In Rohstoffe investieren: Anlagemöglichkeiten im Überblick

Wer als Anleger in Rohstoffe investieren möchte, hat eine große Auswahl: Von Edelmetallen wie Gold, über Industriemetalle oder auch Agrarrohstoffe. Rohstoffe handeln kann man zum Beispiel mit ausgewählten Aktien, ETFs oder ETCs
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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Rohstoffe sind natürliche Ressourcen wie Öl, Kupfer und Gold.
  • Rohstoffe lassen sich in fünf Hauptkategorien unterteilen: Fossile Energieträger, Edelmetalle, Industriemetalle, Mineralien und Agrarrohstoffe
  • Wichtige Vorteile von Rohstoffen als Investment: Diversifikation, Inflationsschutz
  • Wichtige Nachteile von Rohstoffen als Investment: Komplex, keine Zinserträge, keine produktiven Anlagen, hohe Volatilität, langfristig geringere Rendite als bei Aktien
  • Rohstoffe können als Beimischung sinnvoll sein
  • Privatanleger können auf drei Arten investieren: Direkte Investments, Rohstoff-ETCs, Rohstoff-Futures-ETFs, Rohstoff-Aktien und Rohstoff-ETFs

Was sind Rohstoffe?

Rohstoffe („Commodities“) sind natürliche Ressourcen, die aus der Erde gewonnen und entweder direkt verbraucht oder in der Industrie zu fertigen Produkten verarbeitet werden. Sie repräsentieren neben Aktien, Anleihen und Immobilien eine weitere große Assetklasse, in die man als Anleger investieren kann. Es existieren etwa 40 wirtschaftlich verwertbare Rohstoffe, die sich in die folgenden fünf Hauptgruppen unterteilen lassen:

Welche Rohstoffe gibt es?

Fossile Energieträger

Zu den fossilen Energieträgern zählen Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Fossile Energieträger sind eine sehr bedeutende Rohstoffgruppe. Insbesondere Erdöl stellt im Hinblick auf den Produktionswert den bedeutungsvollsten Rohstoff der Welt dar. Brent Crude, WTI und Dubai Fateh sind die wichtigsten Erdölsorten.

Fossile Energieträger werden in der Stromerzeugung, im Verkehr und in der Industrie eingesetzt. Die Preise können sehr volatil sein und hängen von Faktoren wie Angebot und Nachfrage, geopolitischen Ereignissen und der globalen Wirtschaft ab.

Edelmetalle

Edelmetalle stellen nicht nur eine eigene Hauptkategorie innerhalb der Rohstoffe dar, sie können aus Anlegersicht durchaus auch als eigenständige Assetklasse klassifiziert werden. Für Anleger sind besonders die vier Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium von Interesse. Insgesamt gibt es jedoch acht klassische Edelmetalle:

Edelmetalle, allen voran Gold und Silber, werden von Anlegern als „sicherer Hafen“ betrachtet und sind vor allem in Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit besonders beliebt. Mit Ausnahme von Gold werden Edelmetalle auch gewerblich bzw. im volkswirtschaftlichen Produktionsprozess tatsächlich verwendet, wie etwa in der Elektronikindustrie oder anderen industriellen Anwendungen. Auch als Schmuck sind Edelmetalle wie Gold und Silber sehr beliebt.

Edelmetalle sind außerdem die einzige Rohstoffklasse, in die Anleger direkt investieren können, etwa in Form von Gold- und Silbermünzen oder Gold- und Silberbarren.

Industriemetalle

Industriemetalle, auch Basismetalle genannt, kommen deutlich häufiger vor, als Edelmetalle. Sie sind für die Produktion von fast allen Gütern des täglichen Bedarfs essenziell und werden in der Automobilindustrie, im Bauwesen, in der Elektronik und in vielen anderen Branchen verwendet. Eine moderne Welt ohne Industriemetalle wäre undenkbar.

Zu den wichtigsten Industriemetallen zählen:

Mineralien

Die Rohstoffkategorie der Mineralien umfasst eine breite Palette an mineralischen Rohstoffen und chemischen Elementen. Dazu zählen beispielsweise Edelsteine wie Diamanten, aber auch Lithium, Uran, Bauxit, Phosphat, Schwefel, Kobalt, Kalium, Magnesium, Quarz und weitere chemische Elemente.

Auch seltene Erden zählen zu den mineralischen Rohstoffen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Metallen mit einzigartigen magnetischen, lumineszierenden und leitenden Eigenschaften.

Mineralien werden in einer Vielzahl von Produkten verwendet, darunter Schmuck, Elektronik, Batterien, medizinischen Geräten oder optischen Gläsern.

