Zertifikate

Zertifikate sind Schuldverschreibungen - Was es damit auf sich hat und weitere nützliche Infos finden Sie in unserer Ratgeber Rubrik: Zertifikate ✔ jetzt lesen!
9 min | Stand 23.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Schuldverschreibungen verstehen und handeln

Börsennotierte Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, mit denen Investoren auf die Entwicklung eines bestimmten Basiswert setzen können.

Wenn ein Anleger diese kauft, leiht er dem Herausgeber der Schulverschreibung Geld. Dabei können die Schuldverschreibungen von Banken als Emittenten herausgegeben werden. Jedes börsennotierte Zertifikat erhält eine individuelle Wertpapierkennnummer (WKN bzw. ISIN).

Die Kursentwicklung von Zertifikaten ist an einen Basiswert gebunden. Dieser kann sich auf unterschiedliche Grundlagen beziehen, etwa

  • eine bestimme Unternehmens-Aktie
  • ein bestimmter Indizes (z.B. DAX)
  • ein bestimmter Währungskurs (z.B. Wechselkurs EUR – US-Dollar)
  • ein bestimmter Rohstoff (z.B. Gold, Öl, Zucker)

Zertifikate – Schuldverschreibungen mit hohen Renditechancen und gleichzeitigem Emittentenrisiko

An den Börsenplätzen dieser Welt werden unterschiedliche Arten von Wertpapieren gehandelt. Neben der klassischen Anlage in Aktien, Immobilien oder in Bargeld kann an einer Wertpapierbörse ebenfalls mit Zertifikaten gehandelt werden. Als Zertifikat wird ein spezifisches Wertpapier bezeichnet, bei dem die Kursentwicklung an einen Basiswert geknüpft ist. Das Zertifikat bezieht sich in der Folge auf den Basiswert. Zum Beispiel kann unter der Wertpapierkennzahl HVB5Q8 eine Aktienanleihe auf den Daimler-Konzern gehandelt werden. Sie ist direkt mit der Aktie der Daimler AG verknüpft.

Aus rechtlicher Sicht gelten Zertifikate als Inhaberschuldverschreibungen. Unter einer Inhaberschuldverschreibung versteht man ein Wertpapier oder eine Urkunde, die das Recht seines Besitzers gegenüber einem Schuldner verbrieft oder bestätigt. Die Urkunde wird nicht namentlich ausgestellt, sodass ein Weiterverkauf des Wertpapiers zu jeder Zeit möglich ist. Dies macht Zertifikate als Schuldverschreibungen börsengängig. Ein schneller und effektiver Handel und ein einfacher Ein- und Verkauf von Zertifikaten ist möglich. Der Herausgeber des Zertifikats fungiert als Schuldner oder Emittent. Typische Herausgeber von Zertifikaten sind Unternehmen, Nationalstaaten, die Staatsanleihen offerieren oder Kreditinstitute und Investmentbanken.

Mit dem Kauf des Zertifikats räumt der Käufer dem Emittenten aus praktischer Sicht einen Kredit ein. Hierfür erhält der Anleger Zinsen. Ein Zertifikat als Inhaberschuldverschreibung beinhaltet aus Anlegersicht Chancen und Risiken. Zu den wichtigsten Mehrwerten gehört die Chance, mit Zertifikaten eine hohe Rendite zu erzielen, die mit einer klassischen Geldanlage vor allem in Niedrigzinsphasen nicht möglich sind. Zu den nennenswerten Risiken zählt die Tatsache, dass Zertifikate einem sogenannten Emittentenrisiko unterliegen. Zertifikate sind nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt und gelten nicht als Sondervermögen. Dieses höhere Risiko bei einem Konkurs des Emittenten sollte vor dem Kauf von Zertifikaten eingepreist werden.

Statistisch gesehen hat sich der Zertifikate-Handel in Deutschland in den letzten Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau etabliert und liegt zwischen 67 Milliarden Euro bis 73,5 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland.

Dieser Artikel erklärt unter anderem, welche Arten von Zertifikaten unterschieden werden müssen und für welche Anleger sich Zertifikate eignen. Die Abhandlung zeigt darüber hinaus an einem Beispiel, was das Emittentenrisiko in der Praxis bedeutet, wo Zertifikate gehandelt werden und welche Kosten im Zertifikate-Handel anfallen. Welche Vorteile und Risiken mit dem Handel mit Zertifikaten verbunden sind, erfahren Sie ebenfalls.  

