Japanischer Aktienmarkt

Nikkei 225: Das ist der bedeutendste Aktienmarkt Asiens ✔️ Erfahren Sie hier, wie Sie jetzt in die asiatischen Aktien investieren
8 min | Stand 22.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Japan: Moderne Wirtschaftsmacht mit hoher Staatsverschuldung

Nikkei 225: Der Aktienindex für Japan

Der Nikkei 225 ist der bedeutendste Aktienindex Asiens. Er basiert auf den Kursen von 225 an der Tokioter Börse gehandelten Unternehmen und wird ähnlich wie der Dow Jones oder der EURO STOXX als Kursindex ausgegeben. Damit enthält er beispielsweise keine Dividenden, anders als der DAX.

Seine Hochphase erlebte der Nikkei Ende der 1980er Jahre, als der Höchststand von fast 39.000 Punkten erreicht wurden. Kurz danach zeigte der langfristige Trend des Nikkei für knapp 20 Jahre nach unten. Erst seit 2010 steigt der Nikkei wieder langfristig an.

Die Rekorde des Nikkei sind wie folgt:

  • Höchststand im Handelsverlauf: 38.957,44 (29. Dezember 1989)
  • höchster Anstieg innerhalb eines Tages: +14,15% (14. Oktober 2008)
  • größte Verluste innerhalb eines Tages: -14,90% (20. Oktober 1987)

Japan ist eine der größten Wirtschaftsmächte der Erde. Japan gilt mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4,53 Mrd. Euro hinter den USA und China als die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Seit 2012 wächst die japanische Wirtschaft kontinuierlich. Einzige Ausnahme hierbei ist die Corona-Pandemie, die im Jahr 2020 weltweit für einen konjunkturellen Einbruch gesorgt hat.  Japanische Unternehmen sind vor allem für ihre fortschrittlichen Technologieprodukte bekannt. Unternehmensnamen wie Toyota, Honda, Nissan, Sony, Panasonic oder Fujitsu werden weltweit für ihre Innovationen in den Bereichen Automobilbau und bei Digital- und Medienprodukten geschätzt. Gleichzeitig sind japanische Konzerne ebenfalls wichtige Hersteller von Maschinen, Medizinprodukten, Computerspielen, Schiffe, Brennstoffzellen und vielen weiteren zukunftsorientierten Produkten. 

Dieser Artikel stellt Japan als moderne Wirtschaftsnation vor. Er geht auf die ökonomischen Kennzahlen und die hohe Staatsverschuldung Japans ein und erklärt, wie Japan nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer der führenden Wirtschaftsnationen aufsteigen konnte. Ebenso beleuchtet die Abhandlung, welche Wirtschaftszweige die japanische Volkswirtschaft stützen und welchen Stellenwert die Tokioter Börse und der Aktienindex Nikkei 225 im Kontext des globalen Aktienhandels hat. 

Japan als Wirtschaftsnation – ökonomische Kennzahlen und Ausblick 

Japan ist nachweislich eine der bedeutsamsten Ökonomien der Welt. Japanische Unternehmen zählen global zu den wichtigsten Handelspartnern und Innovationstreibern. Als signifikanteste Wirtschaftszweige gelten die Automobilindustrie, die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Chemieindustrie, die elektrische und elektronische Industrie, die Lebensmittelindustrie sowie die Gesundheitsindustrie. Der entscheidende Wirtschaftsfaktor Japans ist der Industriesektor, in dem ein Großteil der Arbeitnehmer in Japan beschäftigt ist. Japan gilt als industrialisierte, freie Marktwirtschaft. 

Betrachtet man die Wirtschaftskennzahlen Japans, kann man ablesen, warum Japan zu den fortschrittlichsten Industrieländern der Welt zählt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 4,53 Mrd. Euro belegt Japan weltweit den dritten Rang der Industrienationen. Durch die Corona-Pandemie sank in Japan im Jahr 2020, ähnlich wie in vielen vergleichbaren wirtschaftlich starken Ländern das BIP um knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2020 lag die Arbeitslosenquote vergleichsweise niedrig bei 2,79 Prozent. 