Agrarrohstoffe

Agrarrohstoffe zählen zu den sogenannten Primärrohstoffen bzw. „Soft Commodities“, die im Unterschied zu „Hard Commodities“ bzw. Sekundärrohstoffen (fossile Energieträger, Edelmetalle, Industriemetalle, Mineralien) in der Regel nachwachsbar und erneuerbar sind.

Bei Agrarrohstoffen handelt sich um unbearbeitete Agrarprodukte der Natur. Sie lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen:

  • Getreide (z.B. Mais, Reis, Soja, Weizen)
  • Ölpflanzen (z.B. Hanf, Lein, Ölpalme, Raps)
  • Genussmittel (z.B. Kaffee, Kakao, Tabak, Tee)
  • Industrielle und Technische Agrarrohstoffe (z.B. Holz, Baumwolle, Kautschuk)
  • Tierische Produkte (z.B. Fleisch, Milch und Milchprodukte, Eier)
  • Zucker und Süßungsmittel (z.B. Zuckerrohr, Zuckerrüben, Honig, Produkte zur Herstellung von Sirupen)
  • Gewürze und Kräuter (z.B. Pfeffer, Zimt, Vanille)
  • Nüsse und Früchte (z.B. Mandeln, Walnüsse, Zitrusfrüchte)
  • Düngemittel (z.B. Stickstoff, Phosphor, Kalium)

Agrarrohstoffe sind vor allem für die Ernährung der Weltbevölkerung unerlässlich. Die Preise von Agrarrohstoffen werden neben der globalen Nachfrage auch von Wetterbedingungen und Ernteerträgen beeinflusst.

Wie kann man in Rohstoffe investieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Rohstoffe zu investieren. Die für Privatanleger wichtigsten und praktikabelsten Optionen sind dabei die folgenden:

  • Direktes Investment
  • Rohstoff-ETCs
  • Rohstoff-Futures-ETFs
  • Rohstoff-Aktien und Rohstoff-ETFs

Direktes Investment

Direkte Investments kommen für Privatanleger eigentlich nur für Edelmetalle in Frage. Gold- und Silbermünzen sowie Gold- und Silberbarren können von Privatanlegern sicher und relativ kostengünstig transportiert und aufbewahrt werden, etwa in Heimsafes oder Bankschließfächern. Lesen Sie dazu gerne unsere ausführlichen Ratgeber, worauf sie bei Kauf von Gold und beim Kauf von Silber achten sollten.

Abgesehen von Edelmetallen wie Gold und Silber, ist es für Anleger praktisch unmöglich, direkt in Rohstoffe zu investieren. Ein Rohstoffdirektanlage in beispielsweise Kupfer, Aluminium, Weizen oder Mais würde aufgrund des damit verbundenen Aufwands für Transport und Lagerung die Sinnhaftigkeit eines Investments für Privatanleger ad absurdum führen und obendrein jegliche Rendite aufzehren.

Rohstoff-ETCs

Mit Ausnahme von Edelmetallen ist es für Privatanleger stattdessen sinnvoller, in Rohstoff-ETCs (Exchange Traded Commodities) zu investieren, mit denen Rohstoffpreise abgebildet werden. Im Unterschied zu ETFs handelt es sich bei ETCs nicht um Fonds, sondern um Schuldverschreibungen. Damit weisen sie gegenüber ETFs zwar zusätzliche Risiken auf (Emittentenrisiko, Kontrahentenrisiko, Risiko von Rollverlusten), sie sind für Anleger jedoch eine gute Möglichkeit, indirekt in Rohstoffe zu investieren.

Mit ETCs können Anleger in einzelne Rohstoffe investieren, wie beispielsweise in Kupfer mit dem WisdomTree Copper ETC (ISIN: GB00B15KXQ89) oder in Aluminium mit dem WisdomTree Aluminium ETC (ISIN: GB00B15KXN58). Sie bieten allerdings auch die Möglichkeit, breit diversifiziert in einen ganzen Korb an Rohstoffen zu investieren, wie zum Beispiel in die komplette Rohstoff-Kategorie der Industriemetalle mit dem WisdomTree Industrial Metals ETC (ISIN: GB00B15KYG56).

Rohstoff-Futures-ETFs

Es geht jedoch auch wesentlich breiter, und zwar mit Rohstoff-Futures-ETFs, wie beispielsweise mit dem iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (ISIN: IE00BDFL4P12), der den Bloomberg Commodity Index nachbildet und Zugang zu 23 Rohstoffen aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Landwirtschaft bietet.

Im Unterschied zu Rohstoff-ETCs basieren Futures-ETFs auf Futures-Kontrakten, die an Terminbörsen gehandelt werden, während ETCs den Preis des physischen Rohstoffs selbst abbilden.

