Wall Street: Neue Hoffnung am Kliff

Ist es wieder nur das Prinzip Hoffnung ? Oder wissen die US-Börsianer schon etwas, das wir bisher nur ahnen ?

Der DOW, der S&P 500 und die Nasdaq können zum Wochenstart zwischen 0,8% und 1,3% zulegen.

Die Zuversicht für diesen Kursanstieg leiten Anleger aus der Besucherliste des Weißen Hauses ab.

Dort hat sich als letztes der Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, eingetragen. Der Top-Republikaner hat mit Barack Obama gesprochen.

Mehr noch: Boehner signalisiert Bereitschaft zu höheren Steuern für reiche Amerikaner. UND: Er hat angeboten, auch über eine weitere Erhöhung des Schuldenlimits für ein Jahr zu sprechen.

Das kann er aber nur, wenn er davon ausgeht, dass ein Kompromiss bei den Budget-Verhandlungen in Reichweite ist.

Für die Wall Street sind das sehr gute Nachrichten.

Sie bedeuten, dass 2013 mit einer Rally am Aktienmarkt beginnen könnte.

Und dafür wollen sich die Anleger und Investoren natürlich rechtzeitig in Stellung bringen und jetzt schon Aktien kaufen.

Kurstreiber – US-Kliff vermieden und neuer Schwung in Japan?

Das ist der Grund, warum am Montag der DOW satte 100 Zähler zulegen konnte.

Zusätzlicher Auftrieb kommt am Aktienmarkt in New York vom Wahlergebnis in Japan.

Dort siegten am Sonntag die Konservativen um Shinzo Abe, der mit Steuerpolitik und einer ultra-lockeren Geldpolitik die Konjunktur stärker anschieben will.

Da sich dies in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt – nach den USA und China – abspielt, ist das eine weitere gute Nachricht für die Aktien an der Wall Street.

Etwas enttäuscht hat gestern der Bericht der US-Notenbank für das Verarbeitende Gewerbe im Großraum New York. Dort geht der Fabrik-Index im laufenden Monat auf Minus 8,1 Zähler zurück.

Erwartet hatten Beobachter Minus 5,2.

Ganz gut geschlagen hat sich zu Wochenbeginn Apple. Die Aktie steht seit ihrem Allzeithoch im September mächtig unter Druck.

Am Montag fiel sie zunächst weiter, unter die wichtige Marke von 500 Dollar. Doch dann kam der Rebound. Am Ende des Tages stand ein Plus von 2% in den Büchern.

Interessant ist ein Vergleich den die US-Finanz-Webseite Seeking Alpha anstellt.

Die US-Aktien werden dort mit denen im Rest der Welt verglichen.

Ergebnis: Seit dem Ende der Großen Rezession Mitte 2009 haben sich Dividenden-Titel an der Wall Street deutlich besser geschlagen als Aktien an den übrigen Börsen der Welt.

Kein Wunder: Die US-Firmen produzieren Rekordgewinne, der Dollar war stabil, die Zinsen verharrten auf einem Rekordtief.

Doch dieser Trend ändert sich gerade.

Seit diesem Sommer laufen US-Aktien den Werten an anderen Börsen hinterher.

In den 3 Monaten bis Ende November haben US-Aktien weniger als 1% zugelegt, gemessen am S&P 500.

US-Aktien – Ziemlicher Aufschlag zu anderen Börsen

Doch im MSCI ACWI-ex USA, der Aktien außerhalb der USA abbildet, beträgt das Plus 5,5%.

Dieser Trend könnte sich jetzt fortsetzen. Denn die Kurse der Aktien an der Wall Street sind im Verhältnis zum Buchwert mit dem 2,1fachen relativ hoch bewertet.

Dieses Verhältnis beträgt im Rest der Welt lediglich 1,45. Das bedeutet: Die US-Aktien haben einen Aufpreis von 47%.

Wenn man dann das Risiko vom Budget-Kliff in Washington hinzu rechnet und die erneut nahende Schuldendecke noch berücksichtigt, dann ist das ein ziemlich hoher Aufschlag für US-Aktien.

Hinzu kommt: Die tägliche Volatilität der Aktienkurse war in den USA seit 2010 genau so hoch wie im Rest der Welt.

Doch in den vergangenen 5 Wochen war sie in den USA um 30% höher als an anderen Weltbörsen.

Das muss nicht das sprichwörtliche Zittern des Vulkans sein, bevor er ausbricht.

Aber die wachsende Volatilität zeugt von steigender Nervosität.

Und die Gründe dafür kennen wir.

18. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.