Wirecard-Aktie

Alles zum Aufstieg und Fall der Wirecard Aktie bei GeVestor im Überblick | Geschäftsfelder und News | WKN 747206 | ISIN DE0007472060
6 min | Stand 13.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Wirecard-Aktie: Kurzportrait

Branche: Finanzdienstleistungen, Zahlungsabwicklung
Vorstandsvorsitzender: Markus Braun
Gründung: 1999
Insolvenz: 25. Juni 2020

Wirecard-Aktie: Aktueller Kursverlauf

Wirecard-Aktie: Unternehmensprofil

Digitale Zahlungssysteme sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen nutzen das Smartphone, um im Handel oder Internet Waren und Services zu bezahlen.

Auf diesen Zug wollte auch die Wirecard AG aufspringen. Das Münchner Unternehmen gilt bzw. galt als Spezialist für Outsourcing-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr und profitierte entsprechend vom ePayment-Boom. Doch nach und nach kam zum Vorschein, dass Wirecard seine Bilanzen gefälscht hat – was folgte war einer der größten Finanzskandale in der deutschen Geschichte inklusive der Insolvenz. Vom Aufstieg und Fall der Wirecard AG.

Geschichte der Wirecard AG

Das Vorgängerunternehmen der Wirecard AG die InfoGenie AG, deren Headquater in Berlin war, wurde beim Börsengang im Jahr 2000 im Segment „Neuer Markt“ gelistet. Die InfoGenie AG war Anbieter von Telefonhotlines im Ratgeber-Segment.

Nach starken Kursverlusten wurde die Aktie der InfoGenie AG zum sogenannten Pennystock, weshalb die Deutsche Börse die Aktie im vormals gelisteten Börsensegment „Neuer Markt“ ausschließen wollte. Dies wurde aber mittels Gerichtsbeschlusses im Jahr 2002 untersagt.

Anschließend wurde die Wirecard durch Kapitalerhöhung zum 1.1.2005 in das Unternehmen InfoGenie AG eingebracht und anschließend in Wirecard umbenannt. Durch diese Änderung in der Unternehmensstruktur wurde die Wirecard durch ein sogenanntes Reverse-IPO eine im Prime Standard gelistete AG.

Überblick: Ehemalige Dienstleistungen und Services der Wirecard AG

Seit dem Jahr 2000 bietet Wirecard neueste Technologien im Sektor der bargeldlosen Zahlungsdienstleistung – im Speziellen in der Zahlungsabwicklung – an. Zudem unterstützt das Unternehmen auch bei Entwicklung und Durchführung internationaler Payment-Strategien für verschiedenste Vertriebskanäle.

Als unabhängiger Anbieter von ePayment-Lösungen zählen folgende Services zum Leistungsportfolio der Wirecard AG:

  • Mobiles Zahlen
  • eCommerce
  • Digitalisierung im Einzelhandel
  • Finanztechnologie

Geschäftsbereiche der Wirecard AG

1. Mobiles Zahlen

Das Mobile Zahlen zählt mittlerweile zu den Kerngeschäftstätigkeiten der Wirecard AG. So bietet das Unternehmen seit 2015 die App boon. für bargeldlose Zahlvorgänge an. Diese basiert auf einer virtuellen Kreditkarte. Verfügbar ist die App in Deutschland, Belgien, Österreich, Spanien, den Niederlanden, Irland, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und China.

boon. – Was kann die App von Wirecard?

Die App ermöglicht seinen Usern das bargeldlose Zahlen via NFC-Technologie. Um diesen Vorgang zu ermöglichen, wird die HCE- (Host Card Emulation) sowie BLE-Technik (Bluetooth Low Energy) genutzt. Auch eine Zahlungsabwicklung via QR-Code ist möglich. Seit 2018 enthält die App auch eine Funktion, welche Direktüberweisungen zwischen Nutzern zulässt.

