Gallium-Aktien: Der unterschätzte Rohstoff für moderne Chips

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Künstliche Intelligenz, Elektromobilität und moderne Kommunikationsnetze erhöhen den Bedarf an leistungsfähigeren Halbleitern. Dadurch gewinnt auch Gallium an Bedeutung: Das Metall wird für moderne Verbindungshalbleiter wie Galliumnitrid (GaN) und Galliumarsenid (GaAs) benötigt. Für Anleger stellt sich deshalb die Frage, welche Gallium-Aktien interessant sein könnten.

Dabei gibt es eine Besonderheit: Wer nach Gallium-Aktien sucht, stößt schnell auf ein Problem. Anders als bei Lithium, Kupfer oder Gold existieren kaum börsennotierte Unternehmen, deren Geschäftsmodell wesentlich auf der Förderung oder Verarbeitung von Gallium basiert. Das liegt unter anderem daran, dass Gallium überwiegend als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Metalle anfällt und nur in vergleichsweise kleinen Mengen produziert wird.

Für Privatanleger sind deshalb vor allem Halbleiterhersteller und Zulieferer interessant, die den wachsenden Einsatz von Galliumnitrid wirtschaftlich nutzen. Genau diese Unternehmen stehen im Mittelpunkt dieses Artikels.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gallium ist ein kritischer Rohstoff, der vor allem für moderne Verbindungshalbleiter benötigt wird.
  • Die eigentliche Investmentchance liegt weniger im Metall selbst, sondern in Unternehmen rund um die GaN-Technologie.
  • Infineon, Navitas Semiconductor und Coherent gehören zu den interessantesten Aktien mit Bezug zu diesem Zukunftsmarkt.
  • China dominiert weiterhin den Gallium-Markt, wodurch alternative Lieferketten und Recycling an Bedeutung gewinnen.
  • Einen reinen Gallium-ETF gibt es nicht. Anleger können jedoch breiter in strategische Metalle investieren.

Gallium-Aktien: Warum der Rohstoff für Anleger interessant geworden ist

Gallium wird häufig im Zusammenhang mit strategischen Rohstoffen oder sogar Seltenen Erden genannt. Chemisch gehört das Metall jedoch nicht zu den Seltenen Erden. Stattdessen zählt Gallium zu den kritischen Rohstoffen, weil es für bestimmte Zukunftstechnologien wichtig und die Versorgung stark konzentriert ist.

Gewonnen wird Gallium überwiegend als Nebenprodukt der Aluminium- und Zinkproduktion. Dadurch unterscheidet sich der Markt deutlich von klassischen Rohstoffen wie Kupfer oder Lithium, bei denen Unternehmen gezielt Minenprojekte entwickeln. Die begrenzte Zahl an Produzenten macht die Versorgung anfällig für politische Entscheidungen und Veränderungen in den Lieferketten.

Besonders relevant ist Gallium für Verbindungshalbleiter. Während herkömmliche Chips lange Zeit vor allem auf Silizium basierten, gewinnen Materialien wie Galliumnitrid zunehmend an Bedeutung. GaN ermöglicht höhere Schaltgeschwindigkeiten, geringere Energieverluste und kompaktere Bauformen.

Davon profitieren verschiedene Wachstumsbereiche: Schnellladegeräte, Rechenzentren, Elektromobilität, Photovoltaik, Industrieelektronik und moderne Kommunikationsinfrastruktur. Auch Galliumarsenid (GaAs) bleibt für bestimmte Anwendungen wichtig, etwa in der Hochfrequenztechnik, Satellitenkommunikation und optischen Datenübertragung. Darüber hinaus kommt Gallium in der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie zum Einsatz, beispielsweise in leistungsfähigen Hochfrequenzkomponenten, Sensoren und Kommunikationssystemen.

Für Anleger bedeutet das: Die spannendsten Gallium-Aktien sind häufig nicht Rohstoffunternehmen, sondern Firmen, die diese Technologien entwickeln und vermarkten. Wer sich zusätzlich mit Investments in strategische Rohstoffe beschäftigen möchte, findet weitere spannende Informationen in unserem Beitrag zu Seltene-Erden-Aktien.

Warum die Gallium-Versorgung strategisch wichtiger wird

Ein wesentlicher Faktor für die steigende Aufmerksamkeit rund um Gallium ist die starke Konzentration der Produktion. China nimmt bei der Produktion und Verarbeitung des Metalls eine dominierende Stellung ein. Dadurch können politische Entscheidungen und Handelsbeschränkungen direkte Auswirkungen auf den internationalen Markt haben.