Diese Arten von Zertifikaten müssen unterschieden werden

Zertifikate sind spezielle Wertpapiere. Ihr Preis hängt von der Entwicklung ihres Basiswertes ab. Selbst wenn das Marktvolumen von Zertifikaten in den letzten Jahren relativ gleichbleibend ist, hat sich der Zertifikate-Markt fortlaufend diversifiziert. Grundsätzlich ist es möglich, mit Zertifikaten auf nahezu jeden Basiswert zu setzen. Für die Anlagepraxis bedeutet dies, dass aktuell knapp 330.000 Zertifikate gehandelt werden können (Stand 10.2021). Typische Basiswerte sind bekannte deutsche Unternehmen wie die Daimler AG, die Deutsche Telekom AG, BMW oder SAP SE, internationale Konzerne oder Aktienindizes wie NASDAQ 100, DAX Kursindex, DAX Performance oder Dow Jones Industrial Average Excess Return.

Durch das umfangreiche Angebot sind die Struktur, Namen und Bezeichnungen der verschiedenen Zertifikate für Anleger teilweise verwirrend. Grundsätzlich unterscheidet man die folgenden Zertifikate-Arten:

Bonus-ZertifikatBonuszertifikate haben eine feste Laufzeit. Anleger partizipieren von Bonus-Zertifikaten, da sie unbegrenzt von der Kursentwicklung des Basiswertes über den Bonuslevel hinaus profitieren können. Bei einem Bonus-Zertifikat kann ebenfalls eine Rendite erzielt werden, wenn der sich der Basiswert negativ oder seitwärts bewegt.
Discount-ZertifikatVor allem langfristig denkende Anleger profitieren von Bonus-Zertifikaten. Dies ist der Fall, da die Länge der Laufzeit über den sogenannten Discount oder Rabatt des Zertifikats entscheidet. Darüber hinaus gibt der Cap-Wert des Discount-Zertifikats an, welcher Maximalbetrag am Ende der Laufzeit als Rückzahlung garantiert wird. Ansonsten bezieht sich ein Discount-Zertifikat ebenfalls auf einen Basiswert und auf seine Kursentwicklung. Discount-Zertifikate eignen sich vor allem für traditionell eingestellte Anleger, die langfristige Zertifikate zeichnen möchten.
Hebel-ZertifikatAnleger, die das Emittentenrisiko nicht scheuen, können mit Hebel-Zertifikaten hohe Renditen erzielen. Auf der anderen Seite droht bei dieser Zertifikatart ebenfalls ein Totalverlust. Der Hebel, auf den sich dieser Zertifikattyp bezieht, bezeichnet einen Multiplikator. Verändert sich beispielsweise bei einem Hebel von 10 der Basiswert um 3,1 Prozent, steigt das Hebel-Zertifikat um satte 31 Prozent. Sinkt der Kurs des Basiswertes im Umkehrschluss bei einem Hebel von 10 signifikant, kann dies zu massiven Verlusten bis hin zum Totalverlust führen.
Garantie-ZertifikatFür den Einstieg in den Zertifikate-Handel eignen sich sogenannte Garantie-Zertifikate. Mit ihnen erhalten Anleger die verbriefte Sicherheit, dass am Ende der Laufzeit im Mindestfall das eingesetzte Kapital erhalten bleibt. Die Renditechancen bei Garantie-Zertifikaten sind im Vergleich zu anderen Zertifikate-Arten wenig lukrativ.
Express-ZertifikatMit einem Express-Zertifikat erhalten Anleger die Option einer vorzeitigen Rückzahlung vor Laufzeitende. Basiswert ist entweder ein Aktienindize oder ein definierter Aktienkorb. Emittenten geben mit der Ausgabe des Zertifikats einen Bonus an, der zur Auszahlung kommt, wenn der aktuelle Wert höher ist als der Basiswert. Ist bei Fälligkeit der Kurswert niedriger als bei der Ausgabe, wird der Basisbetrag trotz Verlust ausbezahlt.
Basket-ZertifikatWie der Zertifikatsname andeutet, erwerben Anleger mit einem Basket-Zertifikat ein Konvolut einzelner Basiswerte, die in einem Korb (Basket) zusammengefasst werden. Typische Basiswerte könnten zum Beispiel mehrere Tech-Aktien, verschiedene Rohstoffe oder andere Anleihen sein. Ein Basket-Zertifikat wird durch den Emittenten, zum Beispiel durch eine Bank, laufzeitbezogen aufgebaut und verkauft. Grundsätzlich ist das Emittentenrisiko bei Basket-Zertifikaten geringer als bei anderen Zertifikatarten.
Index-ZertifikatMit Index-Zertifikaten setzen Anleger auf einen kompletten Börsenindex. Zum Beispiel könnte man auf den Dow Jones oder den Nikkei Index spekulieren und auf steigende Kurse setzen. Steigt der Dow Jones um 2 Prozent, gewinnt das Index-Zertifikat ebenfalls um 2 Prozent. Index-Zertifikate eignen sich für Anleger, die langfristig denken und denen eine Streuung und Diversifikation wichtig sind. In den meisten Fällen handelt es sich bei Index-Zertifikaten um Zertifikate ohne Laufzeiten. Sie können bei der Mitnahme von Kursgewinnen problemlos weiterverkauft oder langfristig gehalten werden.