Ähnlich wie in Deutschland stellt die Überalterung der Bevölkerung und der daraus resultierende Fachkräftemangel die Renten- und Sozialsysteme und das gesellschaftliche Miteinander vor große Herausforderungen. Japan gilt als Land mit der ältesten Gesellschaft. Da jeder vierte Einwohner Japans 65 Jahre oder älter ist, steht Japan, ähnlich wie andere Industriestaaten bei den Themen Rente und demografischer Wandel vor einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Die Herausforderungen des menschengemachten Klimawandels treffen Japan als Wirtschaftsstandort ebenfalls umfassend. 

Staatsverschuldung in Japan deutlich höher als in Deutschland

In Bezug auf die Staatsverschuldung gehört Japan weltweit zu den Rekordhaltern. Die Schulden Japans sind aktuell doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt. Dies bedeutet, dass der japanische Staat im Vergleich zum BIP ähnlich hoch verschuldet ist wie Griechenland, dessen Wirtschaft vor einigen Jahren durch ein EU-Rettungsprogramm gestützt werden musste. Deutschlands Schuldenstand liegt aktuell circa bei 70 Prozent des BIP und damit deutlich unter den japanischen Kennzahlen. Gleichzeitig ist die japanische Wirtschaftskraft viel stärker als die Wirtschaft vergleichbar verschuldeter Länder. Insgesamt gilt die japanische Wirtschaft als hocheffizient und innovationsfreudig. 

Im Jahre 2020 ist die Staatsverschuldung Japans um mehr als 770 Milliarden Euro gestiegen, sodass jeder Japaner bei der Betrachtung der Pro-Kopf-Verschuldung statistisch gesehen einen Schuldenberg von 75.000 Euro vor sich herträgt. Als Hauptgrund für die drastische Verschuldung des japanischen Staates gelten Altlasten aus den letzten Jahrzehnten, die Überalterung der Gesellschaft und aktuell die Corona-Pandemie. Trotz der hohen Staatsverschuldung sind die japanischen Privathaushalte und vor allem die Mittelschicht reich und solvent. Beim sogenannten Median-Vermögen, bei dem das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung eines Landes ermittelt wird, liegt Japan unter den Top 10 der vermögendsten Nationen weltweit. 

Japans Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht – diese Eigenschaften waren entscheidend

Der Aufstieg Japans zur Weltwirtschaftsmacht war von Höhen und Tiefen geprägt. Er hängt untrennbar mit dem Yen, der japanischen Währung zusammen. Historisch wurde der Yen als Silber- und Goldwährung eingeführt und bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 in dieser Form gehandelt. Der Zweite Weltkrieg und die Kapitulation Japans nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki zwangen die japanische Wirtschaft in die Knie. Der Wert des Yen nahm drastisch ab und es dauerte bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts, bis die Siegermächte die japanische Währung erneut als Zahlungsmittel anerkannten. 

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg manifestierten sich gleichzeitig die typischen japanischen Tugenden. Japanische Unternehmen sind für ihren Entwicklungs- und Innovationsgeist berühmt und japanische Arbeiter überzeugen durch Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Loyalität und eine hohe intrinsische Motivation. Der bekannte Fahrzeugkonzern Toyota entwickelte auf Basis dieser Werte nach dem Zweiten Weltkrieg die berühmte KAIZEN™-Methode. Sie berührt auf dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung. Veränderung und Fortschritt sollten konstant „step by step“ erfolgen, um eine fortlaufend höhere Qualität und Professionalität sicherzustellen. 

