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Witwenrente trotz Scheidung – besteht ein Anspruch?

Verstirbt ein Ehepartner, solange die Ehe besteht, hat der Hinterbliebene einen natürlichen Anspruch auf die Witwen- oder Witwerrente (im Folgenden kurz Witwenrente genannt).

Etwas komplizierter sind die gesetzlichen Regelungen, wenn die Ehe geschieden wurde.

Grundsätzlich besteht nach geltendem Recht nämlich nur dann ein Anspruch auf Witwenrente, wenn beide Partner zum Zeitpunkt des Todes eines Ehegatten durch eine rechtsgültige Ehe miteinander verbunden sind.

Dies war in der Vergangenheit anders geregelt. Teilweise sind diese Regelungen aber noch heute anwendbar, da der Zeitpunkt der Scheidung ausschlaggebend ist.

Witwenrente bei Scheidung vor dem 1. Juli 1977

Wurde eine Ehe vor dem 1. Juli 1977 geschieden, hat der hinterbliebene Ehepartner, egal ob Frau oder Mann, einen Anspruch auf Witwenrente trotz Scheidung, sofern gewissen Bedingungen erfüllt sind.

Zunächst muss der Verstorbene die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt haben. Das heißt, dass er mindestens 5 Jahre lang rentenversicherungspflichtig gearbeitet haben muss. Zudem darf der Hinterbliebene nicht wieder geheiratet haben bzw. eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet haben.

Die letzte Voraussetzung ist, dass im letzten Jahr vor dem Tod des geschiedenen Ehegatten Unterhalt von diesem erhalten wurde oder ein Unterhaltsanspruch bestand.

Die Eckdaten der Geschiedenen-Witwenrente

Die Geschiedenen-Witwenrente kann (wie auch die normale Witwenrente) also große oder kleine Rente bewilligt werden. Im Gegensatz zur normalen kleinen Witwenrente ist die kleine Geschiedenen-Witwenrente jedoch nicht grundsätzlich zeitlich auf 24 Monate beschränkt.

Geht der Hinterbliebene nach dem Tod des früheren Ehepartners eine neue Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft ein, erlischt der Anspruch auf Geschiedenen-Witwenrente grundsätzlich. Wird diese neue Bindung aber ebenfalls geschieden oder aufgelöst, besteht unter Umständen ein Anspruch auf die sogenannte Geschiedenen-Witwenrente nach dem vorletzten Ehegatten.

Die Höhe der Geschiedenen-Witwenrente hängt zum einen von der Dauer der Versicherung des Verstorbenen ab. Zum anderen spielt auch die Dauer der Ehe eine Rolle.

Witwenrente bei Scheidung ab dem 1. Juli 1977

Wurde eine Ehe ab dem 1. Juli 1977 geschieden, besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Witwenrente oder Geschiedenen-Witwenrente. Der Gesetzgeber sieht stattdessen den sogenannten Versorgungsausgleich vor.

Dieser ist bei jeder Scheidung durchzuführen, sofern die Ehe länger als drei Jahre gedauert hat und nicht in einem Ehevertrag der Verzicht erklärt wurde. Hierbei werden die in der Ehe erworbenen Ansprüche auf eine Altersversorgung ausgeglichen.

Damit soll vor allem berücksichtigt werden, dass ein Ehepartner, der sich vorrangig um die Kindeserziehung gekümmert hat, keine übermäßigen Nachteile im Rentenalter hat.

Die Erziehungsrente für geschiedene Ehepartner

Die Erziehungsrente ist wenig bekannt, kann aber in Anspruch genommen werden, wenn ein nicht-volljähriges Kind erzogen wird und der geschiedene Ehepartner verstirbt. Da es sich hierbei um eine Rente aus der Versicherung des Hinterbliebenen handelt, muss dieser selbst die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt haben. Zudem muss die Ehe ab dem 1. Juli 1977 geschieden worden sein.

Eine weitere Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist, dass der Hinterbliebene unverheiratet geblieben ist bzw. keine neue eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist.

Eine Witwenrente trotz Scheidung gibt es bei aktuellen Fällen also in dieser Form nicht mehr. Der Gesetzgeber hat jedoch andere Wege eröffnet, um eine finanzielle Versorgung bei Geschiedenen auch im Rentenalter sicherzustellen.

23. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.