Beschäftigt man sich mit den unterschiedlichen Zertifikate-Arten, ist auffällig, dass es für jeden Anlagetypen und jede Anlagestrategie erfolgversprechende Zertifikate gibt, die gezeichnet werden können. Abhängig von der persönlichen Erfahrung im Zertifikate-Handel, dem Fokus auf Diversifikation, Risikobegrenzung oder Rendite und basierend auf Laufzeit, den Emittenten und dem Emittentenrisiko können Anleger Zertifikate finden, die zur persönlichen Anlagestrategie passen.

Bei welcher Anlagestrategien Zertifikate zielführend sind

Die Vorteile vom Handel mit Zertifikaten liegen auf der Hand. Abhängig von der Risikostrategie sind beim Zertifikate-Handel hohe Renditen möglich. Dies trifft zum Beispiel auf Hebel-Zertifikate zu, bei denen Kurssprünge beim Basiswert bei entsprechendem Hebel Gewinne im zweistelligen Bereich versprechen. Darüber hinaus bieten verschiedene Zertifikattypen eine Risikobegrenzung an. Dies betrifft zum Beispiel für das Garantie-Zertifikat, bei dem in jedem Fall der Nennwert erhalten bleibt. Wie für die meisten anderen Wertpapiere gilt ebenso für Zertifikate, dass sie Werte nicht langfristig festschreiben, sondern Flexibilität möglich ist. Da Zertifikate börsentäglich gehandelt, verkauft oder gekauft werden können, bleibt die Liquidität erhalten.

Einbezogen werden müssen die sogenannte Geld-Brief-Spanne und die spezifische Handelsspanne der Zertifikate. Abhängig von der Entwicklung der Zertifikate und der Basiswerte können sich innerhalb weniger Tage signifikante Gewinne oder Verluste einstellen. Gleichzeitig werden bei vielen Zertifikaten beim Kauf oder Verkauf hohe Kosten fällig, die eine mögliche Rendite verkleinern können. Mit einbezogen werden sollte grundsätzlich das Emittentenrisiko. Da Zertifikate nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind, droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust.

Für Anleger, die regelmäßig in Wertpapiere investieren und um die Divergenz zwischen Chance und Risiko wissen, ist der Handel mit Zertifikaten grundsätzlich zielführend, wenn die gezeichneten Zertifikate zur individuellen Anlagestrategie passen. Entscheidend ist, dass Anleger die Funktionsweise von Zertifikaten verstehen und das Emittentenrisiko einschätzen können.

Was das Emittentenrisiko in der Praxis bedeutet

Der Konkurs der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hat die Finanzwelt erschüttert und für viele Anleger in aller Welt einen Totalverlust ihres investierten Geldes bedeutet. Darüber hinaus hatte die Lehman-Pleite Auswirkungen auf das globale Finanzsystem und zog eine Finanz- und Währungskrise nach sich.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.09.2018 berichtete, verloren 50.000 deutsche Anleger in der Folge der Lehmann-Pleite ihr Geld. Sie hatten in Lehmann-Zertifikate investiert. Als etablierte und für die amerikanische Wirtschaft wesentliche Investmentbank gingen Anleger davon aus, dass Lehman Brothers systemrelevant sei und bei Problemen vom Staat gestützt werden würde. Da dies nicht der Fall war, verloren 50.000 Investoren in Deutschland mehr als 1 Milliarde Euro. Als Inhaberschuldverschreibung war das Geld der Anleger nicht als Sondervermögen geschützt, sodass Investoren auf dem Klageweg im Höchstfall eine Teilentschädigung erhielten.

