Zertifikate: Diese Arten sollten Anleger kennen

Zertifikate zählen zu den Finanzprodukten, die es schon seit Jahrzehnten am Markt gibt. Viele Anleger haben zum ersten Mal überhaupt etwas über Zertifikate erfahren, als die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers als Auslöser der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 insolvent wurde. Zahlreiche Kunden und Inhaber der Lehman-Zertifikate haben, auch in Deutschland, deshalb hohe Verluste erlitten. In welchem Umfang Zertifikate als Schuldverschreibungen jedoch welches Risiko aufweisen, hängt insbesondere von der genutzten Variante ab.
10 min | Stand 02.08.2022
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Nicolas Herrbach
Inhaltsverzeichnis

In unserem Beitrag gehen wir zunächst darauf ein, worum es sich bei Zertifikaten handelt. Ferner erläutern wir, wie und wo man die Schuldverschreibungen handeln kann, welche Zertifikatearten es gibt, was die Chancen und Risiken sind sowie auf die Vor- und Nachteile, die im Zusammenhang mit der Anlage in Zertifikate existieren.

Überblick: Schuldverschreibungen verstehen und handeln

Börsennotierte Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, mit denen Investoren auf die Entwicklung eines bestimmten Basiswert setzen können.

Die Kursentwicklung von Zertifikaten ist an einen Basiswert gebunden. Dieser kann sich auf unterschiedliche Grundlagen beziehen, etwa …

  • eine bestimme Unternehmens-Aktie
  • ein bestimmter Indizes (z.B. DAX)
  • ein bestimmter Währungskurs (z.B. Wechselkurs EUR – US-Dollar)
  • ein bestimmter Rohstoff (z.B. Gold, Öl, Zucker)

Was sind Zertifikate?

Bei Zertifikaten handelt es sich um Schuldverschreibungen, demzufolge um Wertpapiere. Das wesentliche Merkmal sämtlicher Zertifikate besteht darin, dass diese keinen Eigenwert besitzen, wie es zum Beispiel bei Aktien oder Anleihen der Fall ist. Stattdessen bezieht das einzelne Zertifikat seinen Wert daraus, dass es sich zu einem sogenannten Basiswert in einen Bezug setzt. Somit hängt auch die Preisentwicklung bei Zertifikaten ausschließlich davon ab, wie sich der Kurs oder Preis des Basiswertes entwickelt. Andere Bezeichnungen für den Basiswert sind auch Asset oder Underlying. In der Regel sind es die folgenden Basiswerte, auf die sich Zertifikate beziehen:

  • Aktien
  • Anleihen bzw. Zinsen
  • Aktienkörbe
  • Indizes
  • Währungen
  • Rohstoffe

In den meisten Fällen spiegelt das Zertifikat die Wert- oder Preisentwicklung des Basiswertes im Verhältnis 1:1 wider. Wichtig zu betonen ist, dass es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen handelt. Der Inhaber trägt demzufolge ein Emittentenrisiko. Sollte also der Herausgeber der Zertifikate insolvent werden, wie es vor knapp 25 Jahren bei der US-Investmentbank Lehman Brothers der Fall war, verlieren Anleger in aller Regel ihr gesamtes Kapital.

Wie und wo kann ich Zertifikate handeln?

Es gibt im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, wie und wo Sie Zertifikate handeln können, nämlich:

  • An der Börse
  • Im außerbörslichen Handel
  • Direkt über den Anbieter

Zahlreiche Zertifikate lassen sich wie beispielsweise Aktien oder Anleihen über die Börse kaufen und verkaufen. Dazu erteilen Sie Ihrer Bank oder Ihrem Broker einfach einen Wertpapierauftrag, in dem Sie das Zertifikat nennen und welche Anzahl Sie kaufen oder verkaufen möchten. Ganz ähnlich funktioniert es, wenn Sie Zertifikate außerbörslich erwerben möchten. Dann wird der Auftrag lediglich nicht an die Börse weitergeleitet, sondern Bank oder Broker suchen bei einem anderen Handelsteilnehmer den passenden Gegenpart, sodass Ihre Order ausgeführt wird.

Die dritte Möglichkeit besteht bei Zertifikaten darin, dass Sie die Derivate direkt beim jeweiligen Emittenten erwerben, also bei der ausgebenden Bank. Dies hat unter Umständen den Vorteil, dass keine Börsenplatzgebühren anfallen und die Ausführung des Auftrages für gewöhnlich schon vorab bestätigt wird. In allen Fällen müssen Sie also lediglich einen Auftrag erteilen, dass Sie Zertifikate kaufen oder verkaufen möchten. 

