Schweiz – Wirtschaft und Finanzen im Land der Eidgenossen

6 min | Stand 22.12.2021
Kavalenkava / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Die Schweiz ist im Zentrum von Europa gelegen und zählt momentan etwas mehr als 8,6 Millionen Einwohner. Damit ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, wenn man einen Vergleich zu den anderen europäischen Staaten zieht. Trotz der vergleichsweise kleinen Fläche von gut 41.000 Quadratkilometern gehört die Schweiz schon Jahrzehnte Jahre zu den wichtigsten Wirtschaftsnationen weltweit. Zu den wirtschaftlichen Zentren des Landes zählen insbesondere die Hauptstadt Bern, Zürich, Genf und Luzern.

Die Börse in der Schweiz

In der Schweiz gibt es eine große Börse, die absolut dominierend ist. Es handelt sich dabei um die Schweizer Börse SIX, die vor einigen Jahren noch unter der Bezeichnung  SWX Swiss Exchange auftrat. Sie entstand vor über 25 Jahren durch eine Kooperation der Börsen in Genf, Zürich und Basel. An der Schweizer Börse werden mehr als Tausend Aktien aus dem In- und Ausland gehandelt, ebenso einige andere Finanzprodukte. Der bedeutendste Aktienindex des Landes gehört ebenfalls zur Schweizer Börse bzw. zur SIX Group. Dabei handelt es sich um den Swiss Market Index (SMI).

Swiss Markets Index: der Schweizer Leitindex

Was in Deutschland der DAX, ist im Land der Eidgenossen der Swiss Markets Index. Es handelt sich um den bedeutendsten Aktienindex des Landes, der in der Regel ebenfalls als Blue Chip-Index bezeichnet wird. Notiert wird der Schweizer Aktienindex seit 1988 mit einem damaligen Basisstand von 1.500 Punkten. An der Entwicklung des Index lässt sich ebenfalls ableiten, wie erfolgreich das Schweizer Wirtschafts- und Finanzsystem insgesamt ist, nämlich:

  • 1988: 1.500 Punkte
  • 1997: Erstmals über 5.000 Punkte
  • 2019: erstmals über 10.000 Punkte
  • Aktuell (Januar 2022): Ca. 12.500 Punkte

Der Punktestand des Schweizer Aktienindex SMI hat sich also innerhalb der letzten knapp 35 Jahren um rund 800 Prozent gesteigert. Ein Unterschied zum DAX-Index ist, dass es sich beim SMI um einen sogenannten Kursindex handelt. Das bedeutet, dass zum Beispiel Kapitalmaßnahmen wie Dividenden nicht in den Index eingerechnet werden. Enthalten sind SMI die 20 größten Aktientitel aus der Schweiz. Diese machen insgesamt über 90 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der Schweizer Börse aller Aktienpapiere aus.

Swiss Market Index: Das sind die größten Unternehmen

Der Schweizer Aktienindex SMI bündelt die größten Unternehmen des Alpenlandes. Die fünf größten Unternehmen nach Gewichtung sind:

  • Nestlé (ISIN: CH0038863350)
  • Novartis (ISIN: CH0012005267)
  • Hoffmann-La Roche (ISIN: CH0012032113)
  • Zurich Insurance Group (ISIN: CH0011075394)
  • UBS (ISIN: CH0244767585)

Weltweit bekannte Unternehmen aus der Schweiz

Aus der Schweiz stammen diverse international tätige Unternehmen, die sicherlich auch Ihnen ein Begriff sind. Die folgenden Unternehmen und Markennamen sind weltweit bekannt und werden fast automatisch mit bestimmten Dienstleistungen und Produkten verbunden:

  • Credit Suisse (Bank)
  • Nestle (Nahrungsmittel)
  • Novartis (Pharma)
  • Roche (Pharma))
  • UBS (Bank)
  • SwissLife (Lebensversicherung)
  • Rolex (Luxusuhren)

Was sollten Anleger bei einem Investment in der Schweiz wissen?

Über Jahrzehnte hinweg war die Schweiz als Paradies für Anleger bekannt, insbesondere aufgrund des äußerst strengen Bankgeheimnisses. Dies führte dazu, dass auch Anleger aus dem Ausland bei Banken und sonstigen Finanzdienstleistern in der Schweiz faktisch anonym Konten eröffnen konnten. Als Begriff dafür stand über Jahrzehnte das sogenannte Schweizer Nummernkonto.

Auch aufgrund der zunehmenden Vereinheitlichung der Vorschriften innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums ist es mittlerweile für Anleger allerdings komplizierter und in gewisser Weise negativer geworden, weil immer mehr Vorschriften und zum Teil sogar Beschränkungen sowie Nachteile im Vergleich zum Investment in Deutschland beachtet werden müssen. Zu nennen sind in dem Zusammenhang insbesondere:

  • Vergleichsweise hohe Depotgebühren
  • Investments ausländischer Anleger werden streng geprüft
  • Steuerliche Besonderheiten

Für die meisten Anleger mit kleineren und mittleren Vermögen ist vor allem relevant, dass zum einen die Depotgebühren in der Schweiz durchschnittlich höher als in Deutschland sind. Zum anderen gibt es oftmals vor allem für Ausländer Mindestanlagesummen, die nicht selten zwischen 20.000 und 100.000 Euro liegen. Depotgebühren von etwa 0,20 Prozent im Jahr sind keine Seltenheit, während einige Banken und vor allem Broker in Deutschland sogar kostenfreie Depots für Wertpapiere im Angebot haben.