Am Beispiel Lehmann Brothers ist ablesbar, dass das Emittentenrisiko beim Kauf von Zertifikaten nicht unterschätzt werden darf. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich nicht von einer temporären Entwicklung oder einer möglichen Rendite locken zu lassen, sondern den Emittenten, sein Rating und das Risiko von Kursverlusten oder eines Totalverlusts grundsätzlich im Blick zu behalten.

Wo Zertifikate gehandelt werden und welche Kosten beim Trading anfallen

Zertifikate werden an den weltweit bekannten Börsenplätzen gehandelt. Zusätzlich zu den Chancen auf einen Kursgewinn oder zum Risiko eines Verlusts beim Handel mit Zertifikaten müssen die Kosten beim Zertifikate-Handel berücksichtigt werden.

Neben der üblichen Ordergebühr für den Erwerb von Wertpapieren wird bei Zertifikaten in den meisten Fällen ein Ausgabeaufschlag erhoben. Im Verkaufsprospekt des Zertifikats erfahren Sie, wie hoch der Ausgabeaufschlag ist. Zum Beispiel muss für das DekaBank Daimler Best Express-Zertifikat 05/2023 der Deka Bank ein Ausgabeaufschlag von 1 Prozent bezahlt werden. Bei einem Nennbetrag von 1.000 Euro pro Zertifikat müssen 10 Euro Ausgabeaufschlag kalkuliert werden.

Zu den üblicherweise versteckten Kosten können eine Managementgebühr bei Zertifikaten mit unbeschränkter Laufzeit und die fehlenden Dividendenzahlungen im Vergleich zu Aktien gehören. Rücknahmegebühren sollten ebenfalls vor dem Kauf von Zertifikaten kalkuliert werden, da Banken bis zu 2 Prozent und mehr verlangen, wenn das Zertifikat vor Ende der Laufzeit zurückgegeben wird.

Wie bei allen Wertpapieren darf ebenso bei Zertifikaten nicht ausschließlich die Kursentwicklung berücksichtigt werden. Professionelle Anleger kalkulieren vor dem Kauf von Zertifikaten die offenen und versteckten Kosten und nehmen sich Zeit, um die Details des Verkaufsprospekts zu verinnerlichen. Auf diese Weise wird einem Schnellschuss vorgebeugt, bei dem statt einer Rendite im Endeffekt ein schmerzhafter Verlust entsteht.

Zusammenfassung: Zertifikate als zielführende Anlagestrategie für professionelle Anleger

Zertifikate-Investments bieten erhebliche Anlagechancen in diversen Branchen, Regionen und unterschiedlichen Märkten. Grundsätzlich sind Zertifikate Wertpapiere, deren Preis von einem Basiswert abhängt. Aus diesem Grund werden sie ebenfalls als Derivate bezeichnet. Die Basis von Zertifikaten können zum Beispiel Aktien, Währungen, Rohstoffe oder Börsen-Indizes sein. Aus rechtlicher Sicht gelten Zertifikate als Schuldverschreibungen. Sie werden von Kreditinstituten, Staaten oder Unternehmen ausgegeben, die fachlich als Emittenten bezeichnet werden. Anleger profitieren von den steigenden Kursen, höheren Renditechancen als bei anderen Anlagearten und einer Verzinsung der Wertpapiere.

Gleichzeitig tragen Anleger das sogenannte Emittentenrisiko, da Zertifikate – anders als Aktien – nicht über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind und nicht als Sondervermögen gelten. Aus diesem Grund ist beim Kauf von Zertifikaten ein Totalverlust zu jeder Zeit möglich.

Der Zertifikate-Markt ist zusammenfassend ein lukrativer Markt, auf dem Hunderttausende von unterschiedlichen Zertifikaten gehandelt werden. Die verschiedenen Zertifikate-Arten sind auf verschiedene Anlage-Strategien abgestimmt – von Garantie-Rendite bis Renditemaximierung. Investoren, die sich grundsätzlich gut mit Wertpapieren auskennen, eine individuelle Anlagestrategie verfolgen, die Kosten für den Zertifikate-Handel einpreisen und die Risiken und Chancen von Zertifikaten einschätzen können, können mit Zertifikaten ansprechende Renditen und Gewinne erwirtschaften und mit dieser Art der Schuldverschreibung ihre persönliche Anlagestrategie diversifizieren und professionalisieren.