Wall Street: Tech-Titel glänzen wieder

Die US-Aktien stiegen gestern den vierten Tag in Folge.

Allerdings: Der Schwung kam eindeutig von der Nasdaq. Der DOW und der S&P 500 konnten mit minimalen Zuwächsen nicht überzeugen.

Rohstoff-Werte schlugen sich gut, weil der Industrie-Ausstoß in China im November um 10% zulegen konnte.

Doch das war es auch schon an guten Nachrichten am breiten Markt.

Die Nachricht vom Rückzug des italienischen Premiers Mario Monti – und die drohende Rückkehr von Silvio Berlusconi sorgen derweil wieder für Unruhe.

Und die Zusicherungen in Washington, auch von Barack Obama, dass ein Kompromiss bei den Spar-Verhandlungen bis Silvester möglich sei, überzeugen nicht.

Daher fehlt es dem breiten Aktienmarkt in der neuen Woche zunächst an Schwung.

HP, Microsoft, Cisco hieven die Nasdaq ins Plus

Dass das an der Nasdaq anders aussieht als im DOW, hat einen triftigen Grund.

Unbestätigte Gerüchte, dass der Großinvestor Carl Icahn beim Computer-Produzenten Hewlett-Packard einsteigen will, ließen den Kurs der seit Monaten gebeutelten Aktie (siehe GRAFIK) gestern um 2,7% nach oben schnellen.

HP hatte im November 8,8 Mrd. Dollar Abschreibungen eingeräumt, weil es sich bei der Übernahme des britischen Software-Herstellers Autonomy getäuscht sieht.

Die Aktien von Cisco und Microsoft ließen sich gestern von den HP-Gerüchten anstecken und zogen kräftig mit nach oben.

Deshalb schneidet der Nasdaq 100 zum Wochenauftakt mit +0,3% besser ab als der DOW und der S&P 500.

„Wir warten auf die Politiker“, beschreibt der Fondsmanager Tom Wirth bei Chemung Canal Trust in New York die Stimmung am Aktienmarkt der Wall Street kurz. Das stimmt mit der vorherrschenden Einschätzung überein.

Dass die Aktien in New York trotz des Rückenwindes von der Nasdaq nicht in die Gänge kommen, hat außer den politischen Turbulenzen in Italien und den fest gefahrenen Kliff-Gesprächen in Washington noch einen anderen Grund.

Die Zinskosten auf die Kredite der Börsenfirmen in New York sind jetzt mit insgesamt 2,39% vom Umsatz die geringsten in 10 Jahren.

Das heißt, dass die Möglichkeiten zu weiteren Kostensenkungen an der Wall Street derzeit begrenzt sind.

Das ist einer der Gründe – neben steigenden Materialkosten – warum die Gewinnmargen zum ersten Mal seit 2009 wieder sinken.

Druck auf die Gewinne Anfang 2013

Für die ersten Monate 2013 verheißt das Druck auf die Bilanzen der Wall Street-Unternehmen.

Mehr noch: Die privaten Haushalte in den USA – deren Konsum 70% zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt – werden Anfang 2013 mit weniger Shopping-Power beginnen.

Erstens wird die Arbeitslosenhilfe beschnitten. Zweitens endet die vorüvergehend niedrigere Payroll Tax. Das ist eine Abgabe von der Einkommensteuer für das Sozialsystem.

Wenn diese Steuer wieder steigt, können die Amerikaner weniger in den Shopping-Malls ausgeben.

Und das ist noch nicht alles: Über 150 börsennotierte Firmen, die für 2013 höhere Gewinnsteuern erwarten, ziehen die für Anfang 2013 vorgesehenen Dividenden-Zahlungen in den Dezember vor.

Damit verringern sie ihre Steuern für 2013 und schütten 20 Milliarden Dollar vorzeitig aus.

Hinzu kommen viele Anwalts-Kanzleien, Finanz-Investoren und Brokerhäuser, die Gewinnbeteiligungen, Boni und Kommissionen ebenfalls schon 2012 ausschütten.

Frühzeitig ausgeschüttete Gewinne – Viel Einkommen, aber wenig Konsum

Das sind noch einmal zusätzlich 30 Milliarden Dollar.

Die schlechte Nachricht: Das viele Geld fehlt beim Investieren und es wandert in die Taschen betuchter Amerikaner, die es kaum für zusätzlichen Konsum verwenden.

Viel Einkommen also, das nicht in den Shopping-Malls endet.

Genau das Gegenteil braucht die US-Wirtschaft aber.

Auf der Firmenseite bedeutet das für die ersten Monate 2013 weitere Gewinnrückgänge.

Heute werden die Börsianer auf die kleinsten Hinweise aus den Reihen der US-Währungshüter lauschen.

Die tagen noch bis morgen. Daher ist Geduld angesagt. Es ist die letzte Sitzung im laufenden Jahr.

Falls eine Verlängerung der laufenden Operation Twist angekündigt wird, könnte das am Mittwoch zu einer kleinen Rally führen.

Für heute dürfen wir dagegen eher wieder mit einer Dümpel-Börse in New York rechnen.

11. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.