Value-Aktien 2026: Günstige Qualitätsaktien statt KI-Hype?

Eine Person benutzt einen Stift auf einem Tablet. Überlagerte Finanzdiagramme sind sichtbar.
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Milliarden fließen derzeit in Rechenzentren, Halbleiter und Softwareplattformen. Die hohen Erwartungen an künstliche Intelligenz spiegeln sich längst in vielen Aktienkursen wider – vielfach in Form ambitionierter Bewertungen. Das muss kein Warnsignal sein, erhöht aber die Anforderungen an künftiges Wachstum. Für Anleger stellt sich deshalb eine naheliegende Frage: Wo finden sich heute noch attraktive Bewertungen mit solidem Fundament?

Genau hier rücken Value-Aktien wieder stärker in den Fokus. Gemeint sind Aktien etablierter Unternehmen, deren Bewertung im Vergleich zu Gewinnen, Cashflows oder Substanzwert moderat erscheint. Gerade langfristig orientierte Privatanleger können mit Value-Investing interessante Chancen im Investment-Universum finden – insbesondere in Deutschland und Europa, wo viele Unternehmen im Vergleich zum US-Markt weiterhin günstiger bewertet sind und sich die langfristige Wertentwicklung teilweise deutlich unterscheidet.

Wer sich für Wachstumswerte im KI-Sektor interessiert, findet ergänzend einen Überblick in unserem Artikel KI-Aktien 2026: Chancen, Risiken & Strategien für Anleger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Value-Aktien als Gegenpol zu hoch bewerteten Wachstumstrends: Im Mittelpunkt stehen Unternehmen mit moderater Bewertung und stabilen Gewinnen statt hoher Zukunftserwartungen.
  • Bewertungsgefälle im aktuellen Marktumfeld: Während wachstumsstarke Technologie-Titel hohe Erwartungen einpreisen, finden sich in Europa viele etablierte Value-Unternehmen mit Abschlägen.
  • Unterschiedliche Value-Profile im Fokus: Allianz, Santander, TotalEnergies und British American Tobacco stehen für Stabilität, Dividende und unterschiedliche Risikostrukturen.
  • Value-Investing als Ergänzung im Depot: Der Ansatz funktioniert sowohl über Einzelaktien als auch über ETFs.
  • Kombination aus Wertentwicklung und laufender Rendite: Im Fokus stehen planbare Erträge und ein ausgewogenes Verhältnis im Gesamtportfolio.

Was sind Value-Aktien und welche Merkmale zeichnen sie aus?

Value-Aktien sind Anteile von Unternehmen, deren Börsenbewertung im Verhältnis zur wirtschaftlichen Substanz vergleichsweise niedrig erscheint. Typische Merkmale sind ein moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis, ein niedriger Vergleich von Aktienkurs und Buchwert sowie stabile operative Gewinne. Häufig zahlen solche Unternehmen zudem eine regelmäßige Dividende.

Entscheidend ist jedoch ein wichtiger Unterschied: Eine günstige Aktie ist nicht automatisch eine gute Value-Aktie.Niedrige Bewertungen können auch Ausdruck struktureller Probleme sein. Anleger sprechen dann von einer sogenannten Value Trap – also einem Wert, der billig aussieht, aber aus guten Gründen niedrig bewertet bleibt.

Der Kern des Value-Investings liegt deshalb im Vergleich zwischen Marktpreis und innerem Wert. Dieser innere Wert ergibt sich aus Faktoren wie Ertragskraft, Bilanzqualität, Cashflow und Substanzwert. Besonders häufig finden sich Value-Aktien in klassischen Branchen wie Versicherungen, Banken, Energie, Industrie oder Konsum. Viele dieser Unternehmen verfügen über hohe Marktkapitalisierung, etablierte Geschäftsmodelle und solide Marktpositionen.

Nach Jahren, in denen vor allem Wachstumswerte die Schlagzeilen dominierten, gewinnt dieser Investmentstil wieder an Bedeutung. Vor allem in Europa zeigt der Vergleich mit hoch bewerteten US-Technologiewerten, dass es weiterhin zahlreiche günstig bewertete Qualitätsunternehmen gibt. Besonders über ETFs wird der Value-Faktor heute zunehmend systematisch umgesetzt.

Welche Value-Aktien sind 2026 besonders interessant?

