Warum brauchen wir Blockchain?

Blockchain ist seit geraumer Zeit in aller Munde. Doch kaum jemand versteht, was hinter der Technologie steckt. Einer, der es erklärt, ist Brian Behlendorf, der Chef von Hyperledger. Er sieht in Blockchain und Distributed Ledger Technologie Möglichkeiten, drängende Probleme wie Datenschutz oder auch Bürokratie zu lösen. Seine Zauberformel lautet, Zentralisierung auf ein Minimum reduziert. Und er hat sie zu einem Konzept ausgebaut, bei dessen Umsetzung er auch Regierungen berät. Auf der Collision in New Orleans wurde er gefragt, was er mit dem Ansatz konkret meint und wieso dieses Konzept so wichtig ist?

 

Also, es gibt da einen Begriff, der immer schnell und wild genutzt wird. Ich spreche von Dezentralisierung.

Für Menschen in der Technologieszene ist es klar wie Kloßbrühe, warum wir uns dezentralisiert organisieren sollten.

Wir alle mögen die Idee, anstatt uns irgendeiner zentralen Organisation zu unterwerfen, einer einzelnen Regierung oder jeder Art von organisierter Macht in unseren Märkten, das Dezentralisierung, Demokratisierung und Ermächtigung wirklich gute Dinge sind.

Das steht außer Frage.

Und in den frühen Tagen des Internets war es ein sehr viel dezentraler Ort.

Es gab da ein paar Wege über die koordinierte Organisationen wie „I Can“ existierten, die bei der Selbstaktivierung des „Domain Name System“ geholfen haben. Und weitere open source Organisationen, die Software entwickelten, die für andere nutzbar war.

Aber grundsätzlich waren diese Organisationen greifbar. Sie waren verantwortlich für ihre Nutzer und Verantwortlich für ihre Märkte.

Während viele der Kryptowährungen im Ruf stehen, gänzlich dezentralisiert und anarchisch zu sein, und dass das eine sehr gute Sache ist, der Grund, ihnen trauen zu können, gibt es in Wirkichkeit eine Reihe von Governance Modellen. Sogar viele der Kryptowährungen zeigen, dass dort Führungsfiguren gibt, oder Führungsorganisationen, und es wurden Entscheidungen getroffen, die aussahen wie Führungsentscheidungen.

Was ich zu sagen versuche, da ist dieses Spektrum: Wir wollen keine schwerfällige, bürokratische, zentralisierte, nicht haftbare Organisation im Mittelpunkt unserer Märkte. Aber manchmal gibt es Gründe, Aufsichtspersonen zu haben.

Schiedsrichter stehen mit Grund auf dem Fußballfeld, die so etwas sagen wie: Hier sind die Regeln, auf die wir uns alle verständigt haben. Und in dem Moment, wo wir das Spielfeld betreten, um zu spielen und jemand verletzt die Regeln oder verhält sich einfach unsportlich, dann sollte es ein Verfahren geben. Es sollte eine Möglichkeit geben, für den Verstoß zur Verantwortung gezogen zu werden. Und schlussendlich sollte es einen Weg geben, diese Regeln über die Zeit weiter zu entwickeln.

Und, naja, in der open-source-community, wo es vor 20 Jahren noch fast schon radikal war, Software kostenlos zur Verfügung zu stellen, und wie man dieser trauen kann, da wir haben uns einen Weg überlegt, wie wir Verhaltensregeln einführen können, die zugleich durchsetzbar und minimalistisch sind, aber auch zulässt, dass all diese guten Dinge für Unternehmen und Konsumenten passieren und vertrauenswürdig sind.

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Also, mit den Blockchain-Netzwerken müssen wir uns für die unterschiedlichen Branchen vom Gesundheitswesen bis zu den Finanzen überlegen, wie sollen die Organisationen aussehen, die Teil dieser Ledger sind und wie nehmen wir sie in die Verantwortung für die Teilnehmer.

 

Wie lang noch, bis Regierungen dezentrale Blockchain-Datenbanken annehmen und nutzen?

Jetzt wird das interessant, denn sie haben mir ja gesagt, dass sie schon bald nach Dubai reisen, zeichnet sich dort eine solche Entwicklung ab?

 

Sicher, also die Technologie hat eine enorme Bedeutung für Regierungen. Das ist wie die Geschichte von den zwei Städten: Sie wollen verstehen, warum und wie die Menschen Las Vegas nutzen. Sie fragen sich, ob sie sich damit befassen müssen, und das ist ein ganz gesondertes Ding.

Und wie ich bereits sagte, ich denke, wir werden einen Weg für diese Koexistenz finden und angemessene Vorschriften für ICO und vielleicht auch für digitale Währungen haben.

Aber ich habe einen enormes Interesse seitens der Regierungen beobachtet, was die Anwendungen im Grundsatz angeht. So, wenn es um die Reform des Beschaffungswesens geht, in der Wertschöpfungskette der öffentlichen Hand.

Es gibt da ein Projekt, das die GSA gemacht hat als Teil der führenden Einrichtungen der US-Regierung betrieben, um solche Anwendungen in den Beschaffungsprozessen zu einzuführen.

Die Regierung überlegt, wie sie digitale Identitäten einführen können. Wie es sie in Indien oder Kanada schon gibt. Gibt es da vielleicht ein dezentralen Weg, der nicht die Datenschutzprobleme verursacht, potenzielle Pearl Harbors, die ein zentralisiertes wie das indische mit sich bringt.

Und dann: Viele schauen sich die einfacheren Anwendungen an. In Dubai gibt es ein Erlass des Kronprinzen, dass die gesamte Regierung bis 2020 auf Blockchain arbeitet. Die ist bereits finanziert, das Personal steht – das sind ganz smarte Leute, und die haben auch schon Piloten gestartet. Und sie sind bereit 45 bis 50 Ausschreibungen zu veröffentlichen, für  Progammierungen von den Fahrerlaubnissen über Geburtsurkunden bis hin zu Steuerbescheiden – all dieser bürokratische Content.

Blockchain ist kein magischer Feenstaub, der die Bürokratie verschwinden lässt. Aber richtig angewendet, kann die Technologie die Prozesse für die Bürger einfacher machen, ohne den Datenschutz zu vernachlässigen oder die Hoheit darüber zu verlieren, wie sie funktionieren.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.