Was importiert Deutschland aus den USA?
Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland markieren im Jahr 2026 den wichtigsten Pfeiler der deutschen Außenwirtschaft, sind jedoch gleichzeitig von erheblichen geopolitischen Spannungen geprägt. Nachdem die USA 2024 China als Top-Handelspartner abgelöst haben, stehen Unternehmen heute vor der Herausforderung, trotz aktiver Handelsbarrieren der zweiten Trump-Regierung profitabel zu agieren. Dieser Artikel analysiert die aktuellen Warenströme, liefert präzise Daten zu den Top-Importgütern und bietet eine beratende Einordnung der veränderten Rahmenbedingungen im transatlantischen Geschäft.
Die USA als unverzichtbarer Handelspartner von Deutschland
Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und den USA hat 2024 ein Rekordniveau erreicht. Deutschland steigerte seine Exporte in die Vereinigten Staaten auf 161,4 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Gegenzug sanken die Importe leicht auf 91,4 Milliarden Euro. Dieser deutliche Handelsbilanzüberschuss von rund 70 Milliarden Euro ist ein strukturelles Merkmal der Beziehungen, bildet jedoch auch die argumentative Basis für die verschärfte US-Handelspolitik der vergangenen zwölf Monate.
Die USA festigten 2024 und 2025 ihre Position als das weltweit wichtigste Ziel für deutsche Ausfuhren. Im Ranking der Importländer behaupten sie sich stabil in der Spitzengruppe. Trotz der protektionistischen Tendenzen bleibt der US-Markt aufgrund seiner hohen Kaufkraft und technologischen Führerschaft für deutsche Einkäufer unverzichtbar, wie die aktuelle Rangfolge der Importpartner belegt:
Rangfolge der 10 wichtigsten deutschen Handelspartner für Importe
| Rang | Ursprungsland | Wert der importierten Waren 2024 in Mrd. Euro |
| 1 | China | 156,3 |
| 2 | Niederlande | 102,8 |
| 3 | Vereinigte Staaten | 91,4 |
| 4 | Polen | 79,3 |
| 5 | Italien | 67,5 |
| 6 | Frankreich | 66,1 |
| 7 | Tschechien | 58,9 |
| 8 | Österreich | 51,2 |
| 9 | Belgien | 50,4 |
| 10 | Schweiz | 49,8 |
Quelle: Statistisches Bundesamt
Während rund 10 % der deutschen Exporte in die USA fließen, stammen etwa 7 % der gesamten deutschen Importe aus den Vereinigten Staaten. Entscheidend für die strategische Bewertung ist jedoch der Gesamthandelsumsatz: Im Jahr 2024 lösten die USA mit rund 253 Milliarden Euro China als wichtigsten Handelspartner Deutschlands ab – eine Trendwende, die sich auch 2025 trotz Handelshemmnissen fortsetzte.
Die Handelsbilanz bleibt das politische Barometer dieser Partnerschaft. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus im Januar 2025 haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Die Implementierung von Basis-Zöllen auf europäische Importe hat die Kostenstrukturen vieler Branchen bereits verschoben. Für Investoren und Unternehmen ist es entscheidend, diese Dynamik nicht mehr als hypothetisches Risiko, sondern als operative Realität zu begreifen.
Die 10 wichtigsten Importe aus den USA nach Deutschland
Die Importstruktur aus den USA spiegelt die hohe technologische Spezialisierung wider. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes für 2024 und ersten Trends aus 2025 dominieren folgende Warengruppen den deutschen Importmarkt:
- Pharmazeutische Produkte – 14,80 Milliarden Euro – Angetrieben durch biotechnologische Innovationen sind Pharmazeutika mittlerweile die wertmäßig bedeutendste Importgruppe. Deutsche Patienten und Forschungseinrichtungen hängen stark von US-amerikanischen Wirkstoffen und Medikamenten ab.
- Flugzeuge und Luftfahrtausrüstung – 10,20 Milliarden Euro – Trotz transatlantischer Rivalitäten bleibt die Abhängigkeit von US-Luftfahrttechnik hoch. Dies betrifft sowohl die zivile Luftfahrt als auch Wartungskomponenten namhafter Hersteller.
- Fahrzeuge und Teile – 9,80 Milliarden Euro – Neben Elektrofahrzeugen sind es vor allem spezialisierte Nutzfahrzeuge und SUV-Modelle, die aus US-Produktion nach Deutschland gelangen und spezifische Marktnischen bedienen.
- Optische und medizinische Geräte – 7,60 Milliarden Euro – Hochpräzise Diagnosetechnik und Laborequipment aus den USA sind in der deutschen Gesundheitslandschaft ein Standard, der aufgrund der technologischen Tiefe kaum kurzfristig ersetzt werden kann.
- Maschinen – 7,40 Milliarden Euro – Spezialmaschinen für die Halbleiterproduktion und automatisierte Fertigungssysteme bilden das Rückgrat vieler deutscher Industriezweige im Rahmen der Industrie 4.0.
- Elektronische und elektrische Geräte – 6,50 Milliarden Euro – Hierzu zählen vor allem Mikrochips der neuesten Generation und Rechenzentrumshardware, die für die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft essenziell sind.
- Mineralische Brennstoffe, Öle und Destillationsprodukte – 6,20 Milliarden Euro – Die Bedeutung von US-Flüssiggas (LNG) zur Diversifizierung der Energieversorgung hat sich verfestigt. Die USA bleiben ein Ankerpunkt für die deutsche Energiesicherheit jenseits kontinentaler Pipelines.