Eine weitere Hürde für beispielsweise deutscher Anleger ist, dass mittlerweile in der Schweiz gerade Investments aus dem Ausland relativ streng geprüft werden. Möchten Sie zum Beispiel als Privatanleger ein Wertpapierdepot eröffnen, ist eventuell – je nach Depot führendem Institut – sogar ein persönlicher Besuch und damit eine Kontoeröffnung vor Ort notwendig. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Sie glaubhaft versichern, dass die mit dem Investment zu erzielenden Erträge in Deutschland auch versteuert werden. In dem Zusammenhang gibt es bei den Banken im Land der Eidgenossen meistens die Vorschrift, diese Versteuerung jedes Jahr zu belegen.

Die Wirtschaft der Schweiz: Stabile Volkswirtschaft im internationalen Vergleich

Weltweit betrachtet zählt die Schweiz zu den wohlhabendsten Ländern überhaupt. Im sogenannten Ländervergleich belegten die Eidgenossen im Jahre 2020 den 18. Platz. Grundlage dafür ist das Bruttoinlandsprodukt, welches sich in 2020 auf rund 700 Milliarden Schweizer Franken belief. Daraus wiederum ergibt sich ein ebenfalls sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet mehr als 82.000 US-Dollar im Jahr. Das wiederum führt dazu, dass die Schweiz bezüglich ihrer Wirtschaftskraft im internationalen Vergleich in dieser Kategorie sogar auf dem zweiten Platz liegt. Ähnlich positiv ist Situation beim durchschnittlichen Vermögen der Bürger, denn auch hier liegen die Eidgenossen im internationalen Vergleich auf dem zweiten Platz. Durchschnittlich über 530.000 Dollar besitzt jeder Schweizer Bürger an Vermögen.

Im Hinblick auf Investoren ist die Schweiz äußerst attraktiv, denn sie verfügt über eine der weltweit stabilsten Volkswirtschaften. Das lässt sich beispielsweise an der Preisstabilität messen, die in den vergangenen 20 Jahren nur selten oberhalb von zwei Prozent lag. Gleiches gilt für die Innovationsfähigkeit, denn auch hier belegt die Schweiz einen der vordersten Plätze. Weitere Zahlen wie die Arbeitslosenquote von unter drei Prozent (Mitte 2021) unterstreichen ebenfalls, dass es der Schweizer Wirtschaft sehr gut geht.

Auf der anderen Seite ist allerdings das allgemeine Preisniveau relativ hoch, denn die Kosten für den Lebensunterhalt sind um über 50 Prozent höher, als es im Durchschnitt bei anderen Ländern im Raum der EU der Fall ist.

Welche Sektoren sind für die Wirtschaft von größter Bedeutung?

Wie es für heutige Industrienationen typisch ist, so sind bezüglich des Bruttoinlandsproduktes und der gesamten Wirtschaftsleistung auch in der Schweiz vor allem der sogenannte sekundäre sowie noch deutlicher der tertiäre Sektor von großer Bedeutung. Der industrielle Sektor (sekundärer Sektor) nimmt dabei heute allerdings nur noch einen Anteil von etwas mehr als 20 Prozent an der Gesamtwirtschaftsleistung ein. Die genaue Aufteilung der drei Sektoren sieh wie folgt aus:

  • Primärer Sektor (Land- und Forstwirtschaft): ca. 2,8 Prozent
  • Sekundärer Sektor (Industrie / Gewerbe): ca. 20,8 Prozent
  • Tertiärer Sektor (Dienstleistungen): ca. 76,4 Prozent

An dieser Aufteilung zeigt sich, dass der tertiäre Sektor (Dienstleistungen) mit Abstand dominiert. Dabei sind es insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen, die maßgeblich zum Erfolg der Schweizer Wirtschaft beitragen. Schaut man etwas näher auf die Branchen, dann ergibt sich ein relativ klares Bild. Die größten und wichtigsten Unternehmen im Land der Eidgenossen stammen in erster Linie aus den folgenden Branchen, die dementsprechend einen großen Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes haben:

  • Pharmaindustrie
  • Bank- und Versicherungssektor
  • Chemie-Industrie
  • Nahrungsmittelindustrie
  • Luxusgüterindustrie

Ebenfalls von großer Bedeutung ist in der Schweiz der Tourismus, denn jährlich besuchen das Land der Eidgenossen mehrfach so viele Menschen, wie Einwohner gezählt werden. Innerhalb des tertiären Sektors sind es insbesondere der Handel, das Gesundheits- sowie das Bankenwesen, welche die größte Rolle spielen.

Währung: Der Schweizer Franken als Weltwährung

Dass es sich bei der Schweizer Wirtschaft um eine erfolgreiche und stabile Volkswirtschaft handelt, wird unter anderem auch in der Währung deutlich. So gehört der Schweizer Franken schon seit Jahrzehnten neben den nachfolgenden Devisen zu den sogenannten fünf Weltwährungen:

  • US-Dollar
  • Euro
  • Britisches Pfund
  • Japanischer Yen

Geleitet werden Währungssystem und Währungspolitik von der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die als unabhängige Zentralbank tätig ist. Die Währungsreserven beliefen sich im vorletzten Jahr auf über 800 Milliarden Dollar und sind damit zu diesem Zeitpunkt die dritthöchsten weltweit gewesen. Der Kurs des Schweizer Franken gilt als äußerst stabil, was unter anderem dadurch untermauert wird, wie sich der Franken-Kurs in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, beispielsweise im Vergleich zum Euro:

  • 2012: ca. 1,28 CHF
  • 2017: ca. 1,25 CHF
  • 2021: ca. 1,04 CHF

Insbesondere aufgrund dieser Stabilität ist der Schweizer Franken eine international beliebte Anlagewährung, die Grundlage für zahlreiche Investments darstellt.