Wall Street schöpft neuen Mut

Apple als Spielverderber. Das ist mal was Neues an der Wall Street.

Die Aktie des wertvollsten Unternehmens auf diesem Planten verlor gestern 6,4%, weil Anleger das Vertrauen in die schier endlose Rally des Tech-Wertes verlieren.

Jetzt notiert die Aktie 23% unter ihrem Allzeithoch vom 21. September. Das war bei 705 Dollar markiert worden.

Der Absturz gestern war für die Apple-Aktie der größte in vier Jahren. Und er war verantwortlich für zwei Drittel der Verluste von 0,8% beim Nasdaq 100.

Die Mehrzahl der Aktien ließ sich davon aber am Mittwoch nicht die Laune verderben.

Heraus kam mit einem Zuwachs von 0,6% beim DOW – und +0,2% beim S&P 500 – der erste Tag mit einem Pluszeichen in der laufenden Woche.

Obama – Lösung binnen einer Woche möglich

Wichtigster Grund: US-Präsident Barack Obama gab bei einem Auftritt vor Wirtschafts-Kapitänen zu Protokoll, es könne binnen einer Woche ein Kompromiss bei den Spar-Verhandlungen gefunden werden, wenn sich die Republikaner bewegen.

„Die Börsianer haben das Schlimmste erwartet als Obama vor die Kameras trat, aber er kam nicht so negativ rüber, und dann haben die Verkäufe am Aktienmarkt nachgelassen“, erklärt Rick Fier den Verlauf des Aktienhandels in New York am Mittwoch. Fier ist Chef für den Aktienhändel beim Brokerhaus Conifer Securities in New York.

Nach einer raschen Einigung sah es gestern zwar noch nicht aus. Doch es gab erste Lichtblicke beim politischen Ringen um das Kliff zu vermeiden, das die Wall Street so fürchtet.

Über 40 Abgeordnete der Konservativen im Repräsentantenhaus sollen bereits einen Brief unterschrieben haben, der Kompromiss-Bereitschaft zeigt.

Das Schreiben signalisiert ans Weiße Haus den Wunsch, „alle Optionen“ für einen Kompromiss zu prüfen.

Im Klartext: Die Reihen der Republikaner, die bislang strikt gegen jegliche Steuer-Anhebungen für reiche Amerikaner sind, bröckelt sichtbar.

Auf der anderen Seite machen aber auch die Hardliner bei den Republikanern mobil.

Sie sammeln Unterschriften, um ihren Partei-Kollegen John Boehner als Sprecher des Repräsentantenhauses abzusetzen. Boehner fährt in ihren Augen bei den Verhandlungen mit Obama einen zu weichen Kurs.

Von der wachsenden Zuversicht profitierten gestern vor allem die Banken. Die Aktie der Citigroup schoss 6,3% in die Höhe. Das war der stärkste Kursanstieg in fast einem Jahr.

Der Grund dafür: Die Megabank will 11.000 Stellen streichen, schlanker werden und Kosten sparen.

Die Aktie der Bank of America konnte 5,7% zulegen. Vorstandschef Brian Moynihan hat die Kapitalreserven erhöht, für über 60 Mrd. Dollar Anteile verkauft und ein Sparziel von 8 Mrd. Dollar im Jahr gesetzt.

Bank of America – Das gelbe Trikot im DOW 2012

Die Bank of America-Aktie ist mit 88% der klare Sieger im DOW seit Anfang 2012. Home Depot kommt abgeschlagen mit einem Zuwachs von 52% auf den zweiten Rang.

Währenddessen nehmen die Warnungen vor dem Schaden zu, den das Ausbleiben eines Sparpakets in Washington für die US-Wirtschaft hätte.

Die jüngste Mahnung stammt von Alan Blinder, einem Ökonomen an der renommierten Princeton-Universität. Blinder war vorher Vize-Chairman bei der US-Notenbank Fed.

Er rechnet mit einer erneuten Rezession und bis zu 11% Arbeitslosigkeit, falls sich Obamas günstige Prognose vom Mittwoch nicht bewahrheiten sollte.

Und solange das wirklich nicht ganz klar ist, bleibt uns die Wackelbörse in New York erhalten.

6. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.