Wall Street: Hewlett-Packard schockt

Nouriel Roubini ist einer der Desaster-Onkels der Wall Street. Der Professor von der New York University hatte schon die Finanzkrise vor vier Jahren vorhergesagt.

Seitdem ist er kaum optimistischer geworden. Jetzt hat er angekündigt, das Schlimmste stehe der Wirtschaft 2013 erst noch bevor.

„Die Aktienmärkte sind überbewertet“, sagt Roubini, „die Gewinne je Aktie gehen zurück, mit Unsicherheit, Volatilität und externen Risiken könnte sich die augenblickliche Korrektur schnell beschleunigen.“

Wer gestern den Kurs der Hewlett-Packard-Aktie 12% einbrechen sah, fragt sich allerdings, ob Roubini erst 2013 Recht bekommt.

Die Aktien bewegten sich gestern an der Wall Street nach der Monster-Rally vom Montag seitwärts.

Der DOW verlor nach einigen Ausflügen in die Pluszone am Ende mickrige 0,06%. Der Nasdaq 100 konnte – ebenso magere – 0,02% zulegen.

Indizes am Aktienmarkt gemischt – HP-Schocker belastet

Der S&P 500 notiert 0,07% höher.

Überzeugend sieht das nicht aus. Denn die Aktien hatten gestern durchaus auch etwas Rückenwind.

Die Zahl der Neubauten von Wohnhäusern stieg im Oktober in den USA auf ein Vier-Jahreshoch.

Aus Europa kamen keine sehr negativen Nachrichten, außer vielleicht die Wackelpartie um die nächste Kredittranche für Griechenland.

Doch die Anleger und Investoren wurden wieder einmal unsanft daran erinnert, wie schwach derzeit die private Nachfrage in den USA ist.

Im Oktober war der Konsum um 0,3% zurück gegangen.

Gestern berichtete die landesweit größte Elektronik-Kette Best Buy über ihr drittes Finanzquartal, das am 3. November zu Ende ging.

Best Buy sieht Umsatzrückgänge von 4% und hat Kosten für die Restrukturierung zu stemmen.

Der Kette setzen Online-Händler wie Amazon zu, die mit Discount-Angeboten und Steuervorteilen traditionellen Einzelhändlern das Wasser abgraben.

Der ehemalige Nordamerika-Chefvolkswirt von Merrill Lynch, David Rosenberg, erklärte zudem gestern auf CNBC, dass selbst ein baldiger Kompromiss bei den schwierigen Spar-Gesprächen in Washington Mehrbelastungen für Amerikas Steuerzahler bringen wird.

Das heißt nichts anderes als: Weniger Konsum, weniger Investitionen, weniger Jobs, geringere Gewinne bei den Börsenfirmen.

Dass in diesem Umfeld Hewlett-Packard für seine Kernsparten PCs, Drucker, Dienstleistungen und Firmen-Server rückläufige Verkaufserlöse meldet und damit den schwachen PC-Markt bestätigt, schürt die Sorgen von Analysten und Börsianern zusätzlich.

Die knackige Rally vom Montag hat sich damit zunächst einmal nicht als standhaft erwiesen.

Europa – Schuldenmisere zurück auf New Yorker Monitoren

Das liegt auch daran, dass die EU-Finanzminister mit einer schwierigen Entscheidung zu Griechenland betraut sind.

Das Treffen kommt nur einen Tag nachdem Moody´s Frankreich das Toprating aberkannt und das Land auf die Abschuss-Liste für eine mögliche weitere Abstufung gesetzt hat.

Damit bahnt sich eine Rückkehr der europäischen Schuldenkrise auf die Monitore der Investoren in New York an.

Das kommt natürlich nicht zu einer günstigen Zeit. Denn in Washington baut sich neben den Verhandlungen über ein Sparpaket  jetzt noch eine zweite Front auf.

Der Grund: Die USA stoßen in wenigen Wochen an die derzeitige Schulden-Obergrenze von 16.400 Milliarden Dollar an.

Damit droht eine Widerholung des zähen Streits zwischen Republikanern und Demokraten, der schon im August 2011 zum Verlust des Topratings der USA führte.

Die Feuerpause zwischen Israel und der Hamas hat derweil zwar für leichtere Öl-Notierungen gesorgt – diese gingen gestern um 2% zurück –  doch am Aktienmarkt hat die Nachricht wenig Einfluss gehabt.

21. November 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.