Deutschland: Aktienmarkt & Handel

Die wichtigsten deutschen Aktien werden in den Indizes der DAX-Familie gelistet. Mehr als 80% des gesamtdeutschen Handelsvolumens werden an der Börse in Frankfurt am Main umgesetzt. Daneben gibt es in Deutschland 8 weitere Börsenplätze, an denen Aktien gehandelt werden können: Die Börsen in Stuttgart, Hamburg, Hannover, Berlin, Bremen, Düsseldorf und München sowie die Handelsplätze von Tradegate und Lang & Schwarz.
9 min | Stand 06.01.2022
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Inhaltsverzeichnis

Die DAX-Indexfamilie für deutsche Aktien

Für den deutschen Aktienhandel sind vor allem die vier DAX-Indizes des Prime Standards relevant:

  • DAX 40 (die 40 größten deutschen Aktienunternehmen)
  • MDAX (60 Unternehmen, die von Marktkapitalisierung und Handelsvolumen auf den DAX 30 folgen)
  • SDAX (70 Unternehmen, die von Marktkapitalisierung und Handelsvolumen auf den MDAX folgen)
  • TecDAX (die 30 größten deutschen Technologiewerte)

DAX 40: Aktueller Kursverlauf

Deutschland als Wirtschafts- und Börsenstandort: Status Quo und Ausblick

Unbestritten ist weltweit, das Deutschland zu den wirtschaftlichen Schwergewichten gehört. Als erfolgreiche Exportnation gelingt es Deutschland jedes Jahr, Spitzenplätze im Ranking der Exportweltmeister einzunehmen. Dieser Artikel beschäftigt sich aus diesem Grund mit der deutschen Wirtschaft. Er geht darauf ein, welche Unternehmen und Sektoren die deutsche Volkswirtschaft stützen und wie das Bruttoinlandsprodukt und die Staatsschulden Deutschlands im internationalen Vergleich einzuordnen sind. Ebenso beleuchtet der Artikel auf den Börsenplatz Frankfurt und den deutschen Leitindex DAX ein und zeigt, wie Anleger in Deutschland vom Erfolg der deutschen Wirtschaft partizipieren können. 

Die deutsche Wirtschaft – „Made in Germany“, BIP und Staatsverschuldung

Deutschland galt viele Jahrhunderte als Land der Dichter und Denker. Berühmte Persönlichkeiten wie Martin Luther, Albert Einstein, Johann Sebastian Bach oder Johannes Gutenberg haben das deutsche Kulturgut und die Wirtschaft geprägt. Ohne die Erfindung des Mobilletterndrucks durch Johannes Gutenberg vor mehr als 600 Jahren wären Bücher, wie wir sie heute kennen, nicht oder viel später erfunden worden. 

Die Erfindung des Automobils durch Carl Benz im Januar 1886 oder Einsteins Relativitätstheorie, die sich mit der Struktur von Raum und Zeit beschäftigt, hat die Wirtschaft in Deutschland und weltweit vorangebracht. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Deutschland zu einem Industrieland. Die Industrialisierung war ein Booster für die deutsche Wirtschaft, die zwischen 1900 und 1913 um circa 44 Prozent anstieg. 

Durch den Ersten Weltkrieg, die darauf folgende Weltwirtschaftskrise und den späteren Zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland einen umfassenden wirtschaftlichen Niedergang. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass die deutsche Wirtschaft vor allem in den Jahren zwischen 1939 und 1945 durch Beteiligung am nationalsozialistischen Regime Adolf Hitlers eine große Schuld und Verantwortung auf sich geladen hat. 

Mit dem viel beschriebenen Wirtschaftswunder Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg startete die deutsche Wirtschaft ihr Rennen an die ökonomische Weltspitze. Produkte mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ waren und sind überall in der Welt beliebt und gelten als qualitativ hochwertig. Aus diesem Grund werden deutsche Autos der Marken Mercedes-Benz, Volkswagen, BMW oder Maschinen global nachgefragt. Im landwirtschaftlichen Bereich ist Deutschland bei Süßwaren, Käse und Schweinefleisch Exportweltmeister.

Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Wandel der letzten Jahrzehnte

Im Jahr 1980 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands weniger als 1 Billion US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt wird weltweit als wesentlicher Maßstab für die ökonomische Entwicklung eines Landes herangezogen. Es zeigt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Staates in einem definierten Zeitraum. Mit dem BIP können Vergleiche zwischen Volkswirtschaften erstellt werden, um den ökonomischen Stellenwert eines Landes darzustellen. 

