Wall Street: Was macht die Fed?

Mehr Jobs, weniger Zuversicht.

Das war der Widerspruch, der am Freitag zum Wochenabschluss die Anleger und Investoren in New York nervte und verunsicherte.

Kein Wunder, dass am Aktienmarkt bestenfalls ein gemischtes Bild herrschte.

Der DOW und der S&P 500 konnten in der dritten Woche hintereinander leicht zulegen.

Doch die Nasdaq verzeichnet wegen der Prügel, die Apple mit einem Minus von 9% einsteckte, ein Minus.

Am Freitag erfuhren wir, dass die US-Wirtschaft im November 146.000 neue Stellen schuf und dass die Arbeitslosigkeit auf 7,7% sank.

Das ist der niedrigiste Stand seit 4 Jahren. Das ist ganz klar eine positive Nachricht.

Doch wir hörten ebenfalls zum Wochenschluss, dass der Index der Konsum-Stimmung von der University of Michigan im Dezember mit 74,5 Zählern deutlich unter den Erwartungen liegt – und unter den Prognosen.

US-Wirtschaft – Gemischtes Bild in der Statistik

Ein Blick hinter all diese Zahlen sagt uns, was wir in den kommenden Wochen erwarten müssen:

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, weil sich viele von ihnen frustriert vom Arbeitsmarkt zurückziehen und daher aus der Statisik fallen. Das ist nicht gut.

Die Zahl der neuen Jobs reicht zudem nicht aus, um die wachsende Bevölkerung abzufangen und unter dem Strich neue Jobs zu schaffen.

Und schließlich: Die US-Konsumenten kaufen im laufenden Weihnachtsgeschäft ziemlich stark auf Pump, also mit geliehenem Geld.

Die privaten Schulden haben ein Allzeithoch erreicht. Das bedeutet, dass der gemessene Konsum auf schwachen Füßen steht und in den kommenden Monaten so nicht weitergehen kann.

US-Notenbank – Nächster Tritt auf das Gaspedal?

An der Wall Street provozieren solche ernüchternden Befunde manchmal  unerwartet positive Schlussfolgerungen.

So scheint das auch in diesen Tagen zu sein. Denn die Spekulationen nehmen zu, dass die US-Notenbank ihr laufendes Programm „Operation Twist“ über den Dezember hinaus verlängern wird.

Im Rahmen von Operation Twist verkaufen die Währungshüter kurzlaufende Anleihen und kaufen dafür mit den Erzielten Erlösen länger laufende Schuld-Papiere.

Das soll die Langfrist-Zinsen niedrig halten, damit Kredit für langlebige Konsumgüter und Hypotheken für den Immobilienmarkt schön billig bleiben.

Die Operation Twist läuft offiziell Ende des Monats aus.

Doch die Börsianer in New York hoffen darauf, dass die Fed bei ihrer letzten Sitzung im laufenden Jahr am Dienstag und Mittwoch dieser Woche eine Verlängerung des Programms beschließen wird.

„Die ultra-lockere Geldpolitik geht weiter“, sagt Mohamed El-Erian, der Chef des weltweit größten Anleihefonds Pacific Investment Management (Pimco).

Damit gibt El-Erian die überwiegende Einschätzung an der Wall Street wieder.

Aus dieser Einschätzung – und der Hoffnung, dass es bis Jahresende bei den Spar-Verhandlungen in Washington einen Kompromiss geben wird – könnte sich in der neuen Woche an der Wall Street eine leicht positive Grundstimmung am Aktienmarkt ergeben.

Spar-Kompromiss – Wenig Zeit, aber wachsende Chancen?

Denn die jüngsten Meldungen aus dem politischen Washington lauten: In der Partei der Republikaner bröckelt der Widerstand gegen Obamas geplante Steuer-Anhebung für die reichen Amerikaner.

Ein Kompromiss bei diesen Verhandlungen wäre aus der Sicht der Wall Street ein Weihnachts-Geschenk. Das würde mit einer Rally am Aktienmarkt quittiert werden.

Sollte es allerdings nicht zu einer Einigung kommen, wäre dieses Szenario bereits weitgehend in die Kurse eingepreist.

Dass sich gegen Ende des laufenden Jahres vielleicht etwas mehr Optimismus am Aktienmarkt in New York aufbaut, sehen wir auch an den Abflüssen aus den US-Aktienfonds.

Diese haben sich in der jüngsten Berichtswoche, die bis zum 28. November dauerte, stark verlangsamt.

Im laufenden Jahr haben die Anleger insgesamt 127 Mrd. Dollar aus den Fonds für US-Aktien abgezogen.

In der Woche zum 28. November waren das nur noch 481 Mio. Dollar, nach 7,5 Mrd. in der Vorwoche.

10. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.