Welche Arten von Zertifikaten existieren am Markt?

Zertifikate sind alles andere als einfache Finanzprodukte. Das liegt zum einen daran, dass die Höhe des Risikos oft nicht unbedingt auf den ersten Blick für Laien zu erkennen ist. Zum anderen können sich die unterschiedlichen Zertifikate-Arten am Markt in ihrer Struktur und von den Bedingungen her deutlich voneinander unterscheiden. Daher ist es vor einem Investment in die Schuldverschreibungen wichtig, die Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten zu kennen. Aus diesem Grund möchten wir im Folgenden die wichtigsten Zertifikate-Arten mit ihren Eigenschaften etwas näher erläutern, nämlich:

  • Indexzertifikate
  • Garantiezertifikate
  • Bonuszertifikate
  • Basketzertifikate
  • Discountzertifikate
  • Knock-out-Zertifikate
  • Airbagzertifikate

Indexzertifikate

Zu den bekanntesten Zertifikaten, die zugleich mit die einfachsten Varianten sind, zählen sogenannte Indexzertifikate. Diese beziehen sich auf einen bestimmten Index, meistens auf einen Aktienindex wie den DAX oder den Dow Jones. In der Regel haben Indexzertifikate keine begrenzte Laufzeit, sodass sie in die Kategorie der sogenannten Open-End-Zertifikate fallen. Mit einem solchen Indexzertifikat spekulieren Sie darauf, dass der Index als Basiswert steigt. In der Regel spiegelt das Zertifikat die Preissteigerungen beim Index im Verhältnis 1:1 wider.

Garantiezertifikate

Es gibt eine Reihe von Anlegern, die bewusst sogenannte Garantiezertifikate kaufen. Die Besonderheit lässt sich an der Bezeichnung bereits erkennen. Es handelt sich bei Garantiezertifikaten um Schuldverschreibungen, die eine Kapitalabsicherung beinhalten. Das bedeutet, dass zum Beispiel zwischen 80 bis 100 Prozent des angelegten Geldes garantiert vor Verlusten geschützt sind, selbst wenn der zu Grunde liegende Basiswert eigentlich deutlich im Minus liegt. Was auf den ersten Blick sehr positiv klingt und durchaus seine Vorteile hat, hat allerdings auf der anderen Seite auch einen Nachteil. 

Die Garantie führt bei den entsprechenden Zertifikaten dazu, dass auf der einen Seite die erzielbaren Gewinne begrenzt sind. Man spricht in dem Zusammenhang auch von einem sogenannten Cap. Was bedeutet das? Nehmen wir einmal an, dass der Kurs des Basiswertes, der dem Garantiezertifikat zugrunde liegt, innerhalb von zwei Jahren um 35 Prozent gestiegen ist. Das Garantiezertifikat hat allerdings einen Cap in Höhe von 15 Prozent. Das bedeutet, dass der Inhaber lediglich bis zu 15 Prozent an der Wertsteigerung beteiligt wird. Bei einem Garantiezertifikat entscheiden Sie sich also auf der einen Seite für eine deutliche Risikoreduzierung, auf der anderen Seite allerdings ebenfalls für einen begrenzten Gewinn.

Zudem müssen Sie wissen, dass sich die Garantie nur auf eventuelle Kursverluste beim Basiswert bezieht und nicht auf das Emittentenrisiko. Sollte also der Emittent des Zertifikates insolvent werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie auch bei einem Garantiezertifikat Ihr investiertes Kapital verlieren.

Bonuszertifikat

Ebenfalls zu den recht häufig am Markt anzutreffenden Zertifikatearten zählen die Bonuszertifikate. Im Gegensatz zu Indexzertifikaten zeichnen sich diese zunächst durch eine begrenzte Laufzeit aus. Die zwei bekannten Eigenschaften der Bonuszertifikate sind zum einen der sogenannte Sicherheitslevel (Barriere) sowie auf der anderen Seite der Bonus-Level. Vereinfacht dargestellt funktionieren Bonuszertifikate so, dass die Inhaber unter der Voraussetzung einen Bonus erhalten, dass der zu Grunde liegende Basiswert während der gesamten Laufzeit des Zertifikates nicht in dem Maße fällt, dass die Barriere erreicht wird. 

