Wie die Notenbanken die Rendite verzerren

Diese Woche fand die Fed-Sitzung in Amerika statt. Deswegen lohnt es sich heute, sich etwas näher mit dem Thema Notenbank zu beschäftigen.

Heute geht es darum, was die Notenbanken eigentlich in den vergangenen Jahren mit dem Zins gemacht haben.

Der Staat reguliert den Finanzmarkt

Seit nunmehr rund fünf Jahren leben wir in Zeiten der finanziellen Repression. Der Staat greift also immer mehr in den Finanzmarkt ein.

Vor allem trifft dies natürlich auf die Notenbanken zu. Diese halten die Renditen durch Anleihenkäufe unten und zwar auf künstlich niedrigem Niveau.

Dass dies nicht immer so war ist offensichtlich, aber momentan ist die Abweichung zum „Normalniveau“ besonders hoch.

Ein historischer Überblick

Gut erkennbar ist dies auf einem historischen Chart, der das nominale Bruttoinlandsprodukt und die Rendite der Notes (10-jährige US-Anleihen) zeigt. Die detaillierten Entwicklungen können Sie sich im Video ansehen.

Anhand des Charts lassen sich einige interessante Dinge beobachten. Von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre hat sich der Zins noch unter dem Wirtschaftswachstum entwickelt.

In den letzten 30 Jahren lagen die Renditen in der Regel über dem Wirtschaftswachstum. Die Ära Greenspan hat die Renditen, aufgrund der niedrigen Inflationsraten, dann seit den 1990er-Jahren in etwa auf das Level des Wirtschaftswachstums sinken lassen.

Seit nunmehr rund vier bis fünf Jahren liegt die Rendite allerdings deutlich unter dem Wirtschaftswachstum.

Die aktuelle Situation

Dieser Zustand ist weder nachhaltig – zumindest in der historischen Perspektive – noch ist er gesund.

Denn würde die Rendite plötzlich wieder in Richtung Wirtschaftswachstum anziehen, stünde sie bei 3,5%. Es wäre ein Schock für die Volkswirtschaften der Welt – und für die Märkte!

Die aktuelle Situation ist also alles andere als normal. Historisch betrachtet befinden wir uns in einer sehr interessanten Phase.

Irgendwann wird es vermutlich eine Art Regimewechsel geben und dann werden wir wieder sehen, dass die Renditen auf Höhe des Wirtschaftswachstums liegen oder vielleicht sogar darüber. In jedem Fall wird das ein harter Schlag für die Wirtschaft werden.

Mehr zu diesem Thema können Sie sich im heutigen Video ansehen.

21. Juni 2013

Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.