Was Sie noch nicht wussten – über das Auto der Zukunft

Ob bei Dieselfahrverboten oder bei selbstfahrenden Autos: Mobilität ist eines der meistdiskutierten Themen. Digitalisierung auch. Doch viele Menschen nehmen beide Themen nicht im Zusammenhang wahr. So der Befund von Carsten Breitfeld. Einst war er Manager bei BMW. Jetzt ist er CEO seiner eigenen Firma mit Namen Byton, mit der die Mobilität der Zukunft mit gestalten will. Auf der Collision in New Orleans verriet er, was wir über die Zukunft des Automobils noch nicht wissen – und die Idee hinter Byton.

 

Wenn Sie fragen, ist es sinnvoll, eine Firma zu gründen, um ein neues elektrisches Auto auf den Markt zu bringen, dann ist die Antwort wahrscheinlich, nein. Denn da draußen gibt es jetzt schon so viele Unternehmen, dass es nicht so sehr viel Sinn ergibt, noch ein weiteres aufzubauen. Wenn Sie mich aber fragen, ob es Sinn ergibt, eine Firma zu gründen um das erste wirkliche Smart Device auf Rädern zu kreiieren, um ein völlig neues Geschäftsmodell zu etablieren – basierend auf diesen neuen Technologien, dann ist die Antwort definitiv, ja. Und das ist die Idee hinter Byton.

 

Woher kommt die Zuversicht? Wie sehen Sie den Markt?

Wir haben 3 bestimmende Technologietrends. Nummer 1 ist die Elektrifizierung. Autos werden künftig elektrisch sein, daran bestehet kein Zweifel. Als zweites reden wir über Smartness. Damit ist die Vernetzung gemeint und neue Arten von Nutzerschnittstellen. Und dann künstliche Intelligenz, die uns zu Nummer 3 führen: den autonom fahrenden Autos.

Derzeit redet alles über die Elektrifizierung. Aber das ist nicht so spannend. Elektroautos können Sie heute schon kaufen. Sie können die Teile aus Kalifornien kaufen. Teslas haben heute eine Reichweite von 500 Kilometern, Sie können BMWs kaufen, ein neuer Jaguar ist auch draußen. Das ist einfach. Die Kosten müssen ein bisschen runter gehen, das Umsatzvolumen muss steigen, und auch die Qualität muss vielleicht steigen, und wir brauchen noch mehr Infrastruktur. Aber das ist alles in Arbeit.

In der Autoindustrie kommt es aber auf die Skalierung an. Sie brauchen Masse. Und das bedeutet, Sie müssen Ihre Autos auf einer Plattform bauen, die sich nicht verändert, wenn Sie unterschiedliche Modelle draufsetzen. Wir haben daher unser Basismodell entwickelt, dass eine Reichweite von 400 km oder gut 250 Meilen hat, mit einem 200-Kilowatt-Antriebssystem. Und dann gibt es die Ausbaustufe mit einer Reichweite von 520 km oder 375 Meilen und einem Antriebssystem von 350 Kilowatt. Und der Einstiegspreis wird bei 45.tausend US-Dollar liegen. Der muss in etwa in dieser Preislage sein, weil Sie sonst keine Masse machen können.

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Was macht diese Autos dann smart, und werden diese Autos dann schon selbstfahrend sein?

Autonomes Fahren wird in der Zukunft die Schlüsseltechnologie für smarte Autos sein. Darauf muss man vorbereitet sein. Ende nächsten Jahres – die Menschen erzählen ja viel zum autonomen Fahren – aber Ende nächsten Jahres werden Level-3-Autos auf der Straße sehen. Das heißt, Der Fahrer muss das System nicht dauernd überwachen. Das Fahrzeug führt selbständig Funktionen wie das Auslösen des Blinkers, Spurwechsel und Spurhalten durch. Wir werden zu den ersten Anbietern von Level-3-Fahrzeugen gehören. Aber Level 4, das uns erst auf ein wirklich interessantes Niveau von autonomen Fahren bringt, wird ziemlich schnell folgen, so Ende 2020. Das wird dann in der Lage sein, komplett selbstständig zu fahren, so dass der Fahrer nur aufgefordert wird, in komplexen Situationen einzugreifen. Aber dafür ist es wichtig, dass die Hardware-Konfiguration das unterstützt, zum Beispiel mit der erforderlichen Sensortechnik, mit genügend Raum und entsprechender Rechnerleistung.

Denn die Übergänge zwischen den einzelnen Stufen der Fahrzeugautonomie können nur durch Software-Updates erfolgen. Das ist das gleiche Konzept, das heute schon von Ihrem Smartphone kennen: Sie kaufen einmal die Hardware – und jedes Mal, wenn es neue Software gibt, laden Sie die einfach runter. Das müssen wir in der Autowelt auch einführen. Und das ist ganz anders als heute. Ich weiß nicht, ob Sie mit der Autoindustrie von heute vertraut sind. In der Autoindustrie von heute muss das Produkt zwei Jahre, bevor es an den Markt geht, vollständig definiert sein. Sowohl Hardware, als auch Software. Zwei Jahre vorher. Und dann ändern Sie nichts mehr. Sie verbessern die Qualität und fangen an zu produzieren. Das aber bedeutet, das Auto ist bereits alt, wenn es auf den Markt kommt. Das ist der Grund, warum viele nicht das eingebaute Navi nutzen, sondern das eigene Handy. Dann wird das Auto 7 Jahre lang verkauft. Mehr oder weniger unverändert. Es ist also sehr alt, wenn die Produktion ausläuft. Und das müssen wir ändern. Wir werden den Menschen eine Hardwareplattform verkaufen, und sie werden die neuesten Funktionalitäten zu jeder Zeit downloaden.

 

Stichwort Infrastruktur: Warum ist dann die Konnektivität so wichtig?

Konnektivität ist nicht nur wichtig, um schnell zu sein – also 4,5G oder 5G, wenn es denn verfügbar ist. Sie brauchen auch die richtige Netzabdeckung und vor allem die Stabilität in der Verbindung. Denn das autonome Fahren und die User Experience hängt von stabilen Verbindungen ab. Daher investieren wir viel in diese Technologie, in Antennen-technologie, in Gatewaytechnologie, um die höchste Konnektivität und damit das höchste Sicherheitsnievau zu gewährleisten.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.