Im Gegensatz zu Garantiezertifikaten nehmen Anleger somit in vollem Umfang an den Kursgewinnen teil. Anders stellt sich die Situation allerdings dar, sollte der Kurs des Basiswertes auch nur einmal während der Laufzeit des Zertifikates den Sicherheitslevel berühren oder sogar unterschreiten. In dem Fall gibt es keine Kapitalgarantie mehr, sondern stattdessen ist die Rückzahlung des Zertifikates 1:1 an den Kurs des Basiswertes zum Fälligkeitszeitpunkt gebunden.

Basketzertifikate

Basketzertifikate haben eine ähnliche Konstruktion wie Indexzertifikate. Sie beziehen sich allerdings nicht konkret auf einen bestimmten Aktienindex, wie zum Beispiel den DAX. Stattdessen liegt den Zertifikaten ein sogenannter Basket (Korb) zu Grunde, also zum Beispiel ein Aktienkorb. Dieser besteht aus ausgewählten Wertpapieren, die individuell zusammengesetzt sind. Darüber hinaus richtet sich der Preis für das Basketzertifikat wie beim Indexzertifikat danach aus, wie sich die Kurse der im Korb befindlichen Aktien entwickeln.

Discountzertifikate

Mittlerweile zählen die sogenannten Discountzertifikate zu den am häufigsten gehandelten Zertifikate-Arten. Ein Grund besteht sicherlich darin, dass der Kaufkurs bei diesem Zertifikat unterhalb des Kurses des Basiswertes liegt, auf den sich das Zertifikat bezieht. Die sich daraus ergebende Preisdifferenz wird als Discount bezeichnet. Inhaber der Discountzertifikate haben somit den Vorteil, dass das Zertifikat günstiger als das zu Grunde liegende Underlying erworben werden kann. Auf der anderen Seite gibt es dafür auch bei Discountzertifikaten ein sogenanntes Cap. Die Gewinnbegrenzung ist individuell und gleicht in gewisser Weise den Vorteil aus, denn dadurch nimmt der Inhaber nicht unbedingt 1:1 an den Kursgewinnen teil. Empfehlenswert sind Discountzertifikate immer dann, wenn Anleger eher von moderaten Kurssteigerungen beim Basiswert ausgehen.

Knock-out Zertifikate

Ein wenig gefürchtet sind die sogenannten Knock-out Zertifikate, denn sie stellen definitiv die risikoreichste Zertifikate-Art dar. Somit handelt es sich um besonders spekulative Schuldverschreibungen, die nämlich ein Totalverlustrisiko beinhalten. Knock-out Zertifikate sind mit einem Hebel (auch Hebelzertifikat genannt) ausgestattet. Das bedeutet, dass der Inhaber überproportional von Kurssteigerungen beim Basiswert profitiert, beispielsweise im Verhältnis 2:1. Würde der Kurs des Assets als zum Beispiel um vier Prozent steigen, profitiert der Inhaber der Zertifikate von einer Wertsteigerung in Höhe von acht Prozent. 

Die Chance auf überdurchschnittliche Renditen geht beim Knock-out-Zertifikat allerdings definitiv auf Kosten des erhöhten Risikos. Es gibt nämlich eine sogenannte Knock-out Schwelle, die zum Beispiel bei 90 Prozent des Kurses des Basiswertes definiert sein könnte. Wird nun während der Laufzeit des Knock-out Zertifikates diese Kursschwelle unterschritten, ist das Zertifikat sofort wertlos und der Anleger hätte sein gesamtes Kapital verloren, demnach einen Totalverlust erlitten.

Airbagzertifikate

Die sogenannten Airbagzertifikate sind am ehesten mit den zuvor beschriebenen Garantiezertifikaten zu vergleichen. Einen großen Unterschied gibt es allerdings. Dieser besteht darin, dass Airbagzertifikate zusätzlich noch eine Barriere haben, die es beim Garantiezertifikat in der Form nicht gibt. Allerdings befindet sich diese Untergrenze im Normalfall auf einem deutlich niedrigeren Niveau als der aktuelle Kurs des Basiswertes, sodass ein größerer Sicherheitspuffer vorhanden ist. Unter der Voraussetzung, dass diese Barriere während der Laufzeit des Zertifikates nicht berührt oder unterschritten wird, bekommen Anleger am Laufzeitende den vollen Preis des Zertifikates zurück. Wird die Untergrenze Jedoch berührt oder unterschritten, kommt es zu Preisabschlägen. Allerdings sind diese geringer, als wenn Sie zum Beispiel den Basiswert auf direktem Wege gekauft hätten.

