Fonds: Vorteile und Nachteile für Anleger

Es gehört zu den häufigen Empfehlungen der Bank- und Anlageberater, dass Kunden in Fonds investieren sollten. Aufgelegt werden Fonds von Kapitalanlagegesellschaften, häufig ebenfalls als Fondsgesellschaften bezeichnet. Diese sammeln vereinfacht dargestellt Geld von Anlegern ein und geben dementsprechend Fondsanteile aus, die einen Bruchteil des Fondsvermögens verbriefen.
9 min | Stand 02.08.2022
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Inhaltsverzeichnis

In unserem Beitrag erfahren Sie, worum es sich bei Fonds handelt. Ferner gehen wir auf die unterschiedlichen Arten von Fonds ein, erläutern den Unterschied zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds und erklären, wie Fondsanteile gehandelt werden können. Darüber hinaus informieren wir Sie über Kosten, Chancen, Risiken sowie die Vor- und Nachteile der Fonds.

Diese Arten von Fonds gibt es

An den Finanzmärkten existieren verschiedene Fonds. Davon ist für Anleger vor allem die Form der Investmentfonds interessant. Darunter fallen zahlreiche Variationen, wie zum Beispiel:

Was sind Fonds?

Die Grundlagen der Fonds sind Kapitalanlagegesellschaften, meistens auch als Fondsgesellschaften oder Investmentgesellschaften bezeichnet. Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit einer meistens vorhandenen Diversifikation in unterschiedliche Anlageprodukte zu investieren. Das dazu benötigte Geld wird von den Anlegern eingesammelt, die im Gegenzug Fondsanteile erhalten. Aus Sicht der Investoren sind Fonds daher Beteiligungen, in die Kapital fließt. Allerdings ist es wichtig, zwischen den unterschiedlichen Arten von Fonds zu differenzieren, die am Markt angeboten werden. Alleine bei den sogenannten offenen Fonds können Anleger heutzutage aus mehreren Tausend Angeboten wählen.

Zwei Hauptarten: Offene und geschlossene Fonds

Nahezu alle am Markt befindlichen Fonds lassen sich einer von zwei Hauptarten zuordnen, nämlich zum einen offene und zum anderen geschlossene Fonds. Wenn Ihnen als Anleger oder Sparer Ihr Bankberater einen Investmentfonds empfiehlt, wird es sich dabei mit größerer Wahrscheinlichkeit um einen offenen Fonds handeln. Die Bezeichnung „offen“ kommt deshalb zustande, weil die Fondsgesellschaft fortlaufend Anteile ausgibt und Sie daher im Prinzip dementsprechend jederzeit die Möglichkeit haben, Fondsanteile zu erwerben. Im Gegensatz dazu stehen die geschlossenen Fonds, auf die wir noch näher eingehen werden. 

Offene Fonds werden auch Publikumsfonds genannt

Bleiben wir jedoch zunächst bei den offenen Fonds. Die offenen Investmentfonds werden häufig auch als Publikumsfonds bezeichnet. Damit ist gemeint, dass sie einer breiten Masse an Anlegern und auch Sparern zugänglich sind, die jederzeit die Möglichkeit haben, in offene Fonds zu investieren. Es gibt mehrere Arten solcher Publikumsfonds, die danach unterschieden werden, in welche Anlageformen und Finanzprodukte die jeweilige Fondsgesellschaft das Geld der Anleger investiert. In erster Linie wird daher zwischen den folgenden Varianten der offenen Fonds differenziert:

  • Geldmarktfonds
  • Rentenfonds
  • Offene Immobilienfonds
  • Aktienfonds
  • Mischfonds

Am jeweiligen Namen des Fonds ist bereits zu erkennen, in welche Produkte die Fondsmanager das Geld der Anleger investieren. So zeichnen sich beispielsweise Rentenfonds dadurch aus, dass die Fondsgesellschaft vom Kapital der Investoren Anleihen, also unterschiedliche Rentenpapiere, erwirbt. Demgegenüber legen Aktienfonds das Kapital der Investoren in Aktien an. Als Mischfonds oder auch gemischte Fonds werden solche Fonds bezeichnet, die meistens sowohl in Renten als auch in Aktien investieren dürfen.

Alle Publikumsfonds haben gemeinsam, dass Anleger oft nur einen relativ geringen Mindestanlagebetrag aufbringen müssen. In der Regel können Sie Fondsanteile schon ab 50 Euro erwerben, sodass offene Fonds bestens zum Vermögensaufbau und zum regelmäßigen Sparen geeignet sind. Dazu können Sie beispielsweise bei vielen Banken und Brokern einen Fondssparplan einrichten, im Rahmen dessen dann automatisch zum Beispiel Monat für Monat Fondsanteile erworben werden.

