HeidelbergCement Aktie

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Inhaltsverzeichnis
HeidelbergCement-Aktie: Das müssen Anleger wissen

Branche: Baustoffe

Gründung: 1874

Sitz: Heidelberg, Deutschland

Rechtsform: Aktiengesellschaft

WKN: 604700

ISIN: DE0006047004

Symbol: HEI

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HeidelbergCement AG
74,58 €
-0,56-0,75 %
  • ISIN: DE0006047004
  • WKN: 604700
Chart
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Kurs (Daten der Börse Stuttgart)
Letzter74,58 €
Zeitpunkt30.07.2021 21:55
Tief74,56 €
Hoch76 €
Eröffnung74,78 €
Briefkurs74,92 €
Geldkurs74,62 €
Kennzahlen
Dividenden Rendite2,94 %
KGV12,06
Performanz
Hoch 52 Wochen78,73 €
Tief 52 Wochen45,51 €
1 Jahr58,04 %
3 Jahre11,54 %
5 Jahre11,14 %

Bauen mit Beton – überall wo Gebäude, Brücken oder Straßen entstehen, sind Baustoffkonzerne im Spiel. Die Nummer drei weltweit ist HeidelbergCement. Die Aktie gehört zu den typischen Zyklikern und zeigt langfristig eine entsprechende Wertentwicklung.

Zwischen 1998 und 2004 ging es im Zickzackkurs von Spitzen um die 90 Euro auf 19 Euro bergab. Bis zur Finanzkrise wurden im steilen Höhenflug gut 120 Euro erreicht. Danach der dramatische Absturz auf den vorigen Tiefstand und die nächsten zehn Jahre mit Ausschlägen wieder Richtung 90 Euro – gefolgt von erneutem Einbruch und Aufstieg.

Nach 20 Jahren hat die Aktie von HeidelbergCement allenfalls für Werterhalt gesorgt. Wer wiederum nach der Finanzkrise eingestiegen ist, konnte auf Zehnjahressicht beachtliche Wertsteigerungen verzeichnen. Wie bei vielen zyklischen Aktien kommt es auch langfristig auf den richtigen Zeitpunkt an.

Dabei sind in der Dekade auch die Dividenden nahezu fortlaufend gestiegen: von 12 Cent auf 2,10 Euro pro HeidelbergCement-Aktie – bei einer Dividendenrendite von knapp unter 4 %. Bis 2023 soll der Anteilsschein über 4 Euro bringen. Insofern sind die Prognosen ermutigend.

Auch wird ein Ansteigen der Umsätze auf über 22 Mrd. Euro und des Betriebsergebnisses auf über 22 2,5 Mrd. Euro erwartet. Die zurückliegende Entwicklung jedenfalls zeigt auf Fünfjahressicht durchschnittliche Zuwachsraten von grob 5 % bzw. 10 % bei den Gewinnen.

Dazu trägt unter anderem ein seit Jahren eingeleitetes Spar- und Effizienzprogramm bei. Gelegentliche Verkäufe weniger rentabler Bereiche gehören ebenso zum Programm wie die seit langem gezielte Expansion, sowohl organisch als auch durch Zukäufe. Die teuerste Übernahme war 2007 die des britischen Mitbewerbers Hansen für rund 14 Mrd. Euro, finanziert durch Fremdkapital und Anteilsverkäufe. Bis Ende 2018 blieb noch immer eine Nettoverschuldung von 7 Mrd. Euro, was dem 4,5-Fachen des operativen Gewinns entspricht.

HeidelbergCement: Die Nummer drei in der Welt mit finanzstarker Eigentümerfamilie

Dafür konnte HeidelbergCement seine internationale Marktposition ausbauen. 2015 wurden die Karten neu gemischt, als das Pariser Unternehmen Lafarge und der Schweizer Zementkonzern Holcim fusionierten – zur weltweiten Nummer zwei nach Marktführer Cement Roadstone aus Irland. Heute hat LafargeHolcim einen doppelt so hohen Börsenwert und um ein Drittel höhere Umsätze als HeidelbergCement. Nur Cement Roadstone liegt knapp darüber. Ein weiteres internationales Schwergewicht ist die mexikanische Cemex, die an der Börse nur halb so viel wert ist. In Deutschland heißen die Hauptmitbewerber Schwenk aus Ulm und Dyckerhoff aus Wiesbaden, die jedoch erheblich kleiner sind.

