Bank Aktien 2026/2027: Chancen für Anleger

Gebäude mit Säulen, das in großen Buchstaben "BANK" zeigt. Spiegelt blauen Himmel wider.
unknown
Inhaltsverzeichnis

Banken gehören 2026 zu den auffälligen Sektoren an den Börsen, denn hohe Gewinne, Aktienrückkäufe und Veränderungen im Zinsumfeld sorgen für Bewegung. Gleichzeitig unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der Banken erheblich. Welche Bankaktien 2026/2027 für Anleger interessant sein könnten, hängt deshalb nicht nur von den Zinsen, sondern auch von Profitabilität, Kapitalausstattung und Bewertung ab.

Wir werfen einen Blick auf ausgewählte Aktien des Bankensektors aus den USA und Europa, zeigen, welche Faktoren für 2027 entscheidend werden könnten und betrachten mögliche Alternativen über Banken-ETFs.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zinsumfeld: EZB und Fed haben im September 2026 ihre Leitzinsen angehoben. Für Banken bleibt damit die Entwicklung der Zinsmargen ein wichtiger Ertragsfaktor.
  • Deutsche Bank: Höhere Gewinne und weitere Aktienrückkäufe zeigen die verbesserte Ertragskraft des deutschen Instituts.
  • Internationale Auswahl: JPMorgan, UBS, BNP Paribas und Santander bieten unterschiedliche Geschäftsmodelle und regionale Schwerpunkte.
  • Commerzbank: Der wachsende Einfluss von UniCredit macht die Aktie zu einem Sonderfall unter den deutschen Bankaktien.
  • ETFs: Banken-ETFs reduzieren das Risiko einzelner Institute, ersetzen aber keine breite Diversifikation über verschiedene Branchen.

Bankaktien 2026 und 2027: Das Zinsumfeld bleibt entscheidend

Die Rahmenbedingungen für Banken haben sich 2026 erneut verändert. Die EZB erhöhte am 10. September ihre drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte. Die Fed folgte am 16. September mit einer Erhöhung des Zielkorridors auf 3,75 bis 4,00 %.

Für Banken sind höhere Zinsen allerdings kein Selbstläufer. Entscheidend ist, wie sich Kredit- und Einlagenzinsen entwickeln, wie stark die Kreditnachfrage ausfällt und ob die Konjunktur die Kreditqualität belastet. Für Anleger mit einem Anlagehorizont bis 2027 kommt deshalb eine weitere Frage hinzu: Wie nachhaltig sind die aktuellen Gewinne, wenn sich das Zinsumfeld erneut verändert?

Auch die Kapitalausstattung der Banken spielt eine wichtige Rolle. Sie zeigt, wie viel Puffer eine Bank hat, um Verluste in einer schwierigen Wirtschaftslage abzufedern. Der europäische Stresstest 2025 zeigte, dass die durchschnittliche harte Kernkapitalquote (CET1) der teilnehmenden Banken selbst in einem schweren Krisenszenario von 15,8 auf 12,1 % sank. Die Banken blieben damit auch unter den angenommenen Belastungen kapitalisiert. Für Anleger ist die CET1-Quote somit ein wichtiger Hinweis auf die Kapitalausstattung und Widerstandsfähigkeit einer Bank.

Welche Bank Aktien Anleger kennen sollten

Die folgende Auswahl verbindet deutsche und europäische Banken mit einem US-Großkonzern und einem Schweizer Wealth-Management-Spezialisten. So wird deutlich, wie unterschiedlich die Ertragsquellen im Bankensektor sein können.

Unternehmen ISIN Land Marktkapitalisierung

in Mrd. EUR*
Tätigkeitsbereich
JPMorgan Chase US46625H1005 USA Ca. 810 Universalbank, Investmentbanking
Deutsche Bank DE0005140008 Deutschland Ca. 62 Unternehmensbank, Investmentbanking
UBS CH0244767585 Schweiz Ca. 135 Wealth Management, Investmentbanking
BNP Paribas FR0000131104 Frankreich Ca. 112 Universalbank
Santander ES0113900J37 Spanien Ca. 181 Privatkunden, Firmenkunden, internationale Märkte

*Näherungswerte auf Basis verfügbarer Marktdaten aus September 2026. Die Marktkapitalisierung verändert sich mit dem Aktienkurs.