Nicht zu verwechseln sind offene mit geschlossenen Fonds. Im Grunde handelt es sich dabei um eine gänzlich andere Anlageform, auch wenn es manche Gemeinsamkeiten zwischen offenen und geschlossenen Fonds gibt. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass bei geschlossenen Fonds nur eine begrenzte Zeit die Möglichkeit für Anleger besteht, die Fondsanteile zu erwerben. Daher stammt auch der Name „geschlossen“, weil eben die sogenannte Zeichnungsphase in der Regel nach einigen Monaten endet und ab dann keine Anteile mehr an Markt gekauft werden können, außer eventuell am sogenannten Zweitmarkt. 

Geschlossene Fonds: Deutlich höheres Risiko und anderen Konditionen

Eine weitere Eigenschaft der geschlossenen Fonds besteht darin, dass die Mindesteinlage wesentlich höher als bei offenen Fonds ist. Für gewöhnlich müssen Anleger zwischen mindestens 10.000 und 20.000 Euro investieren, wenn sie sich an einem geschlossenen Fonds beteiligen möchten. Hinzu kommt eine längere Kapitalbindung, die sich in der Regel auf mindestens vier Jahre beläuft. Bei offenen Fonds hingegen können Sie – mit Ausnahme der offenen Immobilienfonds – die Anteile jederzeit an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Dies ist bei geschlossenen Fonds nicht möglich, es sei denn, Sie können Ihre Fondsanteile an Zweitmarkt an andere Anleger oder sonstige Käufer veräußern. 

Es zählt ebenfalls zu den markanten Merkmalen der geschlossenen Fonds, dass diese – wiederum im Vergleich zu offenen Fonds – deutlich risikoreicher sind. Der Grund ist in erster Linie, dass es bei geschlossenen Fonds meistens keine Diversifikation gibt. Am besten lässt sich das anhand des Beispiels eines offenen Immobilienfonds auf der einen und eines geschlossenen Immobilienfonds auf der anderen Seite erläutern. Während der geschlossene Immobilienfonds meistens nur in ein Immobilienprojekt investiert, beispielsweise in den Bau eines Kaufhauses, fließen die Gelder bei offenen Immobilienfonds normalerweise in den Erwerb einer Reihe unterschiedlicher Immobilien. 

Bei geschlossenen Fonds fließt das Kapital der Anleger somit in aller Regel in lediglich ein Projekt, was zu einem relativ hohen Risiko führt. Auf der anderen Seite können Anleger bei geschlossenen Fonds allerdings oft mit einer durchschnittlich höheren Rendite als bei offenen Fonds kalkulieren. Wie bei den offenen Fonds, so gibt es auch bei geschlossenen Fonds mehrere Fondsarten, insbesondere:

  • Schiffsfonds
  • Containerfonds
  • Flugzeugfonds
  • Medienfonds
  • Energiefonds
  • Private Equity Fonds
  • Waldfonds
  • Rohstofffonds

Zu den Energiefonds zählen beispielsweise Solarfonds, Windkraftfonds oder auch Bioenergiefonds. Im Zentrum der Geschäftstätigkeit steht bei Solarfonds zum Beispiel die Errichtung eines Solarparks, sodass die Fondsgesellschaft zur Realisierung dieses Projekts Anteile ausgibt, die für Anleger eine Beteiligung darstellen.

Was sind aktiv und passiv gemanagte Fonds?

Die am Markt präsenten Fonds lassen sich nicht nur in die zwei Kategorien offene und geschlossene Fonds unterteilen. Eine weitere Unterscheidung kann danach gemacht werden, ob es sich um sogenannte aktiv oder passiv gemanagte Fonds handelt. Was bedeutet das? Sowohl die zuvor beschriebenen offenen als auch die geschlossenen Fonds fallen in die Gruppe der aktiv gemanagten Fonds. Aktives Management wiederum bedeutet, dass ein Fondsmanager dafür zuständig ist, die Anlageformen, Projekte und Finanzprodukte auszuwählen, in welche die Fondsgesellschaft entsprechend investiert. 

