Bayer-Aktie

Die Bayer AG ist ein deutscher Chemie- und Pharmaunternehmen mit Sitz in Leverkusen. Das Unternehmen besteht heute aus mehreren Teilkonzernen. Als Gründungsmitglied des Leitindexes ist die Bayer-Aktie seit Juli 1988 im DAX gelistet (ISIN: DE000BAY0017).
7 min | Stand 22.11.2021
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Bruno Coelho / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Bayer-Aktie: Kurzportrait

Branche: Pharma & Chemie
Gründung: 1863
Sitz: Leverkusen, Deutschland
Rechtsform: Aktiengesellschaft
WKN: BAY001
ISIN: DE000BAY0017
Symbol: BAYN
wichtigste Indizes: DAX 40, Euro Stoxx 50

Bayer-Aktie: Aktueller Kursverlauf

Bayer-Aktie: Unternehmensprofil

Dass schwierige Phasen den Blick auf die langfristigen Perspektiven nicht verstellen dürfen, zeigt sich bei der Aktie von Bayer. Trotz aller Herausforderungen seit der Übernahme von Monsanto, war und ist die Neuausrichtung des Leverkusener Konzerns ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch wenn nach dem teuren Kauf des vormalig amerikanischen Agrarspezialisten eine Welle mit Schadensersatzklagen in Sachen Glyphosat das Unternehmen zu bedrohen begann, so mag der Unkrautvernichter kurz- bis mittelfristig zugleich ein Wertvernichter an der Börse sein. Doch selbst bei einem gesunkenen Börsenwert wird es gerade wegen der toxischen Belastung kaum selbst zum Übernahmekandidaten. Sobald sich die Turbulenzen, die im Kurs der Bayer-Aktie weitgehend eingepreist sind, gelegt haben, ist der Weg in eine solide Zukunft frei.

Auch in der Vergangenheit ist der Konzern stets gewachsen. Einen Ausreißer gab es mit Blick auf Gewinn und Aktienkurs 2002 nach dem Skandal um den Cholesterinsenker Lipobay, der gut 1 Mrd. Euro kostete und den Kurs der Bayer-Aktie um ein Drittel drückte. Im folgenden langjährigen Aufwärtstrend erreichte die Aktie 2015 Spitzenwerte um 130 Euro, rutschte danach aber um über die Hälfte ab.

Trotz Monsanto-Chaos kann Bayer durchstarten

Zwischenzeitlich stand der mit über 50 Mrd. Euro ambitionierte Monsanto-Kauf an. Der Verkauf der Chemiesparte Covestro brachte rund 15 Mrd. Euro ein, doch zunächst fehlte deren Umsatzanteil. Hinzu kam die Belastungen durch den Integrationsaufwand von Monsanto sowie schwer absehbare Prozesskosten.

Dafür präsentiert sich der Konzern mit einer insgesamt übersichtlichen Geschäftsstruktur, die im Wesentlichen zu fast gleichen Hälften aus der Pharma- und der Agrarsparte besteht. Dies ist die Basis, um künftig ca. 5 % pro Jahr und mehr zuzulegen. Mit den prognostizierten Rohgewinnen ab 10 Mrd. Euro lassen sich Altlasten abtragen und Anlegern weiterhin steigende Dividenden ausschütten. Eine Dividendenrendite von über 4,5 % macht die Bayer-Aktie auch innerhalb der Peer-Group äußerst attraktiv.

Generell aber ist ein Vergleich zu den häufig aufgezählten Mitstreitern der Gruppe Amgen, Johnson & Johnson, Merck oder Roche kaum realistisch. Ganz einfach, weil keiner das neue Bayerprofil trifft, bei dem die Agrarsparte in Sachen Geschäftsdynamik den Löwenanteil ausmacht und mit der Bayer zum weltweit größten Anbieter in dem Segment aufgestiegen ist. Mit der Trennung von weniger profitablen Marken freiverkäuflicher Medikamente sowie der Sparte Tiergesundheit, wird die Konzentration auf patentgestützte Wirkstoffe sowie Saatgutprodukte noch verstärkt.

Bayer: Hochprofitabel und ausgezeichnete Wachstumsperspektiven

Im Pharmabereich ist Pharmaceuticals mit verschreibungspflichtigen Medikamenten der profitablere Teil. Hauptvorteile: Das Geschäft ist unabhängig von konjunkturellen Einflüssen. Und die Lebenserwartung und das Gesundheitsbewusstsein steigen in weiten Teilen der Welt. Ein gewisser Nachteil sind die hohen Vorlaufkosten für Forschung und Entwicklung – gepaart mit dem Risiko von den Zulassungsbehörden die Marktfähigkeit zu erhalten. Nach einer Zulassung sorgen gefragte Produkte für zuverlässige Einnahmen. Allerdings müssen bis Ablauf des Patentschutzes Nachfolgeprodukte und Innovationen vermarktungsreif entwickelt sein.