Für westliche Industrien ist Gallium insbesondere deshalb relevant, weil moderne Halbleitertechnologien zunehmend als strategisch wichtig gelten. Unternehmen und Regierungen arbeiten deshalb daran, alternative Lieferketten aufzubauen und die Abhängigkeit von einzelnen Regionen zu reduzieren.

Auch das Recycling von Gallium könnte künftig an Bedeutung gewinnen. Da das Metall in vielen Anwendungen nur in kleinen Mengen eingesetzt wird, ist die Rückgewinnung aus Produktionsabfällen und alten Elektronikkomponenten eine sinnvolle Ergänzung zur Primärproduktion.

Für Anleger entstehen daraus mehrere mögliche Chancen: Unternehmen, die Gallium effizient verarbeiten, neue Halbleitertechnologien entwickeln oder entlang der Lieferkette eine wichtige Rolle einnehmen, könnten langfristig profitieren.

Die interessantesten Gallium-Aktien im Überblick

Infineon Technologies: Europas Schwergewicht bei Leistungshalbleitern

Die deutsche Infineon Technologies (ISIN: DE0006231004) gehört zu den interessantesten Aktien für Anleger, die vom wachsenden Einsatz von Galliumnitrid profitieren möchten. Der Konzern zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Leistungshalbleitern und baut sein Angebot im Bereich moderner Materialien kontinuierlich aus.

GaN-Chips kommen unter anderem in Schnellladegeräten, Rechenzentren, Industrieanwendungen und zunehmend auch in Bereichen der Elektromobilität zum Einsatz. Gerade der steigende Energiebedarf durch künstliche Intelligenz und Digitalisierung könnte die Nachfrage nach effizienteren Stromversorgungslösungen weiter erhöhen.

Für Anleger bietet Infineon den Vorteil eines etablierten Geschäftsmodells mit einer breiten Kundenbasis. Gleichzeitig ist das Unternehmen nicht ausschließlich vom Erfolg der GaN-Technologie abhängig. Gallium spielt nur eine untergeordnete Rolle im Gesamtkonzern, wodurch die Aktie weniger ein reines Gallium-Investment als vielmehr eine Möglichkeit darstellt, vom langfristigen Wachstum moderner Halbleiter zu profitieren.

Navitas Semiconductor: Der direkte GaN-Spezialist

Wer eine Aktie mit einem besonders direkten Bezug zu Galliumnitrid sucht, landet schnell bei Navitas Semiconductor(ISIN: US63942X1063). Das Unternehmen konzentriert sich auf sogenannte Wide-Bandgap-Halbleiter und gilt als Spezialist für GaN-Technologien.

Die Produkte von Navitas kommen unter anderem in Schnellladegeräten, Rechenzentren, Solaranwendungen und industriellen Stromversorgungssystemen zum Einsatz. Gerade bei Anwendungen, bei denen Energieeffizienz und kompakte Bauformen entscheidend sind, bietet GaN gegenüber klassischen Siliziumlösungen Vorteile.

Die Aktie bietet Anlegern deshalb eine größere Nähe zum eigentlichen Gallium-Trend als viele etablierte Halbleiterkonzerne. Gleichzeitig ist das Risiko höher: Navitas ist deutlich kleiner als Unternehmen wie Infineon und muss sich in einem stark umkämpften Markt langfristig behaupten. Die Aktie ist daher eher als spekulativer Titel einzustufen.

Coherent: Verbindungshalbleiter für Hightech-Anwendungen

Auch die Coherent Corp. (ISIN: US19247G1076) gehört zu den Unternehmen, die vom Wachstum moderner Verbindungshalbleiter profitieren können. Der Konzern entwickelt Technologien für Laser, optische Kommunikation und Halbleiteranwendungen.

Dabei spielen Materialien wie Galliumarsenid und Galliumnitrid eine wichtige Rolle. Einsatzgebiete reichen von Telekommunikation über Rechenzentren bis hin zu industriellen Anwendungen.

Der Vorteil von Coherent liegt in der breiteren technologischen Aufstellung. Anleger investieren hier nicht ausschließlich in den Gallium-Trend, sondern in ein Unternehmen, das verschiedene Zukunftsmärkte miteinander verbindet.

Rio Tinto: Rohstoffkonzern mit Fokus auf strategische Metalle

Rio Tinto (ISIN: GB0007188757) ist keine klassische Gallium-Aktie. Der Bergbaukonzern erzielt den Großteil seiner Umsätze weiterhin mit traditionellen Rohstoffen. Dennoch gewinnt das Thema strategische Metalle für den Konzern zunehmend an Bedeutung.