Warum fehlt die Commerzbank?

Die Commerzbank wird separat betrachtet, weil die Beteiligung von UniCredit die Aktie derzeit zu einem Sonderfall macht. Neben Geschäftszahlen und Bewertung ist hier auch die künftige Eigentümerstruktur entscheidend.

JPMorgan Chase: Breite Ertragsbasis des US-Giganten

JPMorgan ist weit mehr als eine klassische Geschäftsbank. Der US-Konzern verbindet Privatkunden- und Firmenkundengeschäft mit Investmentbanking, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung. Dadurch verteilt sich die Ertragsbasis auf mehrere Geschäftsbereiche.

Für Anleger ist diese breite Aufstellung interessant. Schwächen in einem Bereich können teilweise durch andere Ertragsquellen ausgeglichen werden. Hinzu kommen eine hohe Profitabilität und umfangreiche Kapitalrückführungen. Im Juni 2026 genehmigte JPMorgan ein neues Aktienrückkaufprogramm über 50 Mrd. US-Dollar. Für das dritte Quartal 2026 erhöhte JPMorgan die Quartalsdividende von 1,50 auf 1,65 US-Dollar je Aktie.

Für 2027 sollten Anleger vor allem auf Kreditqualität, Investmentbanking und die weitere Kapitalrückführung achten. JPMorgan ist damit ein Beispiel dafür, wie stark sich das Profil einer Großbank von einer klassischen Zinswette unterscheiden kann.

Deutsche Bank: Höhere Gewinne und mehr Kapitalrückführung

Die Deutsche Bank hat 2026 erneut gezeigt, dass sich die jahrelange Restrukturierung in höheren Gewinnen niederschlägt. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn nach Steuern um 10 % auf 1,9 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr erreichte der Nachsteuergewinn 4,1 Mrd. Euro. Die CET1-Quote lag Ende Juni bei 13,9 % und damit innerhalb des von der Bank angestrebten Bereichs von 13,5 bis 14,0 %.

Für Aktionäre ist vor allem die Kapitalrückgabe relevant. Nach einem Aktienrückkauf über 1 Mrd. Euro startete im August ein weiteres Programm über 500 Mio. Euro. Für 2026 sollen die Rückkäufe damit insgesamt 1,5 Mrd. Euro erreichen. Die Bank strebt ab 2026 eine Ausschüttungsquote von 60 % an.

Damit verbindet die Aktie laufende Erträge mit einer hohen Kapitalrückführung an die Aktionäre. Für 2027 wird entscheidend, ob die verbesserte Profitabilität gehalten werden kann. Anleger sollten deshalb Kostenentwicklung, Kapitalquote und die Entwicklung des Investmentbankings im Blick behalten.

UBS: Vermögensverwaltung statt reiner Zinswette

UBS unterscheidet sich von vielen europäischen Banken durch ihre starke Stellung im Wealth Management. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Schweizer Großbank einen Reingewinn von 5,8 Mrd. US-Dollar. Die CET1-Quote lag bei 14,4 %. Im Global Wealth Management verzeichnete UBS im zweiten Quartal einen Nettoneuzufluss von 36 Mrd. US-Dollar.

Das macht die Aktie für Anleger interessant, die nicht ausschließlich auf die Entwicklung der klassischen Zinsmarge setzen wollen. Steigende verwaltete Vermögen und eine hohe Kundenaktivität können zusätzliche Erträge liefern. Gleichzeitig bleibt UBS stärker von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängig.

Für 2027 sind deshalb vor allem die Entwicklung des Wealth Managements und die weitere Integration der früheren Credit Suisse relevant. UBS will die Integration bis Ende 2026 abschließen.

