Öl unter Druck: Ölaktien raus, Fluglinien rein?
Was ist mit dem Ölpreis los?
Noch vor wenigen Wochen war die Lage am Energiemarkt hoch angespannt. Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus und die Angst vor Lieferausfällen trieben den Ölpreis nach oben. Doch nun hat sich das Bild gedreht. Die Risikoprämie wird wieder abgebaut. Gleichzeitig sorgt OPEC+ mit höheren Förderzielen für zusätzlichen Druck auf die Preise.
Für Ölaktien ist das kurzfristig kein ideales Umfeld. Viele Titel aus dem Energiesektor hatten zuvor von der Angst vor knapperem Angebot profitiert. Wenn diese Angst nachlässt, fehlen oft die nächsten Kurstreiber. Zwar bleiben große Energiekonzerne wie Exxon Mobil oder Chevron langfristig solide Dividendenwerte, doch für dynamische Kursgewinne braucht es meist einen stabilen oder steigenden Ölpreis. Genau das ist aktuell nicht der Fall.
Die wahren Gewinner sitzen derzeit an anderer Stelle.
Allen voran profitieren Fluglinien. Kerosin zählt zu den größten Kostenblöcken der Branche. Wenn der Ölpreis fällt, verbessern sich die Margen oft deutlich. Besonders stark reagieren meist jene Aktien, die zuvor unter hohen Treibstoffkosten gelitten haben. Dazu zählen American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines.
Gerade AAL, DAL und UAL könnten daher zu den großen Gewinnern dieser Entwicklung zählen. Sinkende Energiekosten treffen hier auf eine Branche, die bereits von robuster Reisenachfrage profitieren kann. Fällt der Ölpreis weiter oder stabilisiert er sich auf niedrigerem Niveau, könnte sich der Gewinnhebel bei den Airlines deutlich bemerkbar machen.
Auch andere Branchen könnten Rückenwind bekommen. Dazu zählen Kreuzfahrtanbieter, Logistikunternehmen, Paketdienste, Chemiewerte und Teile des Konsumsektors. Überall dort, wo Energie und Transportkosten eine große Rolle spielen, wirkt ein niedrigerer Ölpreis wie eine Entlastung.
Sollte man jetzt noch auf Ölaktien setzen?
Aus meiner Sicht nur sehr selektiv. Der Energiesektor bleibt interessant, wenn der Ölpreis wieder Stärke zeigt oder geopolitische Risiken erneut zunehmen. Aktuell spricht das Momentum jedoch eher für die Gewinner fallender Energiepreise. Genau hier liegt derzeit die spannendere Chance.
Mein Fazit: Nicht Ölaktien stehen momentan im Fokus, sondern jene Unternehmen, die unter hohen Ölpreisen gelitten haben. Fluglinien wie American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines gehören dabei klar auf die Watchlist.