Bayer verfügt hier über eine starke Stellung mit zahlreichen Patenten. Die operative Gewinnmarge in dem Bereich liegt bei über 25 %. Ähnlich lukrativ ist die Agrarsparte, wo es um Pflanzenschutz und Saatgut geht. Auch spielen konjunkturelle Schwankungen keine Rolle. Im Unterschied zur Pharmasparte allerdings ist der Innovationsdruck weniger hoch. In beiden Branchen, aber besonders der Agrarsparte, hat Bayer eine führende Stellung. Die Wachstumsperspektiven sind ausgezeichnet.

Unternehmensprofil der Bayer AG

Die Bayer AG mit Hauptsitz in Leverkusen ist einer der größten Chemiekonzerne der Welt und unterhält international rund 420 Beteiligungsgesellschaften. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 116.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 90 Ländern. Bayer erzielte im Jahr 2017 einen Konzernumsatz von rund 35 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von 7,3 Milliarden Euro.

Bekannt ist das Unternehmen auch durch den Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, der 1904 gegründet wurde und seit 1999 zwar als GmbH agiert, jedoch zu 100 Prozent im Besitz der Bayer AG verblieben ist. Auch das Leverkusener Fußballstadion trägt den Namen „BayArena“ und trägt das Firmenlogo des Unternehmens.

Drei Divisionen mit einem Sorgenkind

Das operative Geschäft von Bayer ist in drei Divisionen untergliedert: Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science. Die beiden erstgenannten Divisionen umfassen verschreibungspflichtige sowie rezeptfreie Arzneimittel. Bekannte Medikamente aus dem Hause Bayer sind beispielsweise der Kopfschmerz-Klassiker Aspirin, die Heilsalbe Bepanthen oder die Antibabypille Yasmin.

Crop Science zählt im Bereich der Agrarwirtschaft zu den führenden Anbietern von Saatgut, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Der Bereich wurde 2018 durch den umstrittenen Zukauf des US-Herstellers Monsanto ausgebaut.

Tausende Klagen gegen Monsanto

Mit 60 Milliarden Euro oder 66 Milliarden US-Dollar bildet die Monsanto-Übernahme durch Bayer den bislang teuersten Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland. Die Auflagen der Kartellbehörden sahen unter anderem die Veräußerung nahezu des gesamten weltweiten Saatgutgeschäfts von Bayer vor. Größer Profiteur war der deutsche Konkurrent und Dax-Nachbar BASF aus Ludwigshafen, der einen Großteil der angebotenen Bereiche übernahm.

Bei Anlegern und Analysten ist die Monsanto-Übernahme hochumstritten: In den USA sind tausende Klagen von Krebsgeschädigten gegen das Unternehmen anhängig, die argumentieren, aufgrund gesundheitsschädlicher Substanzen in einem Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto erkrankt zu sein. Erste Prozesse wurden bereits zugunsten der Kläger entschieden und sprachen ihnen Schadensersatz in zweistelliger Millionenhöhe zu.

Bayer-Aktie: Verlässliche Dividende

Nicht zuletzt im Zuge der Negativschlagzeilen rund um Monsanto hat die Bayer-Aktie im Zeitraum von 2014 bis 2019 etwa ein Drittel an Wert verloren. Die Aktien der Bayer AG befinden sich vollständig im Streubesitz. Zu den größten Anteilseignern zählt der US-Investmentfonds BlackRock, der gut 7 Prozent der Bayer-Anteile hält.

Bayer zahlt seinen Anlegern eine Dividende, die nach eigenen Maßstäben möglichst jährlich ansteigen, zumindest aber stabil bleiben soll. Die Dividendenrendite war in den vergangenen Jahren konstant überdurchschnittlich hoch.

Personal

Der Bayer-Konzern beschäftigt Ende 2020 weltweit 99.538 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 23.398 in Deutschland (23,5 Prozent). Fast die Hälfte der Belegschaft arbeitet in Europa, Afrika oder dem Nahen Osten (45,4 Prozent), jeweils rund ein Fünftel entfallen auf Nordamerika sowie Asien/Pazifik. In Lateinamerika sind 14 Prozent der Bayer-Beschäftigten tätig. Der Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft liegt auch in 2020 bei knapp 40 Prozent.

Jeweils knapp ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Segmenten Pharmaceuticals (32,9 Prozent) und Crop Science (32,6 Prozent) tätig. Der Bereich Consumer Health ist mit 9,4 Prozent deutlich kleiner.

