Wall Street: Schwacher Konsum belastet

Noch drei bange Tage bis zum Ende des Börsenjahres in New York. Es könnten lange Tage werden.

Denn zwischen Weißem Haus und dem Senat wird der letzte Anlauf für einen Budget-Kompromiss im laufenden Jahr genommen. Ab heute.

Und mit geringen Aussichten auf einen Durchbruch, der den Namen verdient.

Während die Anleger in Deutschland den zweiten Feiertag begingen, wurde an der Wall Street schon wieder gehandelt.

Der DOW gab 0,2% nach, auf 13.114 Punkte. Der S&P 500 fiel 0,5% auf 1.420. Der Nasdaq 100 musste mit -0,7% auf 2.990 kräftiger Federn lassen.

Doch der Umsatz am Aktienmarkt war gestern in dieser Ferienwoche äußerst mäßig.

Tech-Aktien – 2012 gab es wenig zu feiern

Das passt zum auslaufenden Börsenjahr in New York. Es war nicht das Jahr der Tech-Werte. – Ganz im Gegenteil.

Facebook legte den miserabelsten Börsengang des Jahres hin, gemessen an den zuvor hohen Erwartungen.

Apple korrigierte zum Jahresende nach dem Sturmlauf bis auf über 700 Dollar um 30%.

Und Hewlett-Packard musste fast neun Milliarden Dollar auf sein Investment in den britischen Software-Konzern Autonomy abschreiben.

Zum Abschluss des Jahres stehen aber in New York vor allem die Konsumwerte schlecht da. Sie stellten am Mittwoch die Mehrzahl der 10 größten Verlierer im S&P 500.

Der Grund: Die Verkaufserlöse im Einzelhandel der USA zwischen dem 28. Oktober und dem 24. Dezember – also im Weihnachtsgeschäft – stiegen mit lediglich 0,7% weniger als halb so stark wie 2011.

Einer der Gründe ist der Wirbelsturm Sandy, der im dicht bevölkerten Nordosten der USA dem Handel mit starken Verwüstungen sehr schadete.

Ein zweiter Grund ist die Stimmung der Verbraucher. Sie sank im laufenden Monat Dezember auf ein Fünf-Monatstief.

Auch dafür gibt es einleuchtende Gründe: Weil die Spar-Verhandlungen in Washington noch immer kein Ergebnis gebracht haben, sehen Amerikas Familien höhere Steuern auf sich zukommen.

Mehr noch: Die US-Verbraucher, die in guten Zeiten 70% zum Wachstum der Gesamtwirtschaft beitragen, bauen weiter ihre hohen privaten Schulden ab.

Die Amerikaner wendeten im dritten Quartal 10,6% ihres versteuerten Einkommens für den Schuldendienst auf. Das ist der niedrigste Wert seit 1983.

Das bedeutet: Viele Amerikaner verzichten auf Konsum, damit sie aus dem privaten Schuldenloch herauskommen.

Und DAS bedeutet: Für den Start ins neue Jahr 2013 – von dem wir nur noch drei Handelstage entfernt sind – fehlt der Schwung.

Lichtblick Immobilienmarkt – Einzelhandel als Dämpfer

Dass die Preise für US-Wohnhäuser in den 12 Monaten bis Oktober so schnell gestiegen sind wie seit zwei Jahren nicht mehr, das ist in dieser Situation kein starker Trost.

Denn der Preisanstieg findet auf dem Papier statt.

Unsere heutige GRAFIK zeigt die vergangenen fünf Handelstage im DOW bis einschließlich gestern.

Die Bilanz der fünf Tage: Minus 1,77%. Die Kurve sieht aus wie die Treppe in den Keller.

Für 2013 verheißt das keinen guten Start.

Und am 8. Januar gibt der Aluminium-Schmelzer Alcoa den Startschuss zur Bilanzrunde für das vierte Quartal, das am kommenden Montag zu Ende geht.

Dafür gibt es keine besonders optimistischen Gewinn-Prognosen.

Also, liebe Börsianer: Anschnallen für 2013, und ganz langsam und vorsichtig losfahren.

27. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.