Mittlerweile ist HeidelbergCement weltweit an 3.000 Standorten vertreten – neben Europa vor allem in Nordamerika, Mittel- und Ostasien, inklusive Russland. Holcim hatte übrigens vor der Fusion mit Lafarge versucht, den Heidelberger Konkurrenten zu übernehmen. Dies ist aber am Widerstand der Mehrheitseigentümerfamilie Merckle gescheitert, die noch heute 25,5 % Anteile hält. Die Merckle Gruppe wiederum ist ein Unternehmenskonglomerat, das insgesamt gut 30 Mrd. Euro an Erlösen einfährt.

Hinter HeidelbergCement steht also ein finanzstarker Eigentümer, der für eine gewisse Bestandsgarantie aber auch Bodenständigkeit steht. Auch der Konzernvorstand operiert traditionell eher nach mittelständischen Leitlinien. Entsprechend durfte etwa die neue Firmenzentrale nicht mehr als 100 Mio. Euro kosten. Das entspricht etwa dem Preis für zwei mittelgroße Steinbrüche zur Zementgewinnung. Und es entspricht den 2019 verkündeten Einsparungen für die Folgejahre.

Von der Ausrichtung her und geschäftlich steht HeidelbergCement auf festem Fundament und kann bei den Erlösen etwas stärker zulegen als LafargeHolcim und Cemex. Dafür ist deren operative Marge 2019 mit 22 % bzw. 18 % immer noch etwas höher als die von HeidelbergCement mit 17,4 %. Insgesamt ist das Kerngeschäft grundsolide.

HeidelbergCement Aktie: Volle Auftragsbücher aber keine Garantie

Ein Vorteil ist, dass die Herstellung von Beton, Zement, Sand, Kies und Zuschlagstoffen nach eingespielten Verfahren läuft. Investitionen in neue Anlagen sind von daher leicht planbar. Gewisse Risiken bestehen in behördlichen Auflagen zur Erfüllung neuer Umweltstandards, Stichworte: Feinstaub, Gifte, Gewässer- und Landschaftsschutz. Auch in den Schwellenländern wächst das Umweltbewusstsein. Außerdem betragen die Energiekosten bei der Zementherstellung rund 50 % der Wertschöpfung. Die Preise für Strom, Kohle, Öl und schwankende Wechselkurse haben eine starke Auswirkung auf die Erträge. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Wetter. Kälte, Schnee und Regen können schnell die Bilanz verhageln.

Etwas weniger überraschend, aber umso gravierender sind konjunkturelle Einbrüche. HeidelbergCement profitiert vom allgemeinen Bauboom. Auf absehbare Zeit jedoch dürfte die Arbeit nicht ausgehen. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland muss die in weiten Teilen marode Infrastruktur dringend modernisiert werden.

Mittel- und langfristig sind die Grundlagen für weiteres Wachstum gegeben. Die erwarteten Gewinnsteigerungen von rund 5 % jährlich erscheinen realistisch. Damit bleibt die HeidelbergCement-Aktie zumindest in Bezug auf die Dividenden attraktiv. Auch wenn sie sich nach ihrem Aufstieg in den Dax im Jahr 2010 gut entwickelt hat, so ist sie als zyklisches Papier kein Garant für kontinuierlich steigende Kurse.

Unternehmensprofil

Die HeidelbergCement AG mit Hauptsitz in Heidelberg zählt zu den weltweit führenden Baustoffunternehmen und ist in 60 Ländern auf 5 Kontinenten vertreten. Der Konzern unterhält insgesamt rund 3.000 Standorte, darunter 156 Zementwerke mit einer Produktionskapazität von 197 Millionen Tonnen Zement pro Jahr. Zudem betreibt HeidelbergCement mehr als 1.700 Transportbetonwerke sowie über 600 Förderstätten für Zuschlagstoffe.

HeidelbergCement: Produkte und Zielgruppen

Die wichtigsten Produkte des Unternehmens sind Bau- und Zuschlagstoffe. Das Kerngeschäft von HeidelbergCement bilden die Herstellung und der Vertrieb von  Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton und Asphalt. Zudem bietet HeidelbergCement Dienstleistungen an wie beispielsweise den weltweiten Handel mit Zement und Kohle über den Seeweg.

Dementsprechend richtet sich das Unternehmen nicht an Endverbraucher, sondern zählt insbesondere Baufirmen zu seinen Kunden. Mit den Produkten von HeidelbergCement werden insbesondere Infrastrukturprojekte realisiert, etwa die Schaffung von Wohnraum, Verkehrswegen oder Gewerbe- und Industrieanlagen.

HeidelbergCement zählt zu den Weltmarktführern seiner Branche.