Rohstoff-Aktien und Rohstoff-Aktien-ETFs

Eine weitere Möglichkeit, in Rohstoffe zu investieren, sind Aktien von Rohstoffunternehmen. Rohstoff-Aktien gelten allgemein als volatile, zyklische und zum Teil auch spekulative Werte. Sie weisen im Vergleich zum Gesamtmarkt häufig eine relativ günstige Bewertung auf, weshalb sie von manchen Investoren auch als Value-Aktien betrachtet werden. Auch für Dividendeninvestoren gelten Rohstoff-Aktien oft besonders attraktiv, da sie relativ hohe Dividendenrenditen aufweisen. Es handelt sich bei Rohstoff-Aktien allerdings eher selten um besonders stabile oder nachhaltige Dividendenaktien.

Als Anleger sollte man jedoch wissen, dass man mit Rohstoff-Aktien eher in die Assetklasse Aktie investiert, als in die Anlageklasse der Rohstoffe. Auch wenn es sich um ein Rohstoff-Unternehmen handelt, investiert man mit einer Aktie in erster Linie in ein Unternehmen und nicht in einen Rohstoff. Die Wertentwicklung von Rohstoff-Aktien hängt zwar auch mit der Entwicklung der Rohstoffpreise ab, allerdings haben unternehmensspezifische Einflussgrößen einen wesentlichen, unter Umständen sogar größeren Einfluss auf die Rendite von Aktien.

Wer nicht auf einzelne Rohstoff-Unternehmen setzen möchte, kann auch breit gestreut in Rohstoff-ETFs investieren, die den Investmentfokus auf Unternehmen legen, die im Rohstoff-Sektor tätig sind. Dazu zählen beispielsweise der iShares Gold Producers UCITS ETF (ISIN: IE00B6R52036), der sich auf Unternehmen im Segment der Edelmetalle fokussiert, oder der iShares Agribusiness UCITS ETF (ISIN: IE00B6R52143), der den Fokus auf Unternehmen richtet, die in der Landwirtschaft tätig sind.

Der potenzielle Diversifikationsnutzen von Rohstoffen im Portfolio geht bei Aktien und ETFs allerdings verloren (siehe nachfolgender Abschnitt).

Wie sinnvoll ist ein Investment in Rohstoffe?

Potenzielle Vorteile von Rohstoffen als Investment

Rohstoffe können ein Portfolio aus Aktien und ETFs sinnvoll ergänzen und diversifizieren, da die Renditen von Rohstoffen eine niedrige Korrelation zu Aktienrenditen aufweisen. Allerdings konnte in der Vergangenheit auch beobachtet werden, dass diese Korrelation gerade in starken Aktien-Abwärtsphasen steigt und der Diversifikationsnutzen somit gerade dann weniger gegeben ist, wenn er für Anleger besonders wichtig wäre – nämlich in Krisen.

Rohstoffe weisen allerdings auch eine positive Korrelation mit Inflation auf. Das heißt, Rohstoffe erbringen vor allem dann eine gute Rendite, wenn die Inflation steigt bzw. hoch ist und eher eine schlechte Rendite, wenn die Inflation sinkt oder auf einem niedrigen Niveau ist. Insbesondere Edelmetalle wie Gold und Silber gelten vor allem in Krisenzeiten als „sicherer Hafen“ für Anleger.

Potenzielle Nachteile von Rohstoffen als Investment

Investitionen in Rohstoffe sind jedoch oft komplex. Die Wertentwicklung von Rohstoffen wird von vielen externen Faktoren wie Konjunkturzyklen, Wetterbedingungen und geopolitischen Ereignissen beeinflusst.

Abgesehen davon bieten Rohstoffe keine Zinserträge. Sie sind auch keine produktiven Anlagen, die Gewinne erwirtschaften. Sofern man direkt in Rohstoffe investiert, wie zum Beispiel in Gold oder Silber – müssen sie auch gelagert und transportiert werden, was zusätzliche Kosten und Risiken verursacht.

Die langfristigen, inflationsbereinigten Renditen von Rohstoffen sind im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Aktien relativ gering, bei gleichzeitig deutlich größerem Risiko (höhere Volatilität, maximaler Drawdown). Die Risiko-Rendite-Kombinationen von Rohstoff-Investments sind für sich genommen in den meisten Fällen im Vergleich zu globalen Aktien-Investments also nicht besonders attraktiv.

Fazit: Rohstoffe als sinnvolles Investment für Privatanleger

Auch wenn Rohstoffe keine besonders attraktive Risiko-Rendite-Kombination aufweisen, können Rohstoff-Investments dennoch eine gute Absicherung gegen plötzliche und unerwartete starke Inflationsanstiege darstellen. Auch der Diversifikationsnutzen als Beimischung zu einem Aktien- und ETF-Portfolio kann für Anleger von Vorteil sein. Wer Rohstoffe in das Investmentportfolio aufnehmen möchte, sollte jedoch maximal ein Zehntel des gesamten Portfolios als Beimischung in Betracht ziehen.