Bei einem Aktienfonds haben die Fondsmanager dementsprechend die Aufgabe, möglichst aussichtsreiche Aktienwerte auszuwählen, die dann ins Fondsportfolio aufgenommen werden. Ähnlich gestaltet sich die Aufgabe des Fondsmanagers auch bei geschlossenen Fonds, sodass beispielsweise beim Schiffsfonds der Fondsmanager entscheidet, welches Schiff gebaut oder betrieben werden soll. Aktiv gemanagte Fonds stehen sogenannte Passivfonds entgegen, die häufig auch als Indexfonds bezeichnet werden und vielen Anlegern und Sparern sogar noch häufiger unter dem Namen ETFs bekannt sind.

Exchange Traded Funds (ETFs) bilden festgelegten Index nach

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Funds und bedeutet, dass diese Fonds mit ihren Anteilen an der Börse gehandelt werden können. Die wesentliche Eigenschaft der Passivfonds besteht allerdings darin, dass der Fondsmanager lediglich die Aufgabe hat, einen festgelegten Index nachzubilden. Deshalb wird auch von einem passiven Management gesprochen, da der Fondsmanager eben nicht nach eigenem Ermessen zum Beispiel aussichtsreiche Aktien auswählen muss. Stattdessen hat er lediglich die Aufgabe, zum Beispiel bei einem DAX-ETF sämtliche Aktienwerte im gleichen Verhältnis für das Fondsportfolio zu kaufen, die im Deutschen Aktienindex notiert werden und darin enthalten sind. Von aktiv gemanagten Fonds unterscheiden sich ETFs ferner dadurch, dass die Anteile der Indexfonds an der Börse gehandelt werden können. 

Wie und wo können Fonds gehandelt werden?

In welcher Form Anleger Fondsanteile handeln können, hängt davon ab, ob es sich um offene, geschlossene, aktiv oder passiv gemanagte Fonds handelt. In der Übersicht können Sie dementsprechend die folgenden Fondsarten an den jeweiligen Orten handeln:

  • Offene Fonds: Kauf und Verkauf bei der Fondsgesellschaft
  • Geschlossene Fonds: Zeichnung bei der Gesellschaft und Rückgabe nach Ablauf der Bindungsfrist oder Verkauf am Zweitmarkt
  • ETFs (passiv gemanagte Fonds): Kauf und Verkauf an der Börse oder außerbörslich

Während Sie also aktiv gemanagte, offenen Fonds ausschließlich bei der jeweiligen Fondsgesellschaft kaufen und verkaufen können, haben Sie bei ETFs die Möglichkeit, die Anteile an der Börse zu handeln. Alternativ kann der Handel auch im außerbörslichen Bereich stattfinden, was auch als OTC-Handel bezeichnet wird. Anteile an geschlossenen Fonds müssen Sie ebenfalls bei der Gesellschaft selbst erwerben, was lediglich über einen kürzeren Zeitraum hinweg möglich ist. Der Verkauf erfolgt dann nach Ablauf der Bindungsfrist entweder ebenfalls an die Gesellschaft oder findet am sogenannten Zweitmarkt statt.

Welche Kosten verursacht das Investment in Fonds?

Bei den Kosten ist ebenfalls zu differenzieren, in welche Art von Fonds Sie investieren möchten. Am einfachsten ist es meistens bei ETFs, denn dort gibt es in der Regel mit den Fondskosten lediglich eine Position. Immer häufiger favorisieren Anleger und Sparer ETFs gegenüber offenen Fonds, weil die Gesamtkostenquote bei den Indexfonds im Durchschnitt (deutlich) niedriger ist. Für gewöhnlich belaufen sich die Kosten bei ETFs auf durchschnittlich 0,4 bis 0,7 Prozent des Gegenwertes. 

Welche Kosten bei geschlossenen Fonds anfallen, ist sehr individuell und lässt sich daher nicht pauschalieren. Manchmal müssen Anleger sogar keine Gebühren zahlen, manchmal fällt aber auch eine Managementgebühr an oder eine Art Vertriebsprovision. Bei offenen Fonds setzen sich die Kosten in der Regel aus mehreren Gebührenarten zusammen, wie zum Beispiel:

  • Ausgabeaufschlag
  • Managementgebühren
  • Verwaltungsgebühren
  • Vertriebsgebühren
  • Performance-Fee

Darüber hinaus müssen Sie sowohl bei ETFs als auch bei offenen Fonds noch die Depotgebühren und Ordergebühren hinzurechnen, da Sie Ihrer Bank oder Ihrem Broker einen Auftrag zum Handel erteilen. Die Gesamtkostenquote kann bei offenen Fonds durchaus im Bereich zwischen 1,5 und 2,5 Prozent im Jahr liegen.

