Wall Street vor schwieriger Woche

Über der Wall Street braut sich ein Sturm zusammen.

Der Glaube an die jüngst gestarteten Geldfluten der großen Notenbanken lässt schon wieder nach.

Das Vertrauen in die globale Konjunktur wird von immer mehr schlechten Zahlen untergraben, zuletzt die wieder enttäuschenden Einkaufsmanager-Indizes.

Und in etwas mehr als einer Woche beginn die neue Bilanzrunde, diesmal für das dritte Quartal. Diesmal sollen die Gewinne erstmals seit 2009 wieder sinken.

Am Freitag werden auch noch beide Häuser des US-Parlaments bis nach der Wahl am 6. November in eine Pause gehen.

Den USA droht damit ein Sturz über das sogenannte „fiskalische Kliff.“ Dieses Kliff besteht aus gleichzeitigen Ausgabenkürzungen und Steueranhebungen im US-Haushalt.

Sie werden Anfang 2013 automatisch einsetzen, wenn es vorher keinen Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten für ein Sparpaket gibt.

Banken warnen vor Folgen des „fiskalischen Kliffs“

Die automatische Bremse wird die US-Konjunktur wertvolle Prozentpunkte beim ohnehin schwachen Wachstum kosten.

Zu den wenig erquicklichen Prognosen über die möglichen Wirkungen des fiskalischen Kliffs gehört die jüngste von der Citigroup.

Demnach können wir im schlimmsten Fall eine Korrektur von 20% bei den Aktienkursen in New York erwarten, dazu einen Einbruch der Öl-Notierungen um 20 Dollar je Barrel, was etwa 25% entspräche.

Und dann auch noch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von derzeit 8,1% auf bis zu 9,5% im Jahr 2014.

Im Klartext: Wenn das zu zutreffen würde, wäre die Eurozone nicht mehr das größte Problem für die Weltwirtschaft. Die USA hätten im globalen konjunkturellen Grusel-Kabinett die Führungsrolle übernommen.

Aktienmarkt – Die ersten Vorbeben sind eine Warnung

Solche Aussichten haben in der vergangenen Woche in New York schon zu ersten kleinen Vorbeben am Parkett geführt.

Vor allem Banken und Rohstoff-Werte büßten kräftige Verluste ein. Bank of America und Alcoa zum Beispiel. Hier betrug der Kursverlust knapp 5%.

Der Dow Jones Transportation-Index – ein gutes Barometer für die Konjunktur, weil es die Transport-Aktivität misst – verzeichnete mit -5,9% den größten Wochenverlust seit dem November 2011.

Nur Apple konnte wieder einmal dagegen halten, mit einem Wochengewinn von immerhin 1,3%, wegen des neuen iPhones.

Doch selbst dieses Erfolgsprodukt kommt jetzt erstmals mit ein paar Enttäuschungen daher, die Wartezeiten mitgerechnet.

„Wir beobachten eine Konsolidierung“, sagt Jason Cooper, ein Anlageberater bei 1st Source Investment Advisors.

Sein Hinweis bezieht sich auf die anstehende Bilanzrunde: „Wir haben die ersten Signale für die zu erwartenden Gewinnberichte, und die Firmen sind außerordentlich vorsichtig.“

Die wichtigste Konjunkturzahl in den USA kommt in dieser Woche am Freitag. Es sind die Konsumausgaben vom August.

Inflationsbereinigt wird mit einer Stagnation der Ausgaben gerechnet, also ein Triebwerksausfall im wichtigsten Konjunktur-Zylinder.

Denn mit einem Beitrag von 70% zum Bruttoinlandsprodukt ist der private Konsum der wichtigste Antriebsriemen.

Wie groß die Zweifel an der Konjunktur inzwischen geworden sind, das zeigt eine Äußerung vom Präsidenten der Fed-Zweigstelle in Atlanta, Dennis Lockhart.

„Wenn wir am Arbeitsmarkt keine Verbesserung sehen, könnte die Notenbank weitere Maßnahmen ergreifen“, sagt Lockhart.

Dass ein führender Notenbanker nur sechs Handelstage nach dem Start der dritten großen Geldschwemme laut über eine vierte Runde nachdenkt, das spricht Bände.

Jim Rogers – Implosion der US-Wirtschaft steht bevor

Dazu passt auch die jüngste Prognose der Investoren-Legende Jim Rogers. Er warnte die Amerikaner am Ende der vergangenen Woche, sich auf ein „finanzielles Armageddon“ vorzubereiten.

Nach Einschätzung von Rogers wird die US-Konjunktur nach der Wahl am 6. November regelrecht implodieren.

Der Grund: Die Welt ertrinkt laut Rogers in zu viel Schulden. Die Regierungen in Europa und den USA missbrauchen seiner Ansicht nach ihre Lizenz zum Geld drucken.

In diesem Sinne ist es vielleicht ganz hilfreich, sich vor Augen zu halten, welche Aktien im laufenden Jahr im DOW am besten gelaufen sind.

In der heutigen Grafik zeigen wir Ihnen daher die bis zum 21. September erfolgreichsten Werte. Jahressieger bisher ist demnach die Bank of America.

Doch wie bereits gesagt: Bei den Banken geht – wie bei den Rohstoffen – bereits Luft raus.

Die bislang besten Aktien könnten – wenn die Stunde der Wahrheit schlägt – auch die besten Wetten auf sinkende Kurse sein.

24. September 2012

geve
Von: geve.