Wall Street: Fehlstart in den September

Die Aktien an der Wall Street konnten am Dienstag ihre Verluste aus dem ersten Teil der Sitzung weitgehend wettmachen, bevor der DOW und der S&P am Ende leicht im Minus schlossen.

Das Institute for Supply Management in den USA meldete, dass sein Industrie-Index im August auf 49,6 Zähler gefallen ist. Das ist der dritte monatliche Rückgang in Folge und der schärfste Rückgang in mehr als drei Jahren.

USA – Industrie verliert weiter an Schwung

„Es wird immer deutlicher, dass das Verarbeitende Gewerbe Schwung verliert“, sagt Tom Porcelli, der Chefökonom für die USA bei RBC Capital in New York. „Diese schwache Zahl vor dem Bericht am Freitag zum Jobmarkt wird ein Einschreiten der Fed noch wahrscheinlicher machen, wenn die Jobzahl schlecht ausfällt.“

Die Aktie des Tages – im negativen Sinne – ist Caterpillar. Der weltgrößte Hersteller von Maschinen und Gerät für die Minen- und Bauindustrie verlor gestern 3,1%. Damit war die Aktie das Schlusslicht im DOW.

Caterpillar verdient seit Jahren gut am weltweiten Rohstoffboom und gilt unter den großen Aktien als Barometer für den Zustand der globalen Konjunktur.

Wenn das noch so ist, dann hat die jüngste Kursentwicklung nichts Gutes zu bedeuten. Seit dem Zwischenhoch bei 115 Dollar vor fast sechs Monaten hat der Kurs 28,2% eingebüßt.

Vor allem die schwachen Einkaufsmanager-Indizes aus China und weiten Teilen Europas sorgen jetzt für Unruhe und erhöhen die Sorge um die globale Konjunktur.

„Wir sehen diese langsame Erosion in den Wirtschaftsdaten“, sagt Ryan Detrick, Aktienstratege bei Schaeffer´s Investment Research, „diese Zahlen versetzen uns in eine schwierige Situation, und die Investoren hoffen, dass schlechte Zahlen die US-Notenbank zwingen werden, eine Lösung zu finden.“

Wall Street mit Fehlstart in den September

Dass der September seit 30 Jahren an den Börsen der schlechteste Monat im Jahr ist, macht viele Anleger zusätzlich nervös. Denn der gestrige Dienstag, der in New York wegen des Labor Day am Montag der erste Handelstag der Woche war, darf als Fehlstart gewertet werden.

Dass die Aktienkurse in New York gestern nach schwachem Start noch einmal die Kurve bekamen, ist vor allem auch den Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi zu verdanken.

Er hatte vor zwei Tagen zu verstehen gegeben, dass er ohne Regelverstöße Anleihen von Wackelländern mit bis zu drei Jahren Laufzeit kaufen könnte.

Das setzte gestern die Renditen spanischer und italienischer Anleihen nach unten in Bewegung, weil viele Anleger sich jetzt in der Hoffnung auf die Europäische Zentralbank solche Schuldtitel zulegen.

Die Hoffnung auf die Notenbanken, die auf beiden Seiten des Atlantiks greifbar ist und die Erwartungen der Börsianer beherrscht, lässt auch den Goldkurs steigen. Er kratzte am Dienstag erstmals seit März wieder an der Marke von 1.700 Dollar je Feinunze.

Schon vor dem mit großer Spannung erwarteten Jobbericht in den USA am Freitag ist klar, dass es keine guten Nachrichten geben wird.

Jobmarkt in den USA – Wenig Hoffnung auf Besserung

Selbst wenn eine höhere Zahl an neuen Arbeitsplätzen für den August gemeldet wird, sieht die Erholung am Arbeitsmarkt schwach aus.

Das National Employment Law Project (NELP) hat zu Wochenbeginn in einem Bericht dargelegt, dass 58% aller neuen Jobs in den USA seit der Finanzkrise Billigjobs sind. „Die Qualität der Arbeitsplätze entpuppt sich schnell als eine zweite Front in der dümpelnden Erholung“, sagt Annette Bernhardt, eine der Direktorinnen im NELP.

Die NELP-Studie bestätigt einen kürzlich veröffentlichten Bericht des US-Arbeitsministeriums, demzufolge über die Hälfte der Amerikaner, die seit der Krise einen Job verloren haben und seitdem wieder Beschäftigung fanden, jetzt für weniger Geld arbeiten.

Für die Kaufkraft und die Stimmung der US-Konsumenten verheißt das nichts Gutes. Und damit auch nicht für die künftigen Gewinne der Wall Street-Firmen.

5. September 2012

geve
Von: geve.