BNP Paribas: Breites Geschäftsmodell im europäischen Bankensektor

BNP Paribas zählt zu den am breitesten aufgestellten Banken Europas. Das Geschäftsmodell umfasst neben dem klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft auch Investment Banking, Vermögensverwaltung, Versicherungen und weitere Finanzdienstleistungen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 10,2 % auf 28,1 Mrd. Euro, der Nettogewinn lag bei 7,6 Mrd. Euro. Die CET1-Quote erreichte 13,0 % und erfüllte damit bereits das für 2027 gesetzte Ziel.

Für Anleger ist vor allem die Kombination verschiedener Ertragsquellen relevant. Die Integration von AXA Investment Managers stärkt dabei das Asset-Management-Geschäft. Gleichzeitig kann die breite Aufstellung die Abhängigkeit von einzelnen Geschäftsbereichen begrenzen.

Für 2027 dürfte daher vor allem die weitere Umsetzung der Strategie entscheidend sein. BNP Paribas will im Februar 2027 den neuen strategischen Plan für die Jahre 2027 bis 2030 vorstellen.

Santander: Internationales Geschäftsmodell und Kapitalrückführung

Santander bietet Anlegern eine weitere Möglichkeit, das Risiko innerhalb des europäischen Bankensektors regional breiter zu verteilen. Die spanische Großbank ist in zahlreichen Märkten aktiv und kombiniert Privatkunden- und Firmenkundengeschäft mit weiteren Finanzdienstleistungen.

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der bereinigte Gewinn um 15 % auf 7,328 Mrd. Euro. Der Nettozinsertrag legte um 7 % zu, die Provisionserträge stiegen um 9 %. Nach der Übernahme der britischen TSB lag die CET1-Quote bei 14,0 %.

Auch die Kapitalrückführung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Santander setzt auf Dividenden und Aktienrückkäufe und will seine Effizienz weiter verbessern. Für 2027 wird damit vor allem interessant, ob das internationale Wachstum mit einer weiterhin hohen Profitabilität einhergeht.

Commerzbank und UniCredit: Der Sonderfall unter den deutschen Bankaktien

Bei der Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001) geht es derzeit neben der Geschäftsentwicklung vor allem um den wachsenden Einfluss der italienischen UniCredit. Direkt hält UniCredit 26,77 % der Commerzbank-Aktien. Zusammen mit weiteren Finanzinstrumenten und den im Übernahmeangebot angedienten Aktien entspricht dies 49,65 % der Stimmrechte.

Für Anleger wird damit neben Gewinnentwicklung, Zinsmarge und Bewertung auch die künftige strategische Ausrichtung relevant. Im Übernahmeangebot wurden 17,60 % der Commerzbank-Aktien angedient. Wie sich der Einfluss von UniCredit weiterentwickelt und welche strategischen Veränderungen daraus entstehen, dürfte die Commerzbank-Aktie daher auch 2027 prägen.

Diese Kennzahlen sollten Anleger bei Bankaktien prüfen

Bei Banken reichen die Kennzahlen KGV und Dividendenrendite für eine sinnvolle Bewertung nicht aus. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt, wie der Markt das bilanzielle Eigenkapital bewertet. Für die Einordnung ist die Eigenkapitalrendite beziehungsweise RoTE entscheidend. Eine niedrige Bewertung kann darauf hindeuten, dass der Markt eine geringere Ertragskraft der Bank erwartet.

Die CET1-Quote gibt Aufschluss über die Kapitalausstattung. Sie ist auch für die Frage relevant, wie viel Geld eine Bank an ihre Aktionäre zurückgeben kann. Die Cost-Income-Ratio zeigt wiederum, wie viel Aufwand für einen Euro Ertrag anfällt.

Hinweis für Dividendenjäger

Eine hohe Dividendenrendite allein ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob die Bank ihre Ausschüttung aus dauerhaft erzielbaren Gewinnen finanzieren kann und danach noch genügend Kapital für Wachstum und regulatorische Anforderungen besitzt.

