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EU Überweisung Dauer: Die Ein-Tages-Regel

Bis Ende 2011 hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Banken ihre Angestellten von Stadt zu Stadt schicken, um das Geld der Bankkunden persönlich von Konto zu Konto zu transferieren.

Denn eine elektronische Banküberweisung nahm mehrere Tage in Anspruch – egal ob es sich um eine Inlands- oder Auslandsüberweisung handelte. In Zeiten der elektronischen Kommunikation ist das undenkbar. Deshalb müssen seit 2012 alle elektronischen Euro-Banküberweisungen innerhalb eines Bankarbeitstages abgeschlossen sein – im Inland sowie EU-weit.

Ein-Tages-Regelung innerhalb der EU

Wer vor 2012 Geld von Deutschland aus in ein EU-Land überweisen wollte, tätigte eine Auslandsüberweisung und der Empfänger erhielt das Geld erst Tage später. Seit 2012 ist dies nicht mehr der Fall. Alle EU-Staaten sowie drei weitere Länder aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – Norwegen, Island und Liechtenstein – setzen die EU-Zahlungsdiensterichtlinie in ihren Ländern ein.


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Das heißt, Banküberweisungen, die in Euro lauten, dürfen nur noch einen Bankarbeitstag in Anspruch nehmen. Damit soll der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr schneller funktionieren. Für Überweisungen in Papierform haben die Banken noch 2 Banktage Zeit, um das Geld zu überweisen.

Der Samstag zählt hingegen nicht als Banktag. Überweist beispielsweise Herr Müller am Montag aus Berlin seiner in Paris studierenden Tochter Geld, so muss dies am Dienstag auf dem Konto sein.

Überweisungen in Fremdwährungen innerhalb der EU 

Die verabschiedete Rechtsnorm gilt für alle Überweisungen, die in Euro lauten. Werden allerdings Zahlungsvorgänge in Fremdwährung getätigt, die innerhalb der EU stattfinden, so darf die Überweisungsdauer noch maximal 4 Tage dauern. Denn innerhalb der EU haben nicht alle Mitgliedsländer den Euro eingeführt, sondern besitzen noch ihre nationalen Währungen, wie Großbritannien oder Polen.

Banken investierten das Geld bis 2012 selbst

Banken nutzten die laxen Überweisungsrichtlinien, vor in Kraft treten der neuen, für sich aus. Denn die Geldinstitute ließen innerhalb der 3 oder 4 Tage – bis der Empfänger die Überweisung erhielt – das Geld für sich arbeiten und erhielten Zinsen.

Diese sind pro Überweisung zwar sehr gering, aber aufgrund der Vielzahl an Überweisungen summierte sich am Ende des Jahres ein ordentlicher Gewinn an, ohne jegliches Risiko vonseiten der Bank.

Überwies beispielsweise 2006 Herr Müller 2000 Euro seiner Tochter nach Paris, so erzielte die Bank in der Zwischenzeit einen Gewinn von mehreren Cent. Bei rund 6 Milliarden Überweisungen in Deutschland verdiente auf diese Art jede Bank risikolos sogenannte Wertstellungsgewinne. Mit der neuen Richtlinie sind allerdings diese Wertstellungsgewinne laut Bundesbank verboten.

Ob sich die Banken daran halten, ist allerdings offen. Zumindest erschwert die verkürzte Überweisungsdauer die Möglichkeit, viel Gewinn innerhalb der Überweisungszeit von einem Bankarbeitstag zu verdienen.

29. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.