Die beste Value-Aktie gibt es nicht. Entscheidend sind Anlagehorizont, Risikobereitschaft und persönliche Präferenzen. Für Privatanleger lohnt sich ein Blick auf Unternehmen mit robuster Bilanz, verlässlichen Gewinnen und nachvollziehbarer Bewertung. Die folgenden vier Aktien könnten für Anleger besonders interessant sein, denn sie zeigen unterschiedliche Facetten des Value-Investings.

Allianz – Solider Cashflow und attraktive Dividende

Die Allianz (ISIN: DE0008404005) zählt zu den klassischen Value-Aktien in Deutschland. Der Versicherungskonzern verbindet ein stabiles Geschäftsmodell mit planbaren Erträgen und hoher Kapitalstärke. Gerade für langfristig orientierte Anleger macht diese Kombination die Aktie interessant.

Versicherungen profitieren von gut kalkulierbaren Prämieneinnahmen und langfristigen Kundenbeziehungen. Gleichzeitig unterstützen höhere Zinsen das Kapitalanlagegeschäft. Das verbessert die Ertragslage vieler Versicherer deutlich.

Im Aktienprofil der Allianz sprechen mehrere Merkmale für einen Value-Case. Das Unternehmen verfügt über eine hohe Marktkapitalisierung, solide Gewinne und eine verlässliche Dividendenpolitik. Die Dividende zählt seit Jahren zu den wichtigsten Argumenten für viele Anleger. Hinzu kommt ein robustes Solvenzprofil, das Sicherheit in schwankenden Marktphasen bietet.

Im Vergleich zu vielen hoch bewerteten Wachstumsaktien erscheint die Bewertung moderat. Die Wertentwicklung verläuft über längere Zeiträume deutlich weniger schwankungsintensiv, auch wenn die kurzfristige Dynamik geringer ausfällt. Für Privatanleger, die defensive Einzelaktien mit laufenden Ausschüttungen suchen, bleibt die Allianz-Aktie deshalb ein überzeugender Kandidat.

Banco Santander – Europas Banken profitieren vom Zinsumfeld

Banken galten lange als Sorgenkinder des europäischen Aktienmarkts. Das hat sich spürbar verändert. Höhere Zinsen haben die Profitabilität im Kreditgeschäft verbessert und den Sektor wieder attraktiver gemacht.

Banco Santander (ISIN: ES0113900J37) gehört zu den größten Finanzinstituten Europas und ist in zahlreichen Märkten aktiv. Diese geografische Diversifikation reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Volkswirtschaften und stabilisiert die Ertragsbasis.

Das Aktienprofil von Santander zeigt vor allem zwei relevante Merkmale: solide Gewinne und eine im Vergleich moderate Bewertung. Hinzu kommen Aktienrückkäufe und eine attraktive Dividende, die den Shareholder-Return erhöhen.

Im Vergleich zu vielen US-Banken notieren europäische Finanzwerte weiterhin mit Bewertungsabschlag. Genau daraus kann sich Potenzial ergeben. Für Anleger, die gezielt auf den europäischen Finanzsektor setzen möchten, kann die Santander-Aktie daher ein interessantes Investment sein.

TotalEnergies – Hohe Cashflows im Energiesektor

Der Energiesektor wird im aktuellen Marktumfeld oft unterschätzt. Dabei gehören große Öl- und Gaskonzerne weiterhin zu den cashflowstärksten Unternehmen weltweit. TotalEnergies (ISIN: FR0000120271) ist hier ein besonders spannender Value-Wert in Europa.

Der französische Konzern profitiert von stabilen Energieerlösen, einer disziplinierten Kapitalallokation und breiter internationaler Aufstellung. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in den Ausbau erneuerbarer Energien und erweitert sein Geschäftsmodell schrittweise.

Für Value-Investoren sind vor allem Cashflow und Ausschüttungspolitik entscheidend. Genau hier überzeugt TotalEnergies. Hohe freie Mittel ermöglichen Dividenden, Aktienrückkäufe und Investitionen zugleich.

Die Aktie verbindet mehrere klassische Value-Merkmale: hohe Gewinne, starke Bilanz und hohe Marktkapitalisierung. Auch im Hinblick auf die langfristige Wertentwicklung zeigt sich der Energiesektor trotz zyklischer Schwankungen als vergleichsweise robuster Bestandteil in defensiven Portfolios. In Kombination mit Dividenden und Aktienrückkäufen ergibt sich für viele Anleger zudem eine attraktive Rendite. Im Vergleich zu Wachstumssegmenten wird der Energiesektor weiterhin konservativer bewertet, was langfristig Chancen für antizyklische Anleger eröffnen kann.