2. eCommerce

Im Bereich des Online Shoppings unterstützt Wirecard Händler und sorgt für Zahlungsgarantie. Wirecard überprüft die Bonität von Kunden und versichert nach erfolgter Kreditwürdigkeitsprüfung deren Zahlung auch bei tatsächlichem Zahlungsausfall. Für die damit verbundenen Risiken behält sich Wirecard vom Händler maximal 2% des Zahlungsbetrages als Sicherheit ein. Haupttätigkeitsfeld ist der Reise- und Tourismussektor.

Vorteile des Wirecard Online Bankings:

Global: Große internationale Reichweite
Schnell: Echtzeit-Autorisierung der Zahlung
Sicher: Durch Bonitätsprüfung bzw. sofortige Zahlungsbestätigung minimiertes Ausfallrisiko
Profitabel: Aufgrund sicherer und schneller Bezahlvariante höhere Kundenzufriedenheit

Übersicht der Online Banking-Bezahlverfahren der Wirecard AG:

Die Bezahlverfahren für Online- und Sofortüberweisungen umfassen die Kontinente Europa, Südamerika Asien sowie Australien und Ozeanien.

  • Bancontact/ Mister Cash (Belgien)
  • CIMB Clicks (Malaysia, Philippinen, Singapur)
  • Débito Bradesco (Brasilien)
  • eKonto (Tschechien)
  • eps (Österreich)
  • giropay (Deutschland)
  • iDEAL (Niederlande)
  • Trustly (Estland, Finnland, Polen, Schweden)
  • Maybank2u.com (Malaysia, Philippinen, Singapur)

3. Digitalisierung im Einzelhandel

Aber nicht nur online, auch im stationären Einzelhandel ist Wirecard tätig. So unterstützt das Unternehmen die Händler bei der Integration von digitalen Zahlungsmethoden im stationären Handel. Aktuelles Projekt ist das Connected Store Projekt, wo erhobene Datenmenge von Sensoren, Waagen, Kameras und KI vereint werden und so eine „Zahlung ohne Kassa“ ermöglichen sollen. Diese unsichtbare Bezahlung soll beim Verlassen des Geschäftes passieren und biometrische Kundendaten verwenden. Die Services für Online- und Einzelhändler machte 50% des Konzernumsatzes der Wirecard AG aus.

4. Finanztechnologie

Zu den neueren Geschäftsfeldern der Wirecard AG zählt der Sektor der Finanztechnologie. Seit Q1 2018 bietet Wirecard Businesskunden der Mizuho Financal Group Kartenausgabedienste im asiatischen Raum an.

Ehemalige Tätigkeit der Wirecard Bank AG

Seit dem Jahr 2006 zählte auch die Wirecard Bank AG zur Unternehmensgruppe. Sie hielt eine deutsche Banklizenz inne und verfügt über Verträge mit verschiedenen Kartenorganisationen. Die Wirecard Bank AG ist zudem Mitglied des Bundesverbands deutscher Banken sowie dem Einlagesicherungsfonds.

Die Wirecard Bank versteht sich als Onlinebank, welche umfassende Dienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden für bargeldloses Zahlen anbietet. Ferner ist die Wirecard Bank auch berechtigt, Kreditkartenakzeptanzverträge abzuschließen, sodass die Kunden auch die Vorteile von Visa, MasterCard und JCB nutzen können. Sie ist in 124 Ländern vertreten. Bankkunden stehen mehr als 100 Transaktions- und 17 Auszahlungsverfahren zur Verfügung.

Ende des Jahres 2006 rollte die Wirecard den Prepaid-Bezahldienst mywirecard aus. Über diesen Service können Kunden ein Konto bei der Wirecard Bank online eröffnen und dieses anschließend per Lastschrift, Überweisung, Bareinzahlung oder Einzahlung mittels Kreditkarte aufladen. Jeder Kunde erhält zudem eine virtuelle MasterCard – optional bzw. gegen Wunsch auch als Plastