Wall Street: Schwung am Muni-Markt

Nach zwei Wochen mit Kursgewinnen haben die Aktien in New York die neue Woche schwächer begonnen.

Wichtigster Grund ist die zunehmende Furcht der Anleger, dass die USA keinen Weg um das Fiskal-Kliff herum finden werden, und dass 2013 deswegen eine Rezession droht.

Gestern lieferte der Fabrik-Index des Institute for Supply Management für den November einen ersten Beweis: Das Barometer fiel von 51,7 auf 49,5 Zähler.

Damit liegt der jüngste Messwert wieder unter der Marke von 50. Alle Zählerstände darunter signalisieren eine schrumpfende Fertigung in der Industrie.

„Die Furcht vor dem Kliff beeinflusst zunehmend die Entscheidungen der Firmen“, erklärt Andres Garcia-Amaya. Er ist Markt-Stratege bei JP Morgan Chase in New York.

Viele Börsianer sind angesichts widersprüchlicher Zahlen aus der Weltwirtschaft schlicht verwirrt.

China macht mit besseren Zahlen Hoffnung

„China zeigt jetzt wieder Lebenszeichen“, sagt Garcia-Amaya, „die USA tun das auch, aber wir haben all die vielen Spannungsherde rund um den Globus, das hält uns von einem weiteren Anstieg der Kurse ab.“

Zweifel und Unsicherheit sprechen derzeit aus fast allen Kommentaren der Analysten und Marktteilnehmer.

„Die Zahlen aus China verbessern sich, wenn wir nur einen Hinweis darauf hätten, dass der Kongress sich auf ein Sparpaket einigen kann, dann hätten wir sofort einen kräftigen Rebound nach oben am Markt“, erklärt Mike Lenhoff. Er ist Chefstratege beim Brokerhaus Brewin Dolphin in London.

Immerhin: Die Republikaner legten gestern einen Gegenvorschlag zu dem Plan von Obama vor, den sie am Freitag abgelehnt hatten.

Die Republikaner wollen 1.400 Milliarden Dollar weniger Ausgaben im US-Bundeshaushalt, dazu 800 Milliarden an neuen Steuereinnahmen. Diese sollen aus der Beseitigung von Schlupflöchern kommen.

Doch die Retour-Kutsche von Obamas Demokraten kam sofort.

Finanzminister Tim Geithner warf den Republikanern vor, sie seien Schuld wenn die Konjunktur leidet, weil ihr Widerstand gegen höhere Steuersätze für Reiche einen Kompromiss verzögere.

Was Anleger und Investoren zusätzlich verunsichert, ist die Technik.

Der S&P 500 erreichte gestern zu Beginn der Börsensitzung nach einem Anstieg die 50-Tage-Linie bei 1.421 Zählern, bevor er bis zum Schluss auf 1.409 Zähler abrutschte.

Der Index notiert seit dem 19. Oktober unterhalb dieser wichtigen Linie.

Folglich nehmen die Warnungen vor weiteren Kursverlusten am Aktienmarkt zu.

Die jüngste Rally läuft aus, fürchtet auch die Aktien-Strategin Gina Martin Adams bei Wells Fargo.

Sie sagt dem S&P 500 bis Jahresende einen Stand von 1.390 vorher. Das wären zwar nur 1,4% weniger als der aktuelle Stand.

Doch ein Eintreffen dieser Prognose würde auch bedeuten, dass es 2012 keine Nikolaus-Rally mehr gibt.

Rohstoff-Werte geraten in diesem Umfeld erneut unter Druck. Newmont Mining, der größte Gold-Produzent in den USA, verlor gestern 2,8%.

Die Rohstoff-Produzenten im S&P 500 gaben als Gruppe zum Wochenauftakt 2% ab.

Rally der Muni-Bonds: Bessere lokale Staatsfinanzen helfen

Eine Rally verzeichnen in diesem schwierigen Markt derzeit die Muni-Bonds. Das sind Anleihen, die in den USA Kommunen, Universitäten, Versorger und Bundesstaaten ausgeben.

Die Muni-Bonds hatten seit der Finanzkrise unter den gestressten Finanzen der US-Staaten und Städte gelitten.

Doch in manchen Bundesstaaten entspannt sich die Schulden-Situation dank steigender Steuereinnahmen – wie derzeit in Kalifornien – oder wegen weitreichender Spar-Maßnahmen.

Die Kurse der Anleihen von Florida haben jetzt den höchsten Stand in fast 10 Jahren erreicht, weil zum ersten Mal in drei Jahrzehnten für zwei Jahre hintereinander eine Verbesserung der Staatsfinanzen winkt.

Floridas Muni-Bonds haben den Anlegern 2012 bislang 9,2% Gewinn beschert.

Der Muni-Markt insgesamt brachte den Anlegern ein Plus von 8,9%.

Auffallend – und positiv – ist aktuell auch die Zunahme der Long-Wetten von Hedgefonds auf steigende Rohstoff-Notierungen.

In der Woche bis zum 27. November – das ist der jüngste Beobachtungs-Zeitraum – nahmen die Long-Positionen in 18 Futures und Optionen auf Rohstoffe um 9,8% zu.

Hier wirkt sich vor allem die verbesserte Einschätzung über die chinesische Konjunktur aus.

Das lässt für die Rohstoff-Notierungen kurzfristig hoffen.

4. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.