ThyssenKrupp-Aktie: Kommt da eine neue Wasserstoff-Perle?

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Wasserstoff ist der wichtigste Zukunftsbaustein der Stahlbranche. Nun will ThyssenKrupp sein Elektrolyse-Geschäft offenbar schon bald an die Börse bringen. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Seit Jahrzehnten gilt die Stahlbranche als einer der größten gewerblichen Klimasünder der Welt. Doch nun kommt endlich Bewegung in den Markt. Angestachelt durch immer strengere staatliche CO2-Ziele muss die Branche umdenken und sich komplett neu definieren. Ansonsten wären die Stahlkocher schlicht und ergreifend nicht mehr zukunftsfähig.

Wasserstoff ist der Heilsbringer der Stahlbranche

Der wohl wichtigste Hebel für die Zukunft der Branche ist der Wasserstoff. Dieser kann als Brennstoff genutzt werden, um Stahl herzustellen. Dadurch wäre die Branche nicht mehr auf klassische fossile Energieträger angewiesen. Damit das ganze klimatechnisch Sinn macht, muss der Wasserstoff gleichzeitig über eine Elektrolyse mithilfe von Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Kommt all das zusammen, spricht man von „grünem Stahl“. Bei dessen Herstellung entsteht lokal kein Kohlendioxid. Zum Vergleich: Bei der konventionellen Produktion fallen pro Tonne Stahl etwa 1,5 Tonnen CO2 an.

Noch ist der Wasserstoff-Stahl eher Zukunftsmusik. Zwar gibt es bereits einige Pilotprojekte, von einer Marktdurchdringung kann aber längst nicht die Rede sein. Weil es schlicht und ergreifend noch viel zu wenig ökologischen Strom gibt und die Elektrolyse-Infrastruktur in den Kinderschuhen steckt, ist der „grüne Stahl“ im Vergleich zum fossilen sehr teuer.

ThyssenKrupp geht in die Klimaoffensive

Das soll sich aber ändern. Nahezu alle namhaften Stahlkonzerne engagieren sich mittlerweile in diversen Initiativen, um die Wasserstoffwirtschaft auf Vordermann zu bringen. Darunter auch der deutsche Stahl-Gigant ThyssenKrupp.

Schauen Sie: ThyssenKrupp hat im Jahr 2019 nach eigenen Angaben 23 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Knapp drei Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entfielen somit allein auf das Unternehmen. Im Umkehrschluss heißt das: Mithilfe von „grünem Stahl“ kann ThyssenKrupp einen umso positiveren Effekt für das Klima erzielen.

Uhde Chlorine Engineers: ThyssenKrupps dynamischstes Standbein

Schon vor einigen Jahren hatte der Konzern zusammen mit dem italienischen Unternehmen De Nora das Joint-Venture Uhde Chlorine Engineers (UCE) gegründet. Wie Sie vielleicht anhand des Namens erkennen können, hatte sich die Gemeinschaftsfirma zu Beginn vor allem auf Elektrolyseanlagen rund um die Grundchemikalie Chlor fokussiert.

Inzwischen baut UCE aber auch Anlagen für die Wasserelektrolyse. Und nicht nur das: Das Unternehmen entwickelt weitreichende Infrastruktur-Lösungen, um nahezu die gesamte Wertschöpfungskette des Wasserstoffs abzudecken – von der Erzeugung des Grünstroms via Windräder über den Transport des Stroms bis hin zur Elektrolyse und der anschließenden Lieferung des ökologischen Brennstoffs an die Industrie.

Innerhalb des ThyssenKrupp-Konzerns dürfte Uhde Chlorine Engineers das wohl dynamischste Standbein mit den größten Wachstumschancen sein. Noch bis vor wenigen Tagen jedenfalls dürfte UCE der breiten Öffentlichkeit und wohl auch vielen Anlegern kaum bekannt gewesen sein.

UCE soll schon in wenigen Monaten an die Börse gebracht werden

Doch nun hat ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg das Joint-Venture in den Fokus gestellt. Demnach will ThyssenKrupp UCE nicht nur abspalten, sondern bereits im nächsten Frühjahr separat an die Börse bringen. Bloomberg beruft sich dabei auf nicht näher spezifizierte Insiderquellen. Laut den informierten Personen hat der Stahlkonzern bereits Gespräche mit entsprechenden Banken geführt.

Weitere Informationen zu dem Börsengang sind bis dato nicht bekannt (Stand: 18. November). Was klar ist: Thyssenkrupp dürfte auch nach dem IPO eine Mehrheit an UCE halten und damit vom Wachstum des Wasserstoff-Marktes profitieren. Und nicht zuletzt dürfte UCE in Zukunft zu einem wichtigen Lieferanten für den Stahlkonzern werden.

Das wiederum schafft Potenzial für den kommenden Börsenneuling

Wie Sie sicherlich wissen, wird der Wasserstoff-Markt längst von unzähligen Firmen förmlich überrannt. Schließlich wollen alle ein Stück des Kuchens abgreifen. Entsprechend muss sich UCE einer harten Konkurrenz stellen.

Hier könnte es sich von Vorteil erweisen, dass die Firma mit ThyssenKrupp einen der einflussreichsten Abnehmer praktisch im Hause hat. Zudem dürfte dadurch das Vertrauen auch anderer Kunden gestärkt werden. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Die Chance, dass UCE beim Börsengang einen Hype auslösen wird, ist aber allemal vorhanden.

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Von: Marco Schnepf.

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