Wall Street: Konjunktur-Angst überwiegt

Die großen Notenbanken haben einen strategischen Kommunikationsfehler begangen.

Dieser könnte sich für den Aktienmarkt noch schwer rächen. Es brodelt bereits.

Vollmundig hatten EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chairman Ben Bernanke ihre neue Geldrunde im Sommer angekündigt. Sie erzeugten Erwartungen, die so stark wurden, dass in den vergangenen 14 Tagen gehandelt werden musste.

Die Geister, die die Währungshüter aus der Flasche ließen, trieben wochenlang die Kurse nach oben. Und sie machten die Börsianer so ungeduldig, dass die Fed und die EZB nicht mehr warten konnten …

Sie haben zu früh gehandelt, wie sich jetzt zeigt.

Denn die Freude über die neue Geldflut aus Washington, Frankfurt und Tokyo ist inzwischen umgeschlagen – in grassierende Skepsis über die dümpelnde Weltkonjunktur.

Jetzt stehen die Aktien in New York unter Druck. Geld fließt zurück in die vermeintlich sicheren Bonds. Und aus Gold – wie auch anderen Rohstoffen – entweicht Liquidität.

Das Problem: Die großen Tests für die Stabilität der Kapitalmärkte kommen in den nächsten Wochen erst noch.

Hinter uns: Die neue Geldflut – Vor uns: Neue Minenfelder

Sie heißen Banken-Union, „fiskalisches Kliff“ (USA), Rettungspaket für Spanien und Präsidentenwahl in den USA.

Im Klartext: Die Notenbanken haben nichts mehr überzeugendes im Munitions-Depot.  Aber in den nächsten Monaten werden noch größere Geschütze gebraucht.

Und das macht Anleger wie Investoren zunehmend nervös. – Hätten sie doch nur noch ein bisschen gewartet, die Geldhüter.

Jetzt sind sie Opfer der Eile geworden, die sie selbst erzeugt hatten. Die Marktkräfte haben die Notenbanker quasi gleich mit verschlungen.

Und in Europa wird über die Vergemeinschaftung der Banken und der Einlagen-Garantien gestritten.

Das setzt den Nerven auch in New York ordentlich zu.

Daher ist es fast ein Wunder, dass die führenden Indizes an der Wall Street am Montag nicht weiter in die Knie gingen.

Der DOW gab 0,15% ab, der S&P 500 verlor 0,22%. Der Nasdaq 100 büßte 0,6% ein.

Dass es an der Technologie-Börse Nasdaq mehr Bewegung gab, ist kein Wunder.

Google hat nach einer Rally von 15% im laufenden Jahr gestern das alte Hoch vom November 2007 übertroffen. Doch Tech-Primus Apple belastete den Nasdaq 100 mit einem Kursverlust von 1,33%.

Der Grund: Am ersten Wochenende seit dem Launch des iPhone 5 wurden „nur“ 5 Millionen Geräte verkauft. Das war – gemessen an den hohen Erwartungen – eine kleine Enttäuschung.

In dünner Höhenluft führt das umgehend zu einer Strafe. Auf der Apple-Aktie lasteten auch Nachrichten von Unruhen beim Auftragsproduzenten Foxconn in Südchina am Wochenende.

Facebook ohne Ende – Barron´s sagt 15 Dollar vorher

Und dann Facebook. Die nimmer endende Story vom missratenen Börsengang eskalierte am Montag erneut.

Das US-Magazin Barron´s bezeichnete die Facebook-Aktie als „immer noch zu teuer.“ Das löste einen Kursrutsch von fast 9% aus (GRAFIK).

Das Kursziel laut Barron´s: 15 Dollar. Das wären selbst nach dem Einbruch gestern noch einmal weitere 28% Verlust.

Währenddessen denken Morgan Stanley-Analysten schon laut darüber nach, ob wir bis Ende des laufenden Jahres bereits die vierte Geldflut der US-Notenbank sehen könnten (QE4).

Goldman Sachs-Ökonomen zufolge könnte QE3 – das vergangene Woche verkündet wurde – bis 2015 dauern und ein Gesamtvolumen von 2.000 Milliarden Dollar erreichen.

Das wären fast 20% mehr als die gesamtwirtschaftliche Leistung des aufstrebenden Schwellenmarkt-Giganten Indien.

Demnach könnte der Leitzins der Fed – die Federal Funds Rate – sogar bis 2016 auf seinem Rekordtief bei fast Null Prozent bleiben. Die Fed hat dies bis 2015 angekündigt.

Joseph Stiglitz – Den Europäern läuft die Zeit davon

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz warnt derweil die Europäer, ihre Zeit für eine Lösung der Krise laufe aus.

Im Klartext: Die Aktienkurse in New York sind im Schwitzkasten gelandet. Ob sie es dort lange aushalten, ohne mehr als 0,2% am Tag abzugeben, darf man bezweifeln.

25. September 2012

geve
Von: geve.