Tabelle: Zertifikate-Arten und deren Eigenschaften

Der folgenden Tabelle können Sie noch einmal zusammengefasst die wichtigsten Eigenschaften der zuvor genannten Zertifikate-Arten entnehmen.

Zertifikate-ArtArt BasiswertLaufzeitGewinnbeteiligungHöhe des RisikosRisikobegrenzung
IndexzertifikatIndexunbegrenztvollmittelnein
GarantiezertifikatIndex, Aktie, Rohstoff, Devisenbegrenztgedeckelt (Cap)geringja
BonuszertifikatIndex, Aktie, Rohstoff, Devisenbegrenztvoll oder gedeckeltmittelja (Bonus)
BasketzertifikatAktienkorbunbegrenztvollmittelnein
DiscountzertifikatIndex, Aktie, Rohstoff, Devisenunbegrenztgedeckelt (Cap)mittelnein
Knock-Out-ZertifikatIndex, Aktie, Rohstoff, DevisenbegrenztHebelhochnein
AirbagzertifikatIndex, Aktie, Rohstoff, Devisenbegrenztgedeckelt (Cap)geringja

Welche Kosten sind bei Zertifikaten zu berücksichtigen?

Die Performance und Kursentwicklung bis bei Zertifikaten nicht mit der Rendite gleichzusetzen. Der Grund besteht darin, dass es verschiedene Kosten gibt, die im Zusammenhang mit der Anlage in Zertifikate zu berücksichtigen sind. Im Vergleich zu manch anderen Anlageformen sind die Kosten in der Summe sogar oft vergleichsweise hoch und setzen sich häufig auf den folgenden Komponenten zusammen:

  • Spread (Geld-Brief-Spanne)
  • Ausgabeaufschlag
  • Managementgebühr
  • Ordergebühr
  • Rücknahmegebühr

Die sogenannte Geld-Brief-Spanne gibt es bei nahezu allen Zertifikaten und wird auch als Spread bezeichnet. Gemeint ist damit, dass Sie Zertifikate an der Börse für gewöhnlich zu einem etwas höheren Preis (Briefkurs) kaufen als wenn Sie die Schuldverschreibungen an der Börse verkaufen (Geldkurs). Da der Briefkurs stets über dem Geldkurs liegt, ergibt sich daraus der Spread als Differenz und gleichzeitigen Kostenfaktor. In der Regel beläuft sich die Geld-Brief-Spanne auf durchschnittlich 0,5 bis 1,0 Prozent. 

Ein weiterer Kostenfaktor kann bei Zertifikaten der Ausgabeaufschlag sein. Diesen gibt es unter anderem auch bei offenen Investmentfonds, sodass der Rücknahmepreis des Emittenten etwas geringer als der Ausgabepreis ist. Durchschnittlich belaufen sich die Ausgabeaufschläge bei Zertifikaten im Bereich zwischen 1 bis 3 Prozent. 

Weitere Kosten bei Zertifikaten: Order- und Managementgebühren

Weitere Kosten bei Zertifikaten sind zum einen die Ordergebühren und zum anderen die Managementgebühr. Die Ordergebühr ist typisch für den Kauf von Wertpapieren, denn sie wird von der Bank oder dem Broker berechnet, denen Sie den Auftrag zum Handel mit Zertifikaten erteilen. Bei manchen Investmentfonds kann es wie auch bei Zertifikaten eine Managementgebühr geben, die häufig entweder einmal im Quartal oder pro Jahr berechnet wird. Meistens bewegen sich die Managementgebühren im Bereich zwischen 0,5 bis 1,5 Prozent. 

Bei manchen Zertifikaten kann es zu einer weiteren Gebühr kommen, nämlich zur sogenannten Rücknahmegebühr. Meistens sind davon allerdings nur relativ komplexe Zertifikate betroffen. In dem Fall verlangen Banken unter der Voraussetzung Gebühren, dass eine vorzeitige Rücknahme der Zertifikate vor dem eigentlichen Laufzeitende gewünscht ist.