British American Tobacco – klassischer Value-Case mit hoher Dividende

British American Tobacco (ISIN: GB0002875804) ist ein typisches Beispiel für eine Value-Aktie im klassischen Sinn. Das Unternehmen erzielt seit Jahren stabile Cashflows und gehört zu den global führenden Anbietern im Tabaksektor.

Das Geschäftsmodell zeichnet sich durch hohe Margen, starke Marken und eine sehr verlässliche Cashflow-Struktur aus. Gleichzeitig ist die Bewertung im Vergleich zu vielen anderen Konsumgüterunternehmen niedrig, was vor allem auf strukturelle Risiken zurückzuführen ist.

Dazu zählen regulatorische Eingriffe, steuerliche Belastungen und ein langfristig rückläufiges Volumen im klassischen Zigarettengeschäft. Diese Faktoren erklären die dauerhaft hohe Dividendenrendite, aber auch den Bewertungsabschlag.

Gerade im Kontext von Value-Investing ist BAT dennoch interessant, da hier der Gegensatz zum Wachstumssegment besonders deutlich wird: stabile Erträge und hohe Ausschüttungen auf der einen Seite, niedrige Erwartungen auf der anderen. Aus diesem Grund eignet sich BAT weniger als langfristiger Qualitätsanker im Depot, sondern eher als gezielte Beimischung im Value-Segment.

Wie investiert man mit ETFs in Value-Aktien?

Nicht jeder Anleger möchte einzelne Aktien analysieren oder regelmäßig bewerten. Genau deshalb spielen ETFs eine wichtige Rolle im Value-Investing.

Ein ETF bündelt viele Einzelwerte in einem Produkt und reduziert damit das Risiko einzelner Fehlentscheidungen. Gerade beim Value-Faktor ist das ETF-Konzept sinnvoll, da die Auswahl der „richtigen“ Value-Aktie komplex sein kann.

Ein globaler Ansatz ist der iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (ISIN: IE00BP3QZB59). Die Titelauswahl dieses ETFs erfolgt anhand eines Value-Faktors, der mehrere Bewertungskennzahlen kombiniert, darunter das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis erwarteter Gewinne sowie das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Cashflow. Mit diesem ETF erhalten Anleger somit einen breiten Zugang zu Value-Aktien aus Industrieländern weltweit.

Für einen stärkeren Europa-Fokus bietet sich der Xtrackers MSCI Europe Value UCITS ETF (ISIN: IE00BQN1K901) an. Dieser ETF enthält zahlreiche europäische Unternehmen aus Bereichen wie Banken, Versicherungen, Energie und Industrie. Auch dieser ETF nutzt ein ähnliches Faktorenmodell wie der iShares-ETF auf Basis von Bewertung, Gewinn und Cashflow.

Auffällig ist, dass Europa im Vergleich zum US-Markt weiterhin günstiger bewertet ist. Genau darin sehen viele Investoren Chancen. Ein Europa-ETF mit Value-Fokus als regionaler ETF-Baustein kann daher besonders für Anleger interessant sein, die Bewertungsunterschiede gezielt nutzen wollen.

ETFs eignen sich vor allem für langfristige Sparpläne und passive Investmentstrategien. Einzelaktien bieten dagegen mehr Potenzial, verlangen aber auch mehr Analyse und Disziplin. Viele Privatanleger kombinieren beide Ansätze: Ein breit gestreuter ETF bildet die Basis, ausgewählte Einzelaktien ergänzen das ETF-Portfolio.

Fazit: Warum Value-Aktien ein sinnvoller Gegenpol zum KI-Hype sein können

Die aktuellen Kapitalmärkte sind stark von Erwartungen an Wachstum und technologische Entwicklungen geprägt. Das führt dazu, dass viele Investoren bereit sind, hohe Bewertungen zu akzeptieren. Gleichzeitig entstehen dadurch Bewertungsunterschiede zwischen Wachstums- und Substanzwerten.

Value-Aktien wirken im Vergleich oft unspektakulär. Genau darin liegt jedoch ihre Stärke. Unternehmen mit stabilen Gewinnen, solider Dividendenpolitik und nachvollziehbarer Bewertung können langfristig ein wichtiger Stabilitätsanker im Depot sein.

Für Anleger ist Value-Investing daher kein Gegensatz zu Wachstum, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Ein ausgewogenes Portfolio – umgesetzt über Einzelaktien, einen Value-ETF oder eine Kombination aus beiden – berücksichtigt beide Perspektiven und reduziert dadurch Klumpenrisiken in einzelnen Marktsegmenten.