Banken-ETFs: Zwei Alternativen zu Einzelaktien

Wer nicht auf einzelne Bankaktien setzen möchte, kann den Sektor über ETFs abdecken. Für Europa bietet sich zum Beispiel der iShares STOXX Europe 600 Banks UCITS ETF (ISIN: DE000A0F5UJ7) an. Er bildet den europäischen Bankensektor ab und umfasst derzeit 57 Positionen.

Für die USA kann der iShares S&P U.S. Banks UCITS ETF (ISIN: IE00BD3V0B10) eine gezielte Alternative sein, der sich auf US-Banken konzentriert. Ein breiterer US-Finanz-ETF wie der iShares S&P 500 Financials Sector UCITS ETF (ISIN: IE00B4JNQZ49) würde dagegen zusätzlich noch Versicherer und andere Finanzdienstleister abdecken.

Strategie-Hinweis: Ein Banken-ETF streut das Risiko einzelner Institute, macht das Depot aber nicht automatisch breit diversifiziert. Banken reagieren empfindlich auf Zinsen, Konjunktur, Kreditqualität und Regulierung. Für Privatanleger spricht deshalb einiges dafür, den Sektor eher als Beimischung und nicht als Kerninvestment einzusetzen.

Bankaktien kaufen: Eine Checkliste für Anleger

Vor dem Kauf einer Bankaktie lohnt sich ein kurzer Blick auf die folgenden fünf Punkte:

  1. Geschäftsmodell prüfen: Verdient die Bank ihr Geld hauptsächlich mit Krediten, Investmentbanking, Zahlungsverkehr oder Vermögensverwaltung?
  2. Kapitalausstattung ansehen: Wie hoch ist die CET1-Quote und wie viel Kapital benötigt das Institut für weiteres Wachstum?
  3. Profitabilität vergleichen: Wie entwickeln sich RoTE und Cost-Income-Ratio?
  4. Ausschüttungen hinterfragen: Sind Dividenden und Aktienrückkäufe durch die laufende Ertragskraft gedeckt?
  5. 2027 mitdenken: Welche Faktoren könnten Gewinn, Kapitalrückführung und Bewertung im kommenden Jahr verändern?

Gerade der letzte Punkt hilft dabei, den Blick nicht zu sehr auf vergangene Rekordgewinne zu richten.

Fazit: Bei Bank Aktien zählt mehr als die Zinsentwicklung

Bankaktien bleiben 2026 und mit Blick auf 2027 ein vielfältiger Sektor. Die vorgestellten Institute unterscheiden sich deutlich: JPMorgan verfügt über eine breite internationale Ertragsbasis, die Deutsche Bank profitiert von ihrer verbesserten Profitabilität, UBS setzt stark auf die Vermögensverwaltung, während BNP Paribas und Santander ihre Erträge über verschiedene Geschäftsbereiche und Regionen verteilen.

Für Anleger kommt es deshalb weniger auf die allgemeine Entwicklung der Zinsen als auf die Qualität des jeweiligen Geschäftsmodells, die Kapitalausstattung und die nachhaltige Profitabilität an. Dividenden und Aktienrückkäufe können die Rendite zusätzlich beeinflussen, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden.

Eine besondere Rolle nimmt die Commerzbank ein. Durch den wachsenden Einfluss von UniCredit hängt ihre weitere Entwicklung neben den Geschäftszahlen auch von der künftigen Eigentümerstruktur und der strategischen Ausrichtung ab. Wer nicht auf einzelne Institute setzen möchte, kann den Bankensektor zudem über ETFs abdecken und damit das Risiko einzelner Banken reduzieren.

Für 2027 bleibt damit vor allem eine Frage entscheidend: Welche Banken können ihre Erträge auch unter veränderten Zinsen, einer schwankenden Konjunktur und steigenden regulatorischen Anforderungen nachhaltig sichern?