Wall Street: Warten auf Bernanke

Für Beobachter der New Yorker Börse scheint der Fall klar zu sein.

Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank wird am Donnerstag grünes Licht für die dritte Runde massiver Anleihekäufe geben.

Das scheinen auch die Anleger und Investoren am Aktienmarkt der Wall Street so zu sehen.

Obwohl die Regierung am Freitag einen äußerst enttäuschenden Arbeitsmarktbericht präsentierte, konnten sich die Aktien einigermaßen gut aus der Affäre ziehen.

Die neue Kurs-Logik in New York …

Die Logkik hinter diesem relativ guten Abschneiden der Kurse beschreibt der Fondsverwalter Eric Kuby beim Vermögensberater North Star Investment Management in Chicago so:

„Gute Nachrichten sind gute Nachrichten, und schlechte Nachrichten sind derzeit auch gute Nachrichten.“

… auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten

Das will heißen: Je schlechter die Nachrichten aus der Konjunktur, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Geldhüter den Finanzmärkten und der Konjunktur schon bald stützend unter die Arme greifen.

Und genau das wollen die Börsianer ja.

Die eher prominenten Beobachter der Wall Street sind sich ihrer Sache nicht ganz so sicher wie das Börsenvolk.

Aber auch sie neigen zu der Annahme, dass die US-Notenbank nach zweitägiger Sitzung am Donnerstag ein Einsehen haben wird.

Zu diesen vorsichtigen Optimisten gehört Jan Hatzius, der Chefökonom bei Goldman Sachs. „Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Lockerung nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten kommen wird, ist jetzt solide über 50%“, sagt Hatzius.

Und der Chef des weltweit größten Anleihefonds Pimco, Bill Gross, geht fest davon aus, dass die miserablen Jobzahlen in den USA am vergangenen Freitag – nur 96.000 neue Jobs im August – die Währungshüter einer Entscheidung näher gebracht haben.

Laut Gross sind am Donnerstag „starke Hinweise“ oder aber „Taten“ zu erwarten.

Ihm zufolge könnte die Fed die massiven Käufe von Anleihen verlängern und eventuell auch die rekordniedrigen Zinsen bis mindestens 2015 beibehalten.

Bisher werden die rekordniedrigen Zinsen nur bis 2014 in Aussicht gestellt.

In Erwartung baldiger Maßnahmen durch die Währungshüter sind die Aktienkurse seit Wochen gestiegen. In der vorigen Woche hatte bereits EZB-Präsident Mario Draghi seinem Versprechen Taten folgen lassen.

Der S&P 500 Index hat im laufenden Jahr satte 14% zugelegt. In der vergangenen Woche hat er das höchste Niveau in vier Jahren erklommen.

Allein in der vergangenen Woche gewann das Barometer 2% hinzu.

Mittwoch – Was sagen die Karlsruher Richter?

Doch Anleger und Investoren in New York müssen sich noch etwas gedulden bis Donnerstag.

Am Mittwoch steht erst noch ein anderer Krimi bevor, der die Kurse in beide Richtungen in Bewegung bringen kann.

Die Richter am Verfassungsgericht in Karlsruhe geben ihre Entscheidung bekannt, ob sie den Europäischen Stabilisierungs-Mechanismus für vereinbar mit dem Grundgesetz halten.

Überwiegend wird erwartet, dass die Richter sich nicht in den Weg stellen. Doch Zweifel an der Prognose bleiben.

Kippt Karlsruhe den ESM, droht an der Wall Street größerer Abgabedruck. Das könnte der Auslöser für Verkäufe nach wochenlanger Rally sein.

Besonders kritisch wird in der neuen Woche also die Phase zwischen der Eröffnung der Wall Street am Mittwoch und dem Schlussgong am Donnerstag sein.

Am Donnerstag wird noch die Bekanntgabe der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA für die vergangene Woche erwartet.

Im schlimmsten Fall werden die Daten den schwachen Arbeitsmarktbericht vom Freitag bestätigen. Das könnte – wenn die Währungshüter enttäuschen – die drohenden Kursverluste kräftig verstärken.

10. September 2012

geve
Von: geve.