Der deutsche Industrie-Konzern Robert Bosch hat einen Milliarden-Deal bekannt gegeben.
Für 1,15 Mrd. Dollar (rund 885 Mio. Euro) übernimmt der nicht börsennotierte Konzern den amerikanischen Werkstatt-Ausrüster SPX Service Solutions.
Der Übernahme-Kandidat ist ein Tochter-Unternehmen des US-Anlagenbauers SPX Corp. und ebenfalls nicht börsennotiert.
Trotzdem lässt sich anhand des Aktienkurses der Konzern-Mutter gut einschätzen, wie der Kaufpreis zu werten ist. Die SPX Corp.-Aktie legt in einem schwachen US-Markt zu Handelsbeginn um 10% zu.
Investoren bewerten den Deal für den Verkäufer als sehr fair und begrüßen den weiteren SPX-Fahrplan. Denn Bosch zahlt einen großzügigen Umsatz-Multiplikator von 1,25 und der Verkäufer will das Geld zur Schuldentilgung sowie Aktienrückkäufe einsetzen.
Bosch stärkt Position in Nordamerika und Asien
Bei Bosch zeigt man sich ebenfalls zufrieden. Per Pressemitteilung lies das Unternehmen mitteilen: „Mit SPX Service Solutions wird Bosch zu einem der führenden Anbieter für Diagnoselösungen“.
Und weiter: „Mit der Übernahme können wir unsere Marktpräsenz im Diagnosegeschäft stark ausbauen, vor allem in Nordamerika. Zudem stärken wir unsere Position in Asien/Pazifik und Europa, speziell im Diagnose- und Reparaturgeschäft mit Fahrzeugherstellern.“
Ausbau des margenstarken Dienstleistungsgeschäfts
Bosch ist weltgrößter Automobilzulieferer, engagiert sich jedoch in Branchen wie etwa der Solar-Energie oder Konsumgüter-Industrie. Das Unternehmen ist ständig auf Einkaufstour - der jetzige Deal zählt jedoch für Bosch zu den größten Übernahmen der vergangenen Jahre.
Zuletzt wurde bei der Ersol-Übernahme im Jahr 2008 1,1 Mrd. Euro gezahlt.
Mit der SPX Service Solutions-Übernahme erschließt Bosch größeres Absatz-Potenzial in den USA und Asien. Das Geschäft gilt als margenstark und wächst besonders in Asien schnell. Da Bosch zukünftig alles aus einer Hand anbietet, kann es dem Unternehmen zudem gelingen, den Konkurrenten Marktanteile abzujagen. Im Bosch-Sortiment befinden sich mehr als 450.000 Ersatzteile.
Übernahmen in Fernost - Internes Wachstum in Russland
Erst vor wenigen Tagen hat Bosch die Übernahme des taiwanesischen Autoteile-Herstellers Unipoint abgeschlossen. Auch dieser Deal zielte darauf ab, vom Asien-Boom stärker zu profitieren und eine eigene Fertigung in Fernost aufzubauen.
Im vergangenen Jahr hat Bosch zudem mit dem Bau einer neuen Firmenzentrale in Moskau begonnen. Insgesamt zeigt sich, dass Bosch weiß, wie neues Wachstum intern und extern erschlossen wird – und das genug Geld vorhanden ist, um den Konzern langfristig auf Wachstumskurs zu halten.
Zeitpunkt für Übernahmen ist günstig
Die Strategie, mit Übernahmen Wachstum zu erkaufen, ist sehr beliebt und zahlt sich häufig aus. Wichtig ist jedoch, dass der Zeitpunkt stimmt. Wer kurz nach einer Krise zuschlägt, besitzt deutlich bessere Chancen auf einen guten Deal, als Käufer, die erst in Boom-Zeiten aktiv werden.
Da sich in den vergangenen Wochen eine zunehmende Stabilisierung der Märkte abgezeichnet hat, wäre es für die Firmenjäger sinnvoll, jetzt zuzuschlagen. Noch hat die Bewertung vieler Übernahme-Kandidaten nicht entscheidend angezogen. Ein preiswerter Deal ist also möglich.
Gleichzeitig müssen die Branchen-Größen beachten, dass die attraktivsten Übernahme-Kandidaten als Erstes geschluckt werden. Wer lange wartet, geht also zwei Risiken ein: Erstens könnte ein Deal deutlich teurer werden - und zweitens kann das Zielobjekt bereits in der Hand eines direkten Konkurrenten sein.