10 Jahre später, im Jahr der Wiedervereinigung 1990, hatte sich das BIP nahezu verdoppelt und betrug 1,772 Billionen US-Dollar. 2018 konnte ein Wert von annähernd 4 Billionen US-Dollar erreicht werden. Im Zuge der Corona-Pandemie sank das BIP in Deutschland und in allen anderen Wirtschaftsnationen, wobei Deutschlands Verlust insgesamt als moderat zu bezeichnen ist. 

Aus wirtschaftlicher Hinsicht interessant ist ebenfalls die Entwicklung des BIP pro Kopf. Es stieg von circa 10.000 US-Dollar im Jahr 1980 auf über 40.000 US-Dollar im Jahr 2019. Deutschland gehört nach dieser Kalkulation der Weltbank mit Kanada und Japan zu den wirtschaftlich stärksten Industrienationen. Dies macht sich ebenfalls in einer Erwerbsquote von knapp 70 Prozent und einer Arbeitslosenrate von unter 3,5 Prozent bemerkbar. 

Steigende Staatsverschuldung in Deutschland

Vergleicht man die Staatsverschuldung Deutschlands mit der anderer führender Wirtschaftsnationen, steht Deutschland auf den ersten Blick gut dar. Deutschland konnte in den Jahren vor der Corona-Pandemie Schulden zurückführen und hatte einen ausgeglichenen Staatshaushalt, der als „schwarze Null“ bezeichnet wurde, fokussiert. Durch die Corona-Pandemie und die vielen Unterstützungsleistungen für die Wirtschaft und Privathaushalte hat sich Deutschlands Staatsverschuldung nach Auskunft der Bundesbank um 275 Milliarden auf 2,332 Billionen Euro im Jahr 2020 gesteigert. Der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP erhöhte sich um 10,3 Prozent auf 70 Prozent.

Die steigende Staatsverschuldung war angesichts der Pandemie absehbar. Gleichzeitig verweist die deutsche Politik auf die Tatsache, dass das Rückführen von Staatsschulden im Rahmen der globalen Banken- und Finanzkrise erfolgreich gelungen ist. Nach Ende der Corona-Pandemie setzen die deutsche Wirtschaft und die Regierung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Nachholeffekte und Innovation. Steigende Steuereinnahmen sollten in der Folge dazu führen, dass die Staatsverschuldung erneut abgebaut werden kann. 

Im Vergleich zu anderen Nationen Europas oder der Welt ist Deutschlands Staatsverschuldung weiterhin im Rahmen. Japan mit einer Verschuldungsrate von über 250 Prozent in Relation zum BIP oder die Vereinigten Staaten mit mehr als 113 Prozent sind nachweislich stärker betroffen. In Europa zählen Griechenland, Italien, Frankreich und Spanien zu den am höchsten verschuldeten Ländern. 

Deutschlands Wirtschaft – das sind die wichtigsten Sektoren

Mehr als 2/3 der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland fällt auf Dienstleistungsbereiche. Dieser ebenfalls als tertiärer Sektor bezeichnete Wirtschaftsbereich ist vielfältig. Er erzeugt, anders als das produzierende Gewerbe keine Handelsgüter, sondern stellt vielfältige Dienstleistungen bereit. Unter anderem fallen das Banken- und Versicherungsgewerbe, der öffentliche Personennahverkehr und das Transportgewerbe, die Bereiche Kommunikation und Information und der Tourismus in diesen Bereich. Der Dienstleistungsbereich wächst in den letzten Jahren in Deutschland fortlaufend. 

Platz zwei in diesem Ranking erhält das produzierende Gewerbe mit 22,9 Prozent. Das Baugewerbe in Deutschland hatte im Jahre 2020 einen sechs-prozentigen Anteil an der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Zu vernachlässigen sind die Bereiche Land- und Forstwirtschaft und die Fischerei mit 0,7 Prozent. 

International bekannte und wert-stabile Unternehmen Deutschlands

Deutschland als Wirtschaftsnation und exportorientierter Staat ist bekannt für Qualitätsprodukte und professionelle und global agierende Unternehmen. Deutschland wird im Ausland neben Bratwurst, Lederhosen oder Bier vor allem für seine Produkte „Made in Germany“ geschätzt, die mit Attributen wie „hochwertig“ oder „Stabilität“ in Verbindung gebracht werden. 