Rio Tinto arbeitet daran, sein Portfolio breiter aufzustellen und stärker von Rohstoffen zu profitieren, die für moderne Technologien relevant sind. Gallium könnte dabei eine Rolle spielen, auch wenn der Beitrag zum Gesamtkonzern aktuell begrenzt ist. So hat Rio Tinto im Mai 2025 in seiner Aluminiumraffinerie Vaudreuil in Québec erstmals erfolgreich Gallium extrahiert. Sollte es zu einer kommerziellen Skalierung kommen, könnte Rio Tinto damit einen relevanten Beitrag zur weltweiten Galliumversorgung leisten.

Für Anleger ist Rio Tinto daher eher eine Möglichkeit, breiter in den Rohstoffsektor und den Trend zu kritischen Materialien zu investieren. Wer ein gezieltes Investment in die GaN-Technologie sucht, findet bei Halbleiterunternehmen einen direkteren Bezug.

Weitere Unternehmen mit Bezug zur Gallium-Technologie

Neben den genannten Unternehmen gibt es weitere Aktien, die indirekt vom Ausbau der Verbindungshalbleiter profitieren könnten.

Wolfspeed (ISIN: US97785W1062) verfügt über technologische Expertise bei modernen Halbleitermaterialien. Zuletzt ist die Aktie von Wolfspeed aufgrund einer eingebrachten Patentklage gegen Navitas Semiconductor unter Druck geraten. Die Aktie bleibt nach den jüngsten Herausforderungen eher eine spekulative Turnaround-Wette.

Das deutsche Unternehmen AIXTRON (ISIN: DE000A0WMPJ6) wiederum stellt Anlagen her, die für die Produktion bestimmter Verbindungshalbleiter benötigt werden. Das Unternehmen profitiert somit indirekt davon, wenn Hersteller ihre Kapazitäten für GaN-Technologien ausbauen.

ETFs als Alternative zu einzelnen Gallium-Aktien

Einen ETF, der gezielt Gallium oder reine Gallium-Produzenten abbildet, gibt es derzeit nicht. Anleger können das Thema deshalb nur indirekt über Unternehmen oder breiter aufgestellte Rohstofffonds abdecken.

Eine Möglichkeit bietet beispielsweise der VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF (ISIN: IE0002PG6CA6, TER bzw. Gesamtkostenquote: 0,59 % p. a.). Der Fonds konzentriert sich auf strategische Metalle und entsprechende Unternehmen. Gallium nimmt dabei allerdings nur eine untergeordnete Rolle ein. Anleger erhalten dafür Zugang zu einem breiteren Spektrum an Unternehmen aus dem Bereich strategischer Metalle.

Ein solcher ETF kann eine sinnvolle Ergänzung für ein breit aufgestelltes Depot sein. Wer hingegen gezielt vom Wachstum der GaN-Technologie profitieren möchte, kommt an einer Analyse einzelner Halbleiterunternehmen nicht vorbei.

Chancen und Risiken von Gallium-Aktien

Die Chancen für Gallium-Aktien liegen vor allem in langfristigen Wachstumstrends wie künstlicher Intelligenz, Elektromobilität und effizienterer Energieversorgung. Sollte sich GaN in weiteren Anwendungen durchsetzen, könnten spezialisierte Unternehmen profitieren.

Allerdings sollten Anleger die Risiken nicht unterschätzen. Viele Aktien mit Bezug zu Gallium sind in erster Linie Halbleiterwerte und reagieren entsprechend auf die allgemeine Entwicklung der Chipbranche. Zudem können politische Entscheidungen, neue Technologien oder alternative Materialien die Nachfrage beeinflussen.

Wie bei vielen Zukunftstechnologien gilt daher: Ein attraktiver Trend allein reicht nicht aus. Entscheidend sind die Qualität des Unternehmens, die Bewertung der Aktie und die langfristigen Wachstumsaussichten.

Fazit: Gallium-Aktien bieten Chancen – aber kaum reine Rohstoffwetten

Gallium ist ein wichtiger Baustein moderner Halbleitertechnologien, doch reine Gallium-Aktien sind für Privatanleger kaum verfügbar. Die interessanteren Investmentmöglichkeiten finden sich entlang der Wertschöpfungskette.

Infineon bietet eine Kombination aus technologischer Stärke und etabliertem Geschäftsmodell. Navitas Semiconductor ermöglicht einen besonders direkten Zugang zur GaN-Entwicklung, während Coherent und AIXTRON wichtige Komponenten für die Halbleiterindustrie liefern. Rio Tinto ergänzt die Auswahl als breit aufgestellter Rohstoffkonzern.

Für Anleger kann das Thema Gallium deshalb interessant sein – allerdings eher als langfristiger Technologietrend denn als klassische Rohstoffwette. Eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Unternehmen und Branchen bleibt entscheidend, um die Chancen zu nutzen und die Risiken zu begrenzen.