Wall Street: Platzt die Bond-Blase?

In den USA hat eine gefährliche Diskussion über den Anleihemarkt begonnen. Wenn sie sich ausbreitet und anhält, hat sie das Zeug, einen Crash bei den Kursen auszulösen.

Seit dem Sommer 2007 sind die Zinsen der 10jährigen US-Anleihe von 4% auf 1,4% gefallen. Nach der jüngsten Korrektur sind sie jetzt wieder auf 1,6% gestiegen.

Wer sich den langfristigen Trend der Renditen für US-Anleihen anschaut, bekommt eine Gänsehaut.

Denn der Abwärtskanal wurde seit den 80er Jahren vier Mal am unteren Rand berührt. Jedes Mal brach eine Krise aus.

Das erste Mal berührten die Renditen das untere Band des Kanals Anfang der 90er Jahre. Da brach die Bankenkrise in den USA aus.

Die Zinsen schossen nach oben.

Das zweite Mal passierte die gefährliche Berührung 1997. Die Asienkrise brach aus. Wieder schossen die Zinsen nach oben bis an den oberen Rand des Abwärtskanals.

Anleihe-Renditen wieder auf kritischem Niveau

Die dritte Berührung mit der unteren Linie des Abwärtskanals geschah Anfang des vergangenen Jahrzehnts. Das war die Dotcom-Krise.

Wieder krachte es an der Börse. Viele Anleger stiegen auch aus ihren Anleihen aus. Deren Kurse fielen, die Renditen stiegen.

Das vorerst letzte Mal passierte dies vor vier Jahren. Die Finanzkrise brach aus. Wieder stiegen die Anleihe-Renditen.

Seitdem sind sie stetig gefallen, auf das jetzige Niveau.

In den vergangenen Monaten wurden die Renditen am US-Anleihemarkt weiter nach unten gepeitscht, weil die US-Notenbank im großen Stil Anleihen kaufte. Auch, weil die Schuldenkrise in Europa enorm viel Kapital in den US-Anleihemarkt trieb.

Das war eine von Furcht getriebene Rally, bei der Kapital aus dem Rest der Welt in die USA strömte und in den vergleichsweise „sicheren“ US-Anleihen in Deckung ging. Resultat: Deren Kurse stiegen, die Renditen fielen.

Dieser Effekt hat die Kurse am Anleihemarkt so hoch – und die Renditen so nach unten – getrieben, dass jetzt nach Meinung vieler Experten die nächste Kehrtwende nach oben ansteht.

Wie schnell das gehen könnte, darüber wird eifrig gestritten. Manche Beobachter sagen, dass die Rendite für die 10jährige US-Anleihe zuerst noch weiter auf 1,2% fällt, wenn sich die Krise in Europa zuspitzt.

Das würde die Renditekurve im langfristigen Abwärtskanal leicht durch die untere Linie des Kanals stoßen lassen.

Wie groß wird der Ausschlag der Renditen sein?

Dann wäre der Weg spätestens nach oben frei.

„Wir sind im Anleihemarkt in einer Blase angekommen“, sagt Thierry Apoteker, der Chef des Research-Unternehmens TAC Financial.

Laut Apoteker könnten die Renditen für die 10jährige (siehe GRAFIK) von jetzt ab 80 bis 100 Basispunkte nach oben schießen.

Stimmt das, dann würden sie bis 2,5% steigen. Mit einem ETF – wie dem TBT, dessen Kurs in unserer heutigen GRAFIK abgebildet ist, könnte man dann einen ordentlichen Schluck aus der Pulle nehmen.

Sollten in den kommenden Wochen Daten aus der Weltwirtschaft – vor allem aus der US-Konjunktur – kommen, die eine Stabilisierung, oder gar eine Verbesserung signalisieren, dann wäre es so weit.

Viel Kapital würde sich aus dem US-Bondmarkt verabschieden. Die Kurse der Anleihen würden sinken, die Renditen steigen.

In dem langfristigen Abwärtskanal wäre für so eine Aufwärtsbewegung der Zinsen aktuell Platz bis knapp über 3%. Da wären also saftige Gewinne drin.

„Die Märkte haben die ersten romantischen Phantasien über eine Rückkehr des Wachstums und der Inflation“, sagt Timothy Riddell, der Research-Chef bei der ANZ Bank in Singapur.

Vielleicht ist das etwas verfüht, nachdem wir diese Woche wieder schlechte Einkaufsmanager-Indizes aus der ganzen Welt gesehen haben.

Bessere Konjunktur, mehr Vertrauen, steigende Renditen

Aber in vielen Fällen, auch in China und der EU, waren die Werte zumindest nicht mehr schlechter als in den Vormonaten.

Sollte in den nächsten Wochen eine wichtige positive Nachricht von einem der bekannten Brandherde kommen – Sparkompromiss in den USA, Fortschritte im Krisenmanagement in Europa zum Beispiel – dann wäre das ein Grund für den Einstieg in die Wette auf steigende Zinsen.

„Ein kräftiger Anstieg ist unwahrscheinlich“, erklärt Riddell in diesem Zusammenhang. Aber das muss auch nicht sein.

Selbst eine Korrektur nach oben von einem halben Prozentpunkt würde beim entsprechenden ETF schon zu einer kräftigen Bewegung führen.

Also: Suchmaschinen anwerfen, recherchieren, Investitionsplan entwerfen. Hier ist eine der Chancen, die absehbar ung gut sind.

4. Oktober 2012

geve
Von: geve.