Unter den weltbesten multinationalen Arbeitgebern befinden sich auf Platz vier das deutsche Unternehmen DHL Express und auf Platz sechs der Softwarehersteller SAP. Untersucht man die Forbes-2000-Liste, die die wertvollsten Konzerne der Welt listet, findet man deutsche Unternehmen ebenfalls unter den Top 100. Die beste Platzierung in diesem Ranking nimmt Volkswagen mit dem 17. Platz ein. Der Versicherungskonzern Allianz, die Automobilhersteller Daimler und BMW sowie die Deutsche Telekom und Siemens gehören ebenfalls zu den bedeutendsten internationalen Konzernen. 

Betrachtet man die wertvollsten deutschen Unternehmen nach Ihrem Markenwert im Jahr 2020, erhält man ein ähnliches Bild. Aus einer auf Statista veröffentlichten Studie des European Brand Institute geht hervor, dass Volkswagen mit einem Markenwert von 29,04 Milliarden die Vorreiterrolle einnimmt. Auf den weiteren Plätzen folgen die Deutsche Telekom, SAP, Daimler und BMW. Im internationalen Vergleich sind deutsche Unternehmen bei dieser Betrachtung meilenweit abgeschlagen. Die Marke Amazon kommt auf einen Markenwert von über 683 Milliarden US-Dollar. Auf den Plätzen folgen weitere amerikanische Tech-Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Facebook. 

Abseits dieser internationalen Vergleiche sind deutsche Produkte weiterhin in aller Welt beliebt. Das Statistische Bundesamt gibt für das Jahr 2020 an, dass Fahrzeuge und Fahrzeugteile mit 188 Milliarden Euro Exportanteil das wichtigste Handelsgut waren. Stark frequentiert werden ebenso Maschinen mit 176 Milliarden und chemische Erzeugnisse mit 112 Milliarden Euro. 

Der Handelsplatz Frankfurt und der DAX – das sollten Anleger zur deutschen Börse wissen

Frankfurt ist die wichtigste deutsche Bankenstadt und Wiege der Europäischen Zentralbank und der Börse Frankfurt. In Frankfurt brillieren Investmentbanken von UBS bis Goldman Sachs. Darüber hinaus haben die größten Banken, Versicherungen und Beratungsunternehmen Ihre Headquarter in Frankfurt am Main errichtet. Durch den Brexit und die Abwanderung zahlreicher internationaler Banken aus London wird der Finanz- und Börsenplatz weiter an Bedeutung gewinnen. 

Für Anleger interessant ist ebenfalls die Marktkapitalisierung oder Börsenkapitalisierung aller DAX-Unternehmen. Sie beschreibt den Gesamtwert aller Aktien von deutschen Unternehmen. Der Börsenwert der DAX-Unternehmen lag im Jahr 2018 bei circa 2,2 Billionen US-Dollar. Geschlagen wird Deutschland in dieser Kategorie eindeutig von Japan und den USA. Japanische Unternehmen verfügten über eine Marktkapitalisierung von mehr als 6 Billionen US-Dollar. Börsennotierte amerikanische Unternehmen kommen auf einen Wert von über 35 Billionen US-Dollar. 

Vier deutsche Aktienindizes und ihre Ausprägung

Der Deutsche Aktienindex DAX wird an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main gehandelt. Der DAX ist einer der wichtigsten Börsenindizes der Welt. Er misst die Wertentwicklung der 40 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. In Bezug auf die Marktkapitalisierung bildet er circa 80 Prozent der Aktiengesellschaften ab. Beim DAX handelt es sich um einen indikativen Index zur Messung der Entwicklung der börsennotierten und höchst-kapitalisierten Unternehmen. Der DAX wurde im Juli 1988 eingeführt. 

Bei einer Betrachtung der Entwicklung des DAX in den letzten fünf Jahren fällt auf, dass im August 2018 ein Höchstwert mit circa 13.500 Punkten erreicht werden konnte. Nach einer Stagnationsphase steigerte der DAX seine Performance bis kurz vor Beginn der Corona-Pandemie. Im Zuge von Covid-19 verlor der DAX im Frühjahr 2020 über 5.000 Punkte. Im Jahr 2021 hat sich der DAX nicht nur erholt, sondern neue Höchstwerte generieren können. Mitte November konnten Anleger einen neuen Höchststand von mehr als 16.200 Punkten feiern. 

