Wall Street: Zerstörte Ruhe, angeknackste Kurse

Der S&P 500 musste am Mittwoch den fünften Tag mit Verlusten erleiden. Die schlechte Nachricht ist: Das könnte der Auftakt zu einer Korrektur sein.

Und dafür gibt es viele Gründe.

Gewalttätige Proteste in Spanien sind einer davon. Der Generalstreik in Griechenland ein anderer. Der erneute Anstieg der Rendite auf 10jährige Spanien-Anleihen über 6% trägt ebenfalls dazu bei, dass die Nervosität in New York auf neue Höchststände klettert.

„Europa ist jetzt seit fast drei Jahren im Rampenlicht, die Sorgen der Investoren steigen und sinken abwechselnd“, sagt Tom Schrader, der Chef der Investmentbank Stifel Nicolaus, „doch die Suche nach einer Lösung bleibt ohne Ergebnis.“

So etwas kann man auch Verzweiflung nennen.

Aber die schlechten Nachrichten an der Wall Street sind zu einem guten Teil auch hausgemacht. Europa ist nicht an allem schuld.

Der Verkauf neuer Wohnhäuser fiel im August in den USA enttäuschend schwach aus. Das wirft erneut einen Schatten auf den Immobilienmarkt.

Von dem behaupten ja die meisten Beobachter seit Wochen, er beginne sich zu erholen.

„Verlorenes Jahrzehnt“ – Warnung des Fed-Präsidenten

Mehr noch: Der Präsident der Fed-Zweigstelle in Chicago, Charles Evans, warnte gestern, den USA drohe ein „verlorenes Jahrzehnt.“

Das klingt nicht gerade nach einem festen Glauben des Notenbankers an die Geldpolitik seines Arbeitgebers.

„Wenn wir weiterhin nur moderate und zaghafte politische Entscheidungen treffen, droht uns ein verlorenes Jahrzehnt wie Japan in den 90er Jahren“, so Evans.

Viele in New York sehen in diesem Hinweis ein Rechtfertigung für die am 13. September angekündigte neue Geldschwemme der Fed.

Aber manche sehen darin sogar die Aufforderung, noch mehr Liquidität in den Markt zu spülen.

Warum das notwendig sein könnte, das zeigt uns die neueste Umfrage des Marktforschers Rasmussen.

Rezession – Mehrheit der Amerikaner sieht eine

Dessen Konsumenten-Index ist gestern im Vergleich zur Vorwoche um zwei Zähler gesunken.

Aber das ist nicht einmal das Schlimmste: Von den befragten Amerikanern sagen 60%, die USA seien noch immer in einer Rezession.

Das sind drei Mal so viele wie die Optimisten, die das anders sehen.

Das im September laut der Regierung Obama noch einmal angestiegene Konsumvertrauen in den USA (GRAFIK) scheint daher fast ein Ausreißer zu sein, eine kurzfristige Reaktion auf die neue Geldschwemme der Fed vielleicht.

Auch die Firmenlenker trauen der Konjunktur immer weniger zu. Das zeigt die neue Umfrage des Business Roundtable bei den Vorstandschefs in Amerika.

Verlorenes Vertrauen – Konsumenten und CEOs sind skeptisch

Demnach ist deren Konjunktur-Einschätzung so negativ wie zuletzt am Ende der Großen Rezession vor drei Jahren.

Mehr noch: Die Zahl der Chefs, die Entlassungen planen, nimmt zu.

Nur wenige Tage vor Beginn der neuen Bilanzrunde zum dritten Quartal wirft das einen Schatten auf die kurzfristigen Erwartungen der Börsianer in New York.

Denn schlecht gestimmte Konsumenten + schlecht gelaunte Firmenkapitäne, das riecht nach sinkenden Investitionen und Gewinnen.

Daher werden auch die Prognosen für den Aktienmarkt an der Wall Street vorsichtiger.

Black Rock, einer der weltweit größten Vermögensverwalter, hat die Rally in New York jetzt für mehr oder minder beendet erklärt.

Laut Black Rock soll der S&P 500 von jetzt 1.433 Zählern im laufenden Jahr höchstens noch auf 1.450 steigen. Das wäre ein Zuwachs von mageren 1,18%.

Der Ölpreis, oder der S&P 500 – Wer hat Recht?

Im kommenden Jahr soll der Index dann noch leicht auf 1.525 zulegen. Das wären weitere 5,2%.

Ganz klar: Wir gehen bescheideneren Zeiten entgegen. Das gilt auch für die Renditen, die uns Aktien in New York bescheren können.

Sollte Fed-Präsident Charles Evans mit seinem „verlorenen Jahrzehnt“ Recht behalten, dann könnte den Aktien in New York jetzt eine  Korrektur drohen.

Der einknickende Ölpreis, der gestern über 1% weiter nachgab, signalisiert uns, dass Evans richtig liegen könnte.

Im Mindesten signalisieren uns die schwachen Ölpreise, dass der Aktienmarkt die ganze Wucht der eingetrübten Konjunktur noch nicht voll eingepreist hat.

Im Monatsvergleich haben die Öl-Notierungen satte 6,3% eingebüßt. Der S&P 500 hat in diesem Zeitraum aber trotz allem noch 1,3% zugelegt.

27. September 2012

geve
Von: geve.