- Organische Chemikalien – 3,10 Milliarden Euro – Wichtige Grundstoffe für die heimische Chemieindustrie, die als Vorprodukte in der Veredelung von Kunststoffen und Spezialchemie weiterverarbeitet werden.
- Mess- und Regeltechnik – 2,90 Milliarden Euro – Präzisionsinstrumente zur Steuerung komplexer Industrieprozesse sind ein wachsendes Importsegment, das die Effizienz deutscher Produktionsanlagen steigert.
- Diverse Metallerzeugnisse – 2,40 Milliarden Euro – Hochleistungswerkstoffe und spezialisierte Legierungen, die insbesondere in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Medizintechnik zwingend benötigt werden.
Diese Liste unterstreicht, wie breit gefächert die Importe aus den USA sind, von Industriegütern bis hin zu medizinischen und technologischen Produkten. Produkte der Landwirtschaft haben hingegen einen eher untergeordneten Stellenwert, wobei Deutschland mehr Agrarprodukte aus den USA importiert, als in die Vereinigten Staaten exportiert. Bei den aus den USA importierten landwirtschaftlichen Erzeugnissen handelt es sich hauptsächlich Ölfrüchte, Schalen- und Trockenfrüchte, Fische bzw. Fischzubereitungen, Branntwein und Rohtabak bzw. Tabakerzeugnisse.
Reale Auswirkungen der US-Zölle auf die Handelsbeziehungen seit 2025
Was sind Strafzölle?
Strafzölle sind zusätzliche Zölle, die ein Land auf bestimmte Importe erhebt, um:
- Handelsungleichgewichte auszugleichen,
- unfaire Handelspraktiken zu sanktionieren oder
- die heimische Wirtschaft zu schützen.
Beispiel: Nach dem Handelsabkommen vom August 2025 belaufen sich die Zölle auf deutsche Automobile auf 15 %. Dies liegt zwar deutlich unter den ursprünglich angedrohten 25 %, stellt jedoch im Vergleich zum früheren Nullzoll-Szenario eine erhebliche strukturelle Belastung dar, die deutsche Hersteller dazu zwingt, ihre Margenkalkulation und Preisstrategie auf dem US-Markt fundamental anzupassen.
Hintergründe der transatlantischen Zollstreitigkeiten: Warum der deutsche Export im Fokus steht
Die wirtschaftliche Reibungsfläche zwischen Berlin und Washington manifestiert sich primär im Handelsbilanzüberschuss. Während dieser im Jahr 2024 mit rund 69,8 Milliarden Euro einen neuen historischen Höchststand erreichte, markierte das Jahr 2025 eine Zäsur: Infolge der neuen Handelsrestriktionen und der Umsetzung des trilateralen Rahmenabkommens sank der Überschuss erstmals wieder deutlich, was den Einfluss der US-amerikanischen ‚America First‘-Handelspolitik unterstreicht.
Im Fokus der US-Handelspolitik stehen traditionell deutsche Kernindustrien wie der Automobilbau, der Maschinenbau und die Chemiebranche. Die Argumentation der US-Administration zielt darauf ab, durch reziproke Zölle die Wettbewerbsvorteile europäischer Produkte auszugleichen und gleichzeitig Anreize für deutsche Konzerne zu schaffen, ihre Produktion direkt in die USA zu verlagern.
Strategische Auswirkungen der Strafzölle auf den Standort Deutschland
Die dauerhafte Etablierung von Importzöllen verändert das Kalkül für deutsche Exporteure fundamental. Die Wettbewerbsfähigkeit ‚Made in Germany‘ wird auf dem US-Markt durch die künstliche Verteuerung geschwächt, was Unternehmen vor die Wahl stellt: Entweder sinkende Absatzzahlen durch Preiserhöhungen zu akzeptieren oder die Zollkosten durch Margenverzicht selbst zu tragen.
Für Investoren und Marktteilnehmer ergeben sich daraus drei zentrale Risikofelder:
- Erosion der operativen Margen: Die Notwendigkeit, Zollsätze abzufedern, um Marktanteile zu halten, belastet die Profitabilität vieler DAX-Konzerne unmittelbar.
- Forcierte Lokalisierung (Local for Local): Um Zölle zu umgehen, verlagern Unternehmen Investitionen und Arbeitsplätze verstärkt in die USA, was den deutschen Produktionsstandort langfristig schwächt.
- Investitionsstau im Inland: Die anhaltende Unsicherheit über künftige Handelsbarrieren führt zu einer Lähmung bei langfristigen Forschungs- und Entwicklungsprojekten in Deutschland.
Der Wandel zu einem „Managed Trade“-System
Statt einer unkontrollierten Eskalationsspirale sehen wir im Jahr 2026 eine neue Form des gesteuerten Handels. Die EU hat erkannt, dass rein reaktive Gegenmaßnahmen weniger effektiv sind als proaktive Abkommen, die geopolitische Abhängigkeiten und Handelsbilanzen direkt adressieren und so den transatlantischen Bruch verhindern.
Das Rahmenabkommen als Preis für den Marktzugang
Diese Maßnahmen wurden bereits im Rahmenabkommen vom Sommer 2025 verbindlich umgesetzt: Die EU verpflichtete sich zur Abnahme von US-Energie (vor allem LNG) im Wert von 750 Milliarden USD bis zum Jahr 2028. Im Gegenzug willigten die USA ein, die Zölle auf deutsche PKW bei 15 % zu deckeln – ein Arrangement, das zwar die befürchtete Maximaleskalation verhinderte, aber die neue Ära politisch diktierter Handelsströme zementiert.