Neben dem DAX sind in Deutschland weitere Indizes bekannt. Im Zuge einer Anpassung im September 2021 wurde der DAX von 30 auf 40 Unternehmen erweitert. Gleichzeitig wurde der MDAX, der Index der mittelgroßen Unternehmen in Deutschland von 60 auf 50 Unternehmen reduziert. Ein weiterer Index, der SDAX erfasst Unternehmen, die in Bezug auf Marktkapitalisierung und Börsenwert den Werten im DAX nachfolgen. Bekannte Konzerne wie 1&1, die ADLER Group, BayWa, GRENKE oder BVB Borussia Dortmund sind im SDAX vertreten. 

Neben DAX, MDAX und SDAX enthält ein weiterer Index, der TecDAX, die 30 wichtigsten Technologiewerte. Für den TecDAX gelten die gleichen Kriterien wie für alle anderen deutschen Indizes. Wesentlich sind unter anderem ein juristischer Sitz oder ein operatives Hauptquartier in Deutschland und ein fortlaufender Handel im elektronischen Handelssystem XETRA. Unter den Top 10 im TecDAX finden sich Unternehmen wie SAP, die Deutsche Telekom, Infineon oder Telefónica Deutschland. 

Stellenwert der Frankfurter Börse im internationalen Vergleich

Die Frankfurter Börse steht im internationalen Vergleich mit einer Marktkapitalisierung von 2,22 Billionen US-Dollar (2018) auf dem zehnten Platz. Spitzenreiter ist der New York Stock Exchange mit mehr als 23,12 Billionen US-Dollar. In Europa sind die Börse in London sowie der Euronext Stock Exchange auf Basis der Marktkapitalisierung wichtiger als der Börsenplatz Frankfurt. Weitere Börsenplätze in Deutschland findet man in vielen Großstädten, zum Beispiel in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Augsburg, Hamburg, Köln, Stuttgart und München. 

Fazit und Ausblick: Deutschland als Wirtschaftsmacht mit zahlreichen Herausforderungen

Betrachtet man die Bundesrepublik Deutschland aus einem rein ökonomischen Blickwinkel, wird klar, dass Deutschlands Wirtschaft im internationalen Vergleich ein Schwergewicht ist. Deutschland als Exportnation ist universal für seine hochwertigen Produkte „Made in Germany“ bekannt. Deutsche Firmen genießen global einen herausragenden Ruf. Vor allem deutsche Fahrzeuge und Maschinen und ebenso Agrarerzeugnisse wie Käse oder Schweinefleisch stehen weltweit hoch im Kurs. 

Die Staatsverschuldung Deutschlands steigt aufgrund der Corona-Krise an. Sie ist im internationalen Vergleich gleichzeitig moderat. Ob sie nach der Covid-19-Pandemie durch Wirtschaftswachstum und daraus resultierende zusätzliche Steuereinnahmen heruntergefahren werden kann, muss abgewartet werden. Grundsätzlich gelten deutsche Unternehmen als robust und widerstandsfähig und behaupten sich mit Innovationsfreude und Unternehmergeist auf globalisierten Märkten. 

Deutschland steht zeitgleich vor drei wesentlichen Herausforderungen. Zum einen muss die Digitalisierung deutscher Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen vorangetrieben werden, um den Abstand zu digital fortschrittlichen Ländern zu verringern. Des Weiteren muss Deutschland Milliarden investieren, um den Wirtschaftsstandort ökologisch zu transformieren und klimaneutral zu machen. Aktuell gehört Deutschland zu den zehn Ländern mit dem größten Co2-Ausstoß weltweit. 

Neben der digitalen und ökologischen Transformation muss Deutschland ebenfalls Strategien entwickeln, um den demografischen Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel einzudämmen. Dies kann unter anderem bedeuten, ältere Arbeitnehmer über das Rentenalter hinaus zu beschäftigen und durch geordnete Migration neue Fachkräfte an den Wirtschaftsstandort Deutschland zu binden.  

Ob Deutschland in den nächsten Jahrzehnten weiterhin zu den wichtigsten und einflussreichsten Wirtschaftsnationen gehört, entscheidet sich vor allem an den Strategien auf die drei wesentlichen Herausforderungen Digitalisierung, Klimawandel und Demografie. 

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