Huawei Aktie: Warum gibt es keinen Börsengang?

Glasgebäude mit großem Huawei-Logo in Rot und Weiß.
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Der chinesische Technologiegigant Huawei hat eine beispiellose Transformation hinter sich. Im zweiten Quartal 2020 gelang es dem Unternehmen erstmals, Apple und Samsung zu überholen und der größte Smartphone-Hersteller der Welt zu werden. Doch der Aufstieg wurde durch das politische Kreuzfeuer zwischen den USA und China jäh gebremst. Seit 2019 sieht sich Huawei massiven Sanktionen ausgesetzt, die den Zugang zu kritischen US-Technologien wie 5G-Chips und Google-Diensten blockierten. Heute, im Jahr 2026, zeigt sich jedoch: Huawei hat überlebt und sich technologisch neu erfunden.

Zwar wurde Huawei durch die Sanktionen zeitweise von den Spitzenplätzen des Weltmarkts verdrängt, doch im Jahr 2025 feierte das Unternehmen ein fulminantes Comeback. In China ist Huawei seit Anfang 2026 wieder die Nummer eins im Smartphone-Markt, noch vor Apple. Trotz dieser operativen Stärke bleibt eines unverändert: Ein Börsengang der Huawei Investment & Holding Co., Ltd. ist auch 2026 nicht in Sicht. Warum hält das Unternehmen so strikt an seiner privaten Struktur fest, und welche Alternativen haben Anleger heute?

Warum will Huawei nicht an die Börse?

Der Hauptgrund für den Verzicht auf einen IPO liegt in der hochkomplexen und oft missverstandenen Besitzstruktur von Huawei. Formal befindet sich das Unternehmen im Besitz einer Gewerkschaft (Trade Union Committee). Über dieses Gremium nehmen die Mitarbeiter am Employee Stock Ownership Program (ESOP) teil. Wichtig für Investoren zu wissen: Es handelt sich hierbei um „Phantom Shares“ – also virtuelle Anteile, die zwar Dividenden ausschütten, aber keinerlei Stimmrechte gewähren.

Gründer Ren Zhengfei hält laut aktuellen Berichten von Anfang 2026 lediglich einen Anteil von ca. 0,65 %. Diese Struktur sichert die finanzielle Unabhängigkeit von externen Kapitalgebern, stellt jedoch eine unüberwindbare Hürde für westliche Börsen dar. Da das „Trade Union Committee“ nicht den Transparenzstandards von Aufsichtsbehörden wie der SEC entspricht, bleibt der Weg an die Wall Street oder nach Frankfurt versperrt.

Kritiker und westliche Regierungen mutmaßen oft über eine tiefe Verflechtung mit dem chinesischen Staat oder Geheimdiensten – Vorwürfe, die Huawei stets bestritten hat. Die private Struktur ermöglicht es dem Konzern jedoch, extrem langfristig zu planen, ohne sich dem Druck kurzfristiger Quartalszahlen beugen zu müssen, was besonders in der aktuellen Phase der technologischen Autarkie ein entscheidender Vorteil ist.

Ren Zhengfei betonte mehrfach, dass die Freiheit, massiv in Forschung und Entwicklung (R&D) zu investieren, für Huawei überlebenswichtig ist. Im Jahr 2024 flossen über 20 % des Umsatzes (ca. 180 Mrd. Yuan) zurück in die Entwicklung. Eine börsennotierte Gesellschaft könnte solche Summen kaum rechtfertigen, wenn Aktionäre nach Dividenden verlangen. Für Privatanleger bedeutet dies jedoch weiterhin: Eine direkte Beteiligung am Erfolg der Muttergesellschaft bleibt verwehrt.

Vom Beinahe-Kollaps zur technologischen Souveränität (2020-2026)

Im zweiten Quartal 2020 war Huawei kurzzeitig die weltweite Nummer eins im Smartphone-Markt. Dann griffen die US-Sanktionen mit voller Härte und schnitten den Konzern von TSMC-Chips und Google-Software ab. Doch statt aufzugeben, investierte Huawei in eine eigene Halbleiter-Lieferkette und entwickelte mit HarmonyOS NEXT ein Betriebssystem, das seit 2025 vollständig ohne Android-Code auskommt und in China inzwischen iOS bei den Marktanteilen hinter sich gelassen hat.

Durch die US-Sanktionen verlor Huawei den Zugang zum Google Play Store, was das internationale Geschäft massiv schädigte. Als Reaktion baute Huawei die AppGallery und den HarmonyOS-Kosmos aus. Heute, im Februar 2026, laufen weltweit über eine Milliarde Geräte mit HarmonyOS. Zudem gelang mit der Kirin-Chip-Serie (produziert durch SMIC in China) der Durchbruch zurück in den 5G-Markt, wodurch Huawei seine technologische Abhängigkeit vom Westen fast vollständig reduziert hat.

Die Finanzdaten unterstreichen diesen Turnaround eindrucksvoll: Nachdem der Umsatz 2021/22 stagnierte, wuchs er 2024 auf über 862 Milliarden Yuan (ca. 110 Milliarden Euro). Vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 deuten auf einen Sprung über die Marke von 1.000 Milliarden Yuan hin. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung der Nettogewinnmarge, die sich 2025 durch den Fokus auf margenstarke Software-Dienste und High-End-Elektronik bei über 12 % stabilisierte.

Ein wesentlicher Gewinntreiber ist die Sparte für intelligente Automobillösungen (HIMA), die nach dem Durchbruch im Vorjahr 2025 massiv skalieren konnte. Zusammen mit der Huawei Cloud, die mittlerweile im asiatischen Raum zu den Top-3-Anbietern zählt, hat sich Huawei von einem reinen Hardware-Ausrüster zu einem profitablen Technologie-Konglomerat gewandelt, das KI-Infrastruktur und Green-Energy-Lösungen als zentrale Wachstumssäulen nutzt.

Ist 2026 mit einer Huawei-Aktie zu rechnen?

Die kurze Antwort lautet: Nein, nicht für die Huawei-Muttergesellschaft. Auch im Jahr 2026 gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass das Unternehmen seine Strategie ändert. Der Fokus liegt weiterhin auf der internen Mitarbeiterbeteiligung und der Sicherung der technologischen Eigenständigkeit Chinas. Die strikte Geheimhaltung der genauen Eigentumsverhältnisse und die fehlende Transparenz gegenüber westlichen Börsenaufsichten machen einen IPO an Standorten wie New York oder London ohnehin unmöglich.

Doch für Anleger gibt es eine spannende Alternative: Während Huawei privat bleibt, bereiten sich Tochterfirmen und Partner auf das Börsenparkett vor. Besonders im Fokus steht die ehemalige Tochtermarke Honor, deren IPO für das zweite Quartal 2026 an den chinesischen A-Aktien-Märkten erwartet wird. Auch im Bereich der Server-Sparte (xFusion) und der KI-Chip-Produktion (Partner wie SMIC) finden Anleger indirekte Wege, um vom „Ökosystem Huawei“ zu profitieren. Wer auf die reine Huawei-Mutter hofft, wird jedoch weiterhin leer ausgehen.