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Wie bewerten Ratingagenturen?

Erneut könnten die Ratingagenturen die Marktgeschehnisse der nächsten Wochen bestimmen.

Herabstufungen durch Ratingagenturen

Wie heute bekannt geworden ist, wird die größte Volkswirtschaft der Welt erneut vor einer Herabstufung gewarnt.

Als Grund wurde der hohe Schuldenstand Amerikas genannt, der laut Fitch, einer der 3 großen Ratinggesellschaften, zu einer Herabstufung führen könnte.

Dabei wurde der Ausblick der Kreditwürdigkeit von „stabil“ auf „negativ“ herabgesenkt, die aktuelle Bestnote von „AAA“ wurde jedoch bestätigt. Standard & Poor’s, ein weiterer Ratingriese, hatte bereits im Sommer den Amerikanern die Bestnote entzogen und die zweitbeste Bewertung „AA+“ vergeben.

Die Herabstufungen, insbesondere der wichtigsten Industriestaaten, wurden jüngst fast immer unter dem Gesichtspunkt des hohen Schuldenstandes vorgenommen.

Gleichzeitig stehen die Ratingagenturen, speziell bei den Politikern der betroffenen Länder, immer stärker im Fokus der Kritik. Denn eine Herabstufung kann schwerwiegende Probleme mit sich bringen.

So müssen herabgestufte Länder höhere Zinsen für die Refinanzierung der Haushalte aufbringen, was eine Konsolidierung noch teurer macht. Also haben diejenigen Länder, die aufgrund der hohen Schuldenstände ohnehin viel refinanzieren müssen, noch mehr Probleme.

Angeprangert wird dabei eine nur einseitige Bewertung der Schuldenstände, ohne jedoch die politischen Bemühungen zur Lösung des Problems ebenfalls in die Ratingbeurteilung mit einfließen zu lassen.

Wie bewerten eigentlich Ratingagenturen?

Eine Frage, die sich so mancher Politiker, speziell wenn sein Staat von einer Herabstufung betroffen ist, gestellt hat. Vornweg muss gesagt werden, dass die genauen Bewertungsmodelle geheim gehalten werden.

Zwar ist den meisten bekannt, welche wesentlichen Faktoren in die Bewertung mit einbezogen werden, diese werden jedoch nach einer subjektiven Bewertung modellhaft verarbeitet.

Die genauen Modellparameter und Bewertungskriterien werden dabei streng geheim gehalten.

Die wichtigsten Faktoren zur Beurteilung eines Staates sind: Das Bruttoinlandsprodukt, der Schuldenstand, die Sozialausgaben oder das Rentensystem.

Nach einer für Außenstehende intransparenten Beurteilung dieser Faktoren steht dann die endgültige Ratingnote fest, die einen Maßstab zur Kreditzahlungsfähigkeit eines Landes darstellen soll.

Steht beispielsweise eine Herabstufung (Downgrade) an, so wird dies, ähnlich wie im aktuellen Fall der Fitch-Bewertung Amerikas, im Vorfeld einer neuen Beurteilung angekündigt.

Die Notenvergabe der Ratinggesellschaften lässt sich zwar nicht komplett nachvollziehen, dennoch spielen sie im Kreditwesen eine sehr große Rolle:

So können etwa institutionelle Investoren wie große Rentenkassen oder Versicherungen per Gesetz und eigene Unternehmenssatzung nur in Anleihen investieren, die ein Investmentgrade (Ratingnote höher als BB+) vorweisen.

Besonders in der Finanzkrise wurde Kritik laut, wonach Ratinggesellschaften, die für ihre Bonitätseinstufung Geld bekommen, starken Interessenkonflikten unterliegen.

Besonders für Europäer ist die Tatsache, dass die 3 Branchenriesen in New York ansässig sind, auch immer wieder ein Grund für Kritik. Daraus sind Diskussionen zur Bildung einer europäischen Ratingagentur entstanden.

Es bleibt aber fraglich, ob bei einer europäischen Ratingagentur die Interessenkonflikte geringer sein werden.

29. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.