HeidelbergCement Aktie: Starke Dividende

Die Aktie von HeidelbergCement ist seit 2010 im Deutschen Aktienindex Dax gelistet. HeidelbergCement ist das einzige Unternehmen aus der Branche der Baustoffindustrie, das zu den Dax-30 gehört.

Die ausgeschüttete Dividende je Aktie ist seit 2011 kontinuierlich gestiegen von 0,35 Euro für das Jahr 2011 auf 2,10 Euro im Geschäftsjahr 2018. Im Jahr 2018 erzielte HeidelbergCement einen Gesamtumsatz in Höhe von gut 18  Milliarden Euro sowie einen Jahresüberschuss von knapp 1,3 Millionen Euro.

Profitiert HeidelbergCement von  Trumps Mauerplänen?

Für Kontroversen sorgten Äußerungen von Vorstandschef Bernd Scheifele, der mit Blick auf die von US-Präsident Donald Trump geplante Mauer entlang der US-Grenze zu Mexiko sagte, diese Mauer werde wohl „nicht aus Holz gebaut, sondern aus Zement“. Die Politik des umstrittenen US-Präsidenten bewertete Scheifele diesbezüglich positiv für die Geschäftsaussichten von  HeidelbergCement.

Nach Protesten gegen diese Äußerungen mühte sich ein Unternehmenssprecher wenige Monate später, die Aussagen als „ironisch gemeint“ und „aus dem Zusammenhang gerissen“ darzustellen – schloss dabei jedoch eine Beteiligung des Unternehmens am Bau einer Grenzmauer nicht aus.

Ob es jedoch tatsächlich zum Mauerbau kommt, ist weiterhin fraglich, denn das Wunschprojekt aus Trumps Wahlkampfzeiten stößt auf vielerlei Widerstand im eigenen Land.

Personal

HeidelbergCement beschäftigt weltweit rund 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in etwa 60 Ländern.

Der Vorstand von HeidelbergCement besteht aus sieben Männern:

  • Dr. Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender
  • Dr. Dominik von Achten, stellv. Vorstandsvorsitzender, West- und Südeuropa
  • Dr. Lorenz Näger, Finanzen
  • Kevin Gluskie, Asien-Pazifik
  • Hakan Gurdal, Afrika-Östlicher Mittelmeerraum
  • Jon Morrish, Nordamerika
  • Dr. Albert Scheuer, Nord- und Osteuropa-Zentralasien

CEO Dr. Bernd Scheifele

Dr. Bernd Scheifele bekleidet das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei HeidelbergCement seit 2005 und ist bestellt bis Januar 2020.

Der promovierte Jurist absolvierte sein Studium an den Universitäten Freiburg und Dijon. Im Anschluss an das Erste Juristische Staatsexamen durchlief er ein Master Programm, das er 1984 mit dem Masters of Laws (LLM) abschloss. Nach erfolgreicher Promotion war Dr. Scheifele von 1988 bis 1994 als Partner der Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz Hootz Hirsch in Stuttgart tätig. In dieser Funktion begleitete er die Gründung der Phoenix Pharmahandel AG & Co KG, zu deren Vorstandsvorsitzenden er 1994 berufen wurde.

Im Vorstand von HeidelbergCement, dem er seit 2005 vorsteht, verantwortet er unmittelbar die Bereiche Strategie und Entwicklung, Kommunikation & Investor Relations, Personal, Recht, Compliance und Konzernrevision. Mit einer Jahresvergütung von mehr als 7 Millionen Euro zählt Dr. Scheifele zu den Top-Verdienern im Dax.

Geschichte des Unternehmens

Die Geschichte von HeidelbergCement reicht zurück bis in die 1870er Jahre. 1873 erwirbt der gelernte Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker eine im Konkursverfahren befindliche Mühle in Heidelberg, die er zu einer Portland-Zementfabrik umbaut. Dies bildet den Grundstein des heutigen HeidelbergCement-Konzerns.

1874 wird das Unternehmen als Portland-Cement-Werk Heidelberg, Schifferdecker & Söhne im Handelsregister eingetragen. Im darauffolgenden Jahr beginnt die Zementproduktion mit zunächst rund 35 Mitarbeitern. Bereits im Jahr 1876 liegt die Jahresproduktion bei mehr als 7.300 Tonnen Zement.