1985 wurde das KAIZEN™-Prinzip als ein in der Unternehmenswelt vielfach beachtetes Erfolgsprinzip durch Masaaki Imai, einen japanischen Unternehmensberater und Organisationstheoretiker weltweit bekannt. Seitdem gelten kontinuierliche Verbesserungsprozesse global als wesentliche Management-Methode für langfristigen Erfolg. Toyota als japanisches Unternehmen beweist darüber hinaus seit vielen Jahren, dass ein Fokus auf die japanischen Werte zu mehr Effizienz und einer messbar höheren Qualität beitragen kann. 

Wendepunkte für die japanische Wirtschaft durch einen unterbewerteten Yen

Ab dem Jahr 1970 galt der japanische Yen für viele Jahre als stark unterbewertet. Für die Exportnation Japan brachte dieser Umstand viele Vorteile, da Elektronik und japanische Autos günstig ins Ausland exportiert werden konnten. Die Kehrseite der Medaille waren die exorbitant hohen Kosten für Importe, die die Privathaushalte belasteten. 

In den Folgejahren regulierte Japan seine Geldpolitik und senkte den Außenhandelsüberschuss fortlaufend. In den Jahren 1975 bis 1978 und ebenso 1985 bis 1989 nahm der Wert des Yen signifikant zu und beschleunige den Aufschwung Japans. Japan entwickelte sich mit Beginn der 1980er-Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten Wirtschaftsmächte. Die Digitalisierung und die Ausbreitung von Personal Computern, Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik waren für die japanische Wirtschaft ein Konjunktur-Booster.

Aktiencrash im Jahre 1990 und seine Folgen für die Staatsverschuldung

Infolge geringer Steuereinnahmen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen brach trotz guter konjunktureller Entwicklungen im Jahr 1990 der Aktienmarkt in Japan zusammen. Der japanische Leitindex Nikkei verlor innerhalb eines Jahres über 40 Prozent seines Wertes. Dies brachte die Bank of Japan und viele nationale Unternehmen auf einen Schlingerkurs. Um die Arbeitslosigkeit von Millionen von Menschen zu vermeiden, stützte die japanische Regierung Unternehmen und Banken oder verstaatlichte sie. Gleichzeitig wurden Steuern und Abgaben nicht erhöht. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass größere Staatsschulden aufgenommen werden mussten, um marode Unternehmen zu stützen oder fiskalische Konjunkturinitiativen zu implementieren.

In den letzten Jahren und vor allem nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima entschloss sich die japanische Regierung unter dem Ministerpräsidenten Shinzo Abe die Stützung der Wirtschaft zu forcieren. Ein umfassender Kauf von Staatsanleihen hatte lang anhaltende Proteste anderer Industrienationen zur Folge, die durch die zielgerichtete Abwertung des Yen negative Effekte auf die Weltwirtschaft befürchteten. 

Der Börsenplatz Tokio und seine Relevanz für den Aktienhandel

Anleger von Wertpapieren interessieren sich aus guten Gründen für den Börsenplatz Tokio. Erst seit knapp 40 Jahren sind ausländische Händler und Investoren auf japanischen Börsenplätzen zugelassen. Die Tokioter Börse ist der drittgrößte Börsenplatz der Welt und die größte Börse in Japan und Ostasien. Sie wurde 1878 gegründet und wuchs durch mehrere Fusionen zum drittgrößten Börsenplatz der Welt. 

Im Jahr 2001 fusionierten die Tokyo Stock Exchange und die Osaka Stock Exchange zur Japan Stock Exchange. Der Japan Stock Exchange ist hinter der NYSE Euronext und der NASDAQ der drittgrößte Handelsplatz für Wertpapiere. 

Der Nikkei 225 ist der japanische Leitindex. Er gründet sich auf die Kursentwicklung aller 225 an der Tokioter Börse gehandelten Aktiengesellschaften. Die japanische Börse öffnet aufgrund der weltweiten Zeitunterschiede täglich um 2.00 Uhr MEZ und schließt um 8.00 MEZ. Betrachtet man den Kursverlauf des Nikkei 225 in den letzten Jahren, ist auffällig, dass dieser kontinuierlich eine positive Entwicklung verzeichnen konnte. Lag der Kurs am 02.01.2013 bei 10.676,29 Punkten, misst der Nikkei Ende 2021 mehr als 30.000 Punkte. Größere Abschwünge waren in den Jahren 2016 und im Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie zu verzeichnen. 