Der Vorstand der Bayer AG besteht aus einer Frau und fünf Männern:

  • Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender
  • Liam Condon, Crop Science
  • Sarena Lin, Transformation & Talent
  • Wolfgang Nickl, Finanzen
  • Stefan Oelrich, Pharmaceuticals
  • Heiko Schipper, Consumer Health

Vorstandsvorsitzender von Bayer: Werner Baumann

Werner Baumann ist seit dem 1. Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. Bereits unmittelbar nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften begann er 1988 seine Laufbahn bei der Bayer AG, zunächst im Bereich Konzernfinanzen.
Nach mehreren Stationen in Spanien und den USA kehrte er 2002 nach Deutschland zurück und durchlief mehrere Führungsposten bei Bayer. Im Oktober 2003 erfolgte die Berufung in den Vorstand des damals neu gegründeten Teilkonzerns Bayer HealthCare AG. Zum 1. Januar 2010 wurde Baumann zum Finanzvorstand der Bayer AG ernannt und verantwortete ab Oktober 2014 die Bereiche Strategie und Portfoliomanagement sowie die Region Europa, Naher Osten und Afrika.
Mit einem Jahresgehalt von rund 6,4 Millionen Euro bewegt sich der Bayer-Chef im oberen Mittelfeld der Dax-Vorstände (2017: Platz 8). Im Nachgang der Monsanto-Krise und dem Fall der Bayer-Aktie fiel seine Jahresvergütung auf 5,46 Millionen (2019) und zuletzt 5,3 Millionen Euro (2020). Werner Baumann ist verheiratet und hat vier Kinder.

Zukunftsstrategie „Leaps by Bayer“

Ende 2017 stellte Bayer seine „Leaps“-Strategie vor. Das Konzept sieht vor, bestehende Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung auszubauen, um Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft erfolgreich zu begegnen.

Geschichte des Unternehmens

Gegründet wird das Unternehmen am 1. August 1863 durch den Farbstoffhändler Friedrich Bayer und den Färbermeister Johann Friedrich Weskott unter dem Namen „Friedr. Bayer et comp.“. 1881 erfolgt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Zwei Weltkriege, zwei Zäsuren

Bereits um 1900 wird Bayer international tätig und weitet seine Geschäftsfelder sukzessive aus. Zudem etabliert das Unternehmen bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine eigene Forschungsabteilung. 1912 zieht der Firmensitz von Barmen nach Leverkusen um.

Der Erste Weltkrieg markiert eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte. Der Export bricht ein, die Nachfrage sinkt. 1925 geht Bayer gemeinsam mit anderen deutschen Chemieunternehmen wie BASF oder Agfa in der I.G. Farben auf. Diese erlangt traurige Berühmtheit durch ihre Rolle als Lieferant des Giftstoffes Zyklon B, den die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern zur systematischen Massenvernichtung einsetzen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die I.G. Farben durch die Alliierten beschlagnahmt und schließlich zerschlagen. Am 19. Dezember 1951 wird die Bayer AG neu gegründet und unterhält zunächst vier Werke in Leverkusen, Dormagen, Elberfeld und Uerdingen.

Bayer expandiert

Im Zuge des deutschen „Wirtschaftswunders“ in den 1950er und 1960er Jahren wächst Bayer erneut zum international agierenden Chemiekonzern an. Das Auslandsgeschäft sowie die Geschäftsfelder werden in den 1970er und 1980er Jahren weiter ausgebaut.

1988, im Jahr seines 125-jährigen Jubiläums, wird die Bayer AG als erstes deutsches Unternehmen an der Börse in Tokio notiert. Im selben Jahr geht in Deutschland der Deutsche Aktienindex Dax an den Start: Auch hier ist die Bayer Aktie von Beginn an dabei.

Neues Jahrtausend, neue Firmenstruktur

Mit der Jahrtausendwende beginnt bei Bayer ein tiefgreifender Umbruch. Zahlreiche Zukäufe und Abspaltungen sowie strukturelle Neuausrichtungen prägen das Geschehen im Unternehmen. Die ursprünglichen Sparten Pharma, Pflanzenschutz, Chemie und Kunststoffe werden als eigenständige Teilkonzerne ausgegliedert und unter dem gemeinsamen Dach einer Holding miteinander verbunden.

Seit dem 1. September 2015 firmiert der Bereich Bayer MaterialScience unter dem Namen Covestro. Das wirtschaftlich und rechtlich eigenständige Unternehmen bleibt zunächst eine Tochtergesellschaft der Bayer AG, wird aber letztlich 2018 veräußert und ist inzwischen selbst im Dax vertreten. Die 2016 eingefädelte Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto wurde 2018 abgeschlossen, beschäftigt den Konzern allerdings aufgrund zahlreicher kurz darauf gegen Monsanto eingereichter Klagen seitdem.

Bayer-Aktie: Fundamentaldaten im Überblick