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Mercedes-Benz bringt Drive Pilot an den Start

Mercedes-Benz bringt Drive Pilot an den Start
Kirill Gorlov / stock.adobe.com
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Gute Nachrichten von Mercedes-Benz: Der langersehnte Autopilot steht in den Startlöchern. Bereits ab Mitte Mai können Kunden das System bestellen – für einen Aufpreis im mittleren vierstelligen Bereich. Erste Fahrzeuge mit dem „Drive Pilot“-Assistenzsystem sollen im Sommer ausgeliefert werden.

Drive Pilot von Mercedes-Benz: Erster echter Autopilot auf deutschen Straßen

Im Gegensatz zu Teslas Autopilot, bei dem der Fahrer zu jeder Zeit die Verantwortung trägt und die Hände am Steuer lassen muss, geht Mercedes nun einen Schritt weiter. Als erster Hersteller überhaupt hat der Konzern in Deutschland die Zulassung erhalten für ein System, das in bestimmten Situationen tatsächlich die Kontrolle übernimmt. Die Verantwortung liegt in dieser Zeit dann nicht beim Fahrer, sondern beim Hersteller.

Der Anwendungsbereich ist bislang noch stark eingegrenzt. So lässt sich das System nur aktivieren, wenn sich das Fahrzeug auf der Autobahn befindet, nicht schneller als 60 Stundenkilometer fährt und der Abstand zum vorausfahrenden Auto nicht zu groß ist – also im Stau oder klassischen Stop-and-Go-Situationen, wie sie im Pendlerverkehr tagtäglich zuhauf auftreten.

Ablenken erlaubt, einschlafen nicht

Der Autopilot hält das Fahrzeug in einer Spur. Bei einem Spurwechsel, etwa in einem Autobahnkreuz, muss der Fahrer wieder selbst übernehmen. Auch auf einen Betrieb in Baustellen verzichtet Mercedes vorläufig, da die Anforderungen hier noch einmal deutlich komplexer sind. Zudem muss der Fahrer jederzeit fähig sein, die Kontrolle zu übernehmen. Fordert das System ihn dazu auf, hat er dafür 10 Sekunden Zeit. Ablenken ist also erlaubt, einschlafen hingegen nicht.

Damit geht der Stuttgarter Premiumhersteller einen großen und wichtigen Schritt in Richtung Zukunft. Die Einführung soll einerseits Vertrauen schaffen bei Kunden und Zulassungsbehörden, andererseits Erfahrungswerte für Mercedes selbst generieren, um den Assistenten weiterzuentwickeln. Die zunehmende Automatisierung der Fahrzeuge im Straßenverkehr ist eines der zentralen Ziele, die die Autobranche in diesem Jahrzehnt verfolgt – und gilt neben der Umstellung auf alternative Antriebssysteme als wesentliches Erfolgskriterium für die Zukunft.

Abschied vom Carsharing: Share Now wird verkauft

Aus einem anderen, einst hochgepriesenen Zukunftsprojekt hat sich Mercedes-Benz hingegen verabschiedet. Unter den Vorgänger-Chefs Dieter Zetsche und Harald Krüger hatten sich Mercedes-Benz – damals noch Daimler – und der Münchener Konkurrent BMW Anfang 2019 zusammengeschlossen und ihre Carsharing-Angebote zusammengeführt.

Aus DriveNow von BMW und Daimlers Car2Go wurde Share Now. Kunden konnten per App ein verfügbares Fahrzeug buchen, das in der Nähe abgestellt war, und so auch ohne eigenes Auto schnell von A nach B gelangen. Krüger und Zetsche sparten seinerzeit nicht mit Lobeshymnen auf das Joint Venture, das sich betriebswirtschaftlich allerdings nie wirklich rechnete. Die Kosten für Betrieb und Wartung überstiegen die Einnahmen, das Projekt brachte Verluste – nun wird es verkauft.

Übernehmen soll das französische Konglomerat Stellantis, zu dem unter anderem Marken wie Peugeot, Fiat, Chrysler oder Opel gehören. Der Konzern könnte durch den Zukauf sein bestehendes Modell Free2move weiter ausbauen.

Strategische Kehrtwende bei BMW und Mercedes-Benz

Die heutigen Chefs von BMW und Mercedes-Benz, Oliver Zipse und Ola Källenius, haben in ihren Unternehmen jeweils eine strategische Kehrtwende eingeschlagen. Beide Hersteller wollen sich künftig verstärkt auf Entwicklung, Produktion und Verkauf von Fahrzeugen im Premium- und Luxussegment fokussieren und dabei vor allem das besonders hochpreisige Segment bedienen.

Das schlägt sich auch beim automatisierten Fahren nieder: Der Drive Pilot soll Mercedes-Kunden als teure Sonderausstattung schmackhaft gemacht werden. Verabschiedet hat sich der Autobauer hingegen aus einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Zulieferer Bosch, das auf die Entwicklung autonom fahrender Taxis zielte.

Anleger erfreut: Mercedes-Benz Aktie legt zu

Kritiker bemängeln, dass BMW und Mercedes-Benz ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle. Der Rückzug aus dem Geschäft als Carsharing-Anbieter könnte sich auf lange Sicht rächen, etwa wenn der Individualverkehr aus den Großstädten zurückgedrängt wird zugunsten nachhaltigerer Mobilitätskonzepte.

Anleger hingegen zeigten sich erfreut über den Verkauf, Aktien von BMW und Mercedes-Benz stiegen nach Bekanntwerden des Deals, über dessen Details Stillschweigen vereinbart wurde. Die Neuigkeiten in Sachen Drive Pilot sorgten am Freitag für neuen Schwung. Bis zum Mittag kletterte der Kurs der Mercedes-Benz Aktie um 2,5 Prozent auf knapp 62 Euro.

Analysten sehen enormes Kurspotenzial: Nach Vorlage starker Quartalszahlen bekräftigten etliche Experten ihre Kaufempfehlungen, die Kursziele bewegen sich dabei oftmals in einem Korridor zwischen 83 Euro (Credit Suisse) und 95 Euro (Barclays), die Deutsche Bank sieht die faire Bewertung der Mercedes-Benz Aktie weiterhin bei 105 Euro.