Was sind die Chancen und Risiken bei Fonds?

Die Chance auf eine gute Rendite hängt bei Fonds von mehreren Faktoren ab, unter anderem auch wiederum davon, für welche Art von Fonds Sie sich entscheiden. Tendenziell sind die erzielbaren Renditen durch positive Wertentwicklung zum Beispiel bei Aktienfonds höher als bei Rentenfonds, bei Rentenfonds wiederum höher als bei Geldmarktfonds und offene Immobilienfonds liegen in etwa in der Mitte, was die durchschnittlichen Renditen angeht. Überdurchschnittliche Erträge können Anleger vor allem bei geschlossenen Fonds erzielen. Dort ist es nicht ungewöhnlich, dass eine jährliche Rendite zwischen sechs und zehn Prozent zu erzielen ist. Dafür gehen Sie allerdings – wie zuvor angesprochen – beim Investment in geschlossene Fonds sogar ein Totalverlustrisiko ein. ETFs haben in etwa die gleiche Durchschnittsrendite wie Aktienfonds, können aber manchmal sogar aufgrund der geringeren Kosten mit einer besseren Gesamtrendite aufwarten. 

Den Chancen stehen bei allen Fondsarten die Risiken gegenüber. Das höchste Risiko weisen definitiv geschlossene Fonds auf. Sollte das Projekt scheitern und die Fondsgesellschaft Insolvenz anmelden müssen, können Anleger ihr gesamtes, investiertes Kapitals verlieren. Bei offenen Fonds ist das zwar theoretisch auch möglich, allerdings in der Praxis äußerst unwahrscheinlich. Das ist vor allem damit begründet, dass die Fondsanteile als Sondervermögen verwahrt werden und nicht in die Insolvenzmasse fallen würden. Ähnlich sieht es bei passiv gemanagten Fonds aus, also den ETFs. Hier ist lediglich zu unterscheiden, ob es sich um physisch replizierende oder synthetische ETFs handelt. Bei physisch replizierenden ETFs hat die Gesellschaft tatsächlich die entsprechenden Finanzprodukte im Portfolio, wie zum Beispiel Aktien. Bei synthetischen ETFs hingegen wurde der Bestand faktisch simuliert, indem zum Beispiel Swaps oder andere Derivate gekauft wurden.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Anlage in Fonds?

Auch bei der Beurteilung der Vor- und Nachteile der Anlage in Fonds ist es wichtig, zwischen der Art der Fonds zu differenzieren. Aus dem Grund führen wir im Folgenden die wichtigsten Vor- und Nachteile auf, geben allerdings zudem an, auf welche Fondsarten sich die jeweiligen Vorzüge und Nachteile beziehen. Als Vorteile des Investments in Fonds sind insbesondere die folgenden zu nennen:

VorteileNachteile
Geringe Mindesteinlage: Offene Fonds und ETFsHöhere Mindesteinlage von mindestens 10.000 Euro: Geschlossene Fonds
Zum regelmäßigen Vermögensaufbau geeignet (Sparplan): Offene Fonds und ETFsRückgabe der Fondsanteile erst nach einigen Jahre: Geschlossene Fonds und offene Immobilienfonds nach zwei Jahren
Breite Diversifikation und damit Risikostreuung: Offene Fonds und ETFsFondsanteile nicht an der Börse handelbar: Offene und geschlossene Fonds
Fondsmanager kümmert sich um die Anlage: Alle FondsartenKein Vermögensaufbau mittels Sparplan möglich: Geschlossene Fonds
Überdurchschnittliche Renditen möglich: Insbesondere geschlossene FondsHohes Risiko bis hin zum Totalverlust: Vor allem geschlossene Fonds
Investment in einzelne und oft sehr interessante Projekte: Geschlossene Fonds

Fazit zur Anlage in Fonds

Fonds stellen für zahlreiche Anleger eine sehr gute Investitionsmöglichkeit dar, da es ganz unterschiedliche Fondsarten mit verschiedenen Schwerpunkten gibt. So können sich beispielsweise Sparer für offene Fonds oder ETFs entscheiden und so unter anderem den Aufbau einer privaten Altersvorsorge oder den allgemeinen Vermögensaufbau durchführen. Ebenso gibt es Fondsvarianten für chancenorientierte Anleger, die auf Kosten eines höheren Risikos eine überdurchschnittliche Rendite erzielen möchten, insbesondere die geschlossenen Fonds. Letztendlich müssen Anleger je nach Typ und Zielen den geeigneten Fonds aus einem großen Angebot finden.