Beim Kursverlauf der letzten 20 Jahre ist eindeutig erkennbar, welche tiefgreifenden Auswirkungen die Finanz- und Bankenkrise ab 2008 auf den Nikkei hatte. Nachdem der Nikkei 2007 auf einem Kurs von über 18.000 Punkten dotierte, fiel sein Kurs Mitte 2008 auf 7.358 Punkte. Erst ab 2014 konnte sich der Nikkei, ähnlich wie andere Leitindizes von diesem tiefgreifenden Einschnitt erholen und in eine Erholungsphase einschwenken. 

Wesentliche Wirtschaftssektoren und bekannte japanische Unternehmen

Die meisten Menschen auf dieser Erde besitzen entweder direkt oder indirekt Produkte japanischer Unternehmen. Zum einen sind Unternehmen wie Toyota, Honda, Sony oder Panasonic bekannt für innovative Fahrzeuge oder Elektronikprodukte. Gleichzeitig werden Elektronikbauteile und Kondensatoren japanischer Firmen wie Nippon Chemi-con, Kemet oder Taiyo Yuden weltweit in der Elektronikindustrie und in den Bereichen Automotive, Medizintechnik oder in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt. 

Im Fortune Global 500, der die 500 weltweit erfolgreichsten Unternehmen auflistet, ist Toyota Motor auf dem neunten Platz vertreten. Die ebenfalls bekannten Konzerne Honda (Platz 48), Mitsubishi (Platz 51) oder Nippon Telegraph and Telephone als nationales Telekommunikationsunternehmen (Platz 55) gelten ebenso als erfolgreiche und global agierende Schwergewichte. 

Wichtige Aktien am Handelsplatz Tokio

NameISIN
Bridgestone (Reifenhersteller)JP3830800003
Canon (Technologiekonzern)JP3242800005
Casio Computer (Technologiekonzern)JP3209000003
Chugai Pharmaceutical (Pharma)JP3519400000
Daiichi Sankyo (Pharma) JP3475350009
Hitachi (Technologiekonzern) JP3788600009
Konica Minolta (Technologiekonzern)JP3300600008
Mitsubishi (Mischkonzern)JP3898400001
Suzuki Motor (Fahrzeughersteller)JP3397200001
Toshiba (Technologiekonzern) JP3592200004
Toyota Motor (Fahrzeughersteller)JP3633400001

Diese und viele weitere weltweit bekannte Unternehmen werden am Handelsplatz Tokio im Nikkei 225 gehandelt. Anhand der unterschiedlichen Konzernnamen und Branchen ist die Diversifizierung der japanischen Wirtschaft und ihre Marktmacht auf weltweiten Handelsplätzen ablesbar. 

Japan – ein Land zwischen Staatsverschuldung, Innovation, Tradition und Moderne

Zusammenfassend kann Japan als moderne Wirtschaftsnation bezeichnet werden. Technologieprodukte aus Japan sind ebenso weltweit bekannt wie Fahrzeuge, Medikamente und Maschinen. Neben der hohen Staatsverschuldung steht Japan in den nächsten Jahren vor der Herausforderung, trotz einer überalterten Gesellschaft Innovationen umzusetzen und Japan klimaneutral zu machen. 

Der Börsenplatz Tokio gehört zu den wichtigsten Börsenplätzen der Welt. Gleiches gilt für den Leitindex Nikkei 225, mit dem die 225 bedeutsamsten japanischen Unternehmen an der Tokioter Börse gehandelt werden. Japan bleibt ein Land zwischen Tradition und Moderne und beeindruckt weltweit durch Offenheit, Freundlichkeit und einen Fokus auf Verlässlichkeit und Effizienz.