Chancen und Risiken von Zertifikaten

Sowohl die Chancen als auch die Risiken hängen bei Zertifikaten sehr von der gewählten Variante ab. Bei Garantie-Zertifikaten zum Beispiel gibt es keine Chance auf überdurchschnittliche Renditen, dafür jedoch ein sehr begrenztes Risiko von Verlusten. Gänzlich anders stellt sich die Situation zum Beispiel bei Knock-out Zertifikaten dar, denn hier ist das Risiko enorm hoch, dafür besteht allerdings auch eine Chance auf überdurchschnittliche Renditen. 

Neben den Risiken der einzelnen Zertifikate sollten Anleger stets beachten, dass es bei jedem Zertifikat als Schuldverschreibung ein Emittentenrisiko gibt. Wird das Zertifikat zudem in einer fremden Währung notiert, kommt zusätzlich noch ein Währungsrisiko hinzu. Zu den quantitativen Chancen, also den erzielbaren Renditen, lässt sich bei Zertifikaten pauschal nichts sagen. Das begründet sich damit, dass sich die mögliche Rendite stets auf die Kursentwicklung beim Basiswert bezieht. Diese kann enorm schwanken, sodass vom Totalverlust bis hin zu dreistelligen Renditen innerhalb eines Jahres nahezu alles möglich ist.

Welche Vorteile und Nachteile haben Zertifikate?

Da es bei Zertifikaten wie bei allen Anlageprodukten sowohl Vor- als auch Nachteile gibt, sollten sich Anleger damit zunächst beschäftigen. Nur dann kann jeder für sich herausfinden, ob Zertifikate die geeignete Anlageform darstellen. Als Vorteile von Zertifikaten sind insbesondere die folgenden Punkte aufzuführen:

  • Aufgrund der zahlreichen Zertifikatevarianten können ganz unterschiedliche Anlagestrategien umgesetzt werden, von sicherheits- bis chancenorientiert
  • Zertifikate sind sehr liquide Anlageprodukte, die Sie jederzeit börslich oder außerbörslich wieder verkaufen können
  • Bei manchen Zertifikate-Arten gibt es eine Risikobegrenzung und somit eine Kapitalgarantie
  • Bei manchen Zertifikate-Arten, insbesondere den Knock-out Zertifikaten, sind überproportional hohe Renditen möglich
  • Einige Zertifikatearten sind sehr transparent und leicht verständlich für Anleger, wie zum Beispiel Index- oder Basketzertifikate

Neben diesen Vorteilen gibt es ebenfalls einige Nachteile, die Anleger vor einem ersten Investment in Zertifikate kennen sollten. Aufzuführen sind hier insbesondere:

  • Emittentenrisiko
  • Kosten (verringern die Rendite zum Teil deutlich)
  • Begrenzte Teilnahme an Gewinnen bei manchen Zertifikaten
  • Je nach Zertifikat-Art auch Totalverlust möglich
  • Manche Zertifikate-Arten sind recht intransparent bzw. relativ komplex

Es hängt also auch vom Anlegertyp ab, ob bei Zertifikaten die Vor- oder Nachteile überwiegen. Für wen also sind Zertifikate eigentlich eine geeignete Anlageform?

Welchem Anlegertyp sind Zertifikate zu empfehlen?

Da durch die Zertifikat-Arten eine relativ breite Abdeckung des Marktes vorhanden ist, kommen Zertifikate grundsätzlich auch für zahlreiche Anlegertypen infrage. Sicherheitsorientierte Kunden kommen zum Beispiel bei Garantie-Zertifikaten auf ihre Kosten. Chancenorientierte und risikofreudige Anleger hingegen werden unter anderem bei Knock-out-Zertifikaten fündig. Trotzdem gibt es einige generelle Eigenschaften, die Anleger haben sollten, damit Zertifikate die geeigneten Finanzprodukte sein können, nämlich:

  • Struktur und Funktionsweise des Zertifikates sind einleuchtend
  • Eine bestimmte Anlagestrategie soll umgesetzt werden
  • Mögliche Risiken sind bekannt und werden in Kauf genommen
  • Diversifikation ist gewünscht, zum Beispiel durch Index-Zertifikate
  • Anleger ist nicht zu kostenintensiv
  • Kapital muss nicht zu 100% sicher sein, wie zum Beispiel beim Festgeld

Wenn diese aufgeführten Merkmale auf Sie zutreffen, sind Zertifikate für Sie vermutlich zumindest ein geeignetes Anlageprodukt, um eine Diversifizierung des Portfolios vorzunehmen.