele an der Wall Street hoffen insgeheim, dass die Fed dann in der kommenden Woche aktiv werden könnte. Denn am 12. und 13. September tagt erneut der Offenmarkt-Ausschuss.

Bis dahin wissen die Geldhüter in Washington nicht nur die Jobzahlen für die USA.

Sie wissen bis dahin auch, was Mario Draghi an diesem Donnerstag an weiteren möglichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank präsentiert hat, um den Euro und die Eurozone zu stabilisieren.

Doch wer diese Rechnung aufmacht, vergisst, dass die Fed inzwischen sehr stark ein politischer Spielball geworden ist.

Schiebt Maestro Bernanke schon in der kommenden Woche kräftiger die Finanzmärkte an, setzt er sich einem schlimmen Verdacht aus: Dass er – ein eingetragener Republikaner – dem Demokraten Barack Obama Wahlkampf-Hilfe für den 6. November leistet.

Da nämlich wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Und Obama will eine zweite Amtszeit.

Für die Wall Street gibt es jetzt kurzfristig zwei mögliche Szenarios.

Entweder, die nächsten Konjunkturdaten heute und am Freitag werden besser, dann stirbt die Hoffnung auf Hilfe von der Fed.

Zwei Szenarien für Aktien – und nur ein Weg: Nach unten?

Da die US-Konjunktur vor sich hindümpelt, wäre für die Aktien in New York kurzfristig kein spürbarer Rückenwind zu erwarten. Das könnte einen Rückschlag auslösen.

ODER: Die Daten heute und am Freitag werden schwächer, die Fed schreitet ein und die Kurse ziehen noch etwas an.

Aber sie sind allein schon in der Erwartung, dass Ben Bernanke am Ende zur Rettung eilen wird, ordentlich gelaufen.

Der DOW legte in den vergangenen 30 Tagen 1,1% zu. Der S&P 500 konnte sich um 2,2% verbessern. Der Nasdaq 100 verbuchte einen Zuwachs von satten 5,1%.

4. September 2012

geve
Von: geve.