Umwandlung in Aktiengesellschaft und Umzug nach Leimen

Nach dem Tod des Firmengründers Schifferdecker erfolgt im Jahr 1889 durch seine Erben die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Portland-Cement-Werk Heidelberg AG. 1895 zerstört ein Großbrand die Produktionsstätte bis auf die Grundmauern. Nach Widerständen in der Heidelberger Bevölkerung erfolgte der Neubau nicht auf dem Stadtgebiet, sondern im 8 Kilometer südlich gelegenen Vorort Leimen – erst dieser Schritt ermöglichte die spätere Expansion des Unternehmens. Der Hauptsitz der Verwaltung blieb jedoch in Heidelberg, wo sie auch heute noch angesiedelt ist.

In den darauffolgenden Jahren expandiert das Unternehmen zunehmend, vergrößert seinen Standort, erhöht die Produktion und wächst durch Fusionen. Der Erste Weltkrieg bildet eine Zäsur und unterbricht die Entwicklung des aufstrebenden Unternehmens. Die Bauwirtschaft kommt weitgehend zum Erliegen, mehrere Werke werden stillgelegt oder umfunktioniert, zudem herrscht akuter Personalmangel wegen der Fronteinsätze zahlreicher Mitarbeiter.

Es dauert Jahre, bis sich das Unternehmen davon erholt – zumal mit der Weltwirtschaftskrise 1929 erneut die Nachfrage einbricht. Während des Zweiten Weltkriegs wird HeidelbergCement Teil der Rüstungsindustrie, die Werke bleiben weitgehend unbeschädigt und können nach Kriegsende in den alliierten Besatzungszonen schon bald wieder den Betrieb aufnehmen.

Baugeschäft boomt im Wiederaufbau

In den 1950er und 1960er Jahren boomt das Baugeschäft durch den Wiederaufbau nach dem Krieg. Zement und andere Baustoffe finden reißenden Absatz, HeidelbergCement zählt zu den Profiteuren. Bald darauf erfolgt die erste Expansion ins Ausland durch die Beteiligung an einem französischen Zementwerk. 1977 übernimmt das Unternehmen eine US-Zementfirma und weitet seine Geschäftstätigkeiten somit erstmals über den Atlantik aus.

Der internationale Expansionskurs wird in den 1990er Jahren fortgesetzt durch Zukäufe in Osteuropa, China und der Türkei. Auch in Skandinavien verstärkt das Unternehmen seine Aktivitäten. 2002 erfolgt schließlich die Umbenennung in HeidelbergCement.

Neuausrichtung und Umstrukturierung

2005 übernimmt der nach wie vor amtierende Vorstandschef Dr. Bernd Scheifele das Ruder des Konzerns. 2007 erfolgt die bis dato größte Übernahme durch den Zukauf des britischen Baustoffkonzerns Hanson PLC, der zudem eine strategische Neuausrichtung von HeidelbergCement untermauert und den Wandel vom Zement- zum Baustoffkonzern wesentlich beschleunigt.

Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verändert sich die Aktionärsstruktur des Unternehmens. Ludwig Merckle bleibt mit einem Anteil von 25 Prozent größter Einzelaktionär, zugleich gehen jedoch rund 75 Prozent der Aktien in Streubesitz, was dazu führt, dass die Aktie von HeidelbergCement in den deutschen Leitindex Dax aufgenommen wird.

Parallel erfolgt eine interne Umstrukturierung des organisatorischen Unternehmensaufbaus. HeidelbergCement gliedert sich nunmehr in fünf geografische Konzerngebiete:

  • West- und Nordeuropa
  • Osteuropa-Zentralasien
  • Nordamerika
  • Asien-Pazifik
  • Afrika-Mittelmeerraum

Zudem gibt es ein sechstes Konzerngebiet „Konzernservice“.

Innerhalb der geografischen Konzerngebiete sind die Aktivitäten untergliedert in die vier Geschäftsbereiche Zement, Zuschlagstoffe, Bauprodukte sowie Beton-Service-Sonstiges.

Weltmarktführer in den wichtigsten Geschäftsfeldern

2016 erfolgte eine Beteiligung von 45 Prozent an der italienischen Zementfirma Italcementi, wodurch die geografische Ausrichtung der Geschäfte von HeidelbergCement erneut strategisch ausgeweitet wurde, insbesondere mit Blick auf Frankreich und Italien sowie nordafrikanische Gebiete im Mittelmeerraum.

Durch die Übernahme steigt HeidelbergCement zur weltweiten Nummer 1 bei Zuschlagstoffen auf, zur Nummer 2 bei Zement und zur Nummer 3 bei  Transportbeton. Damit gehört das Unternehmen in mehreren seiner Geschäftsfelder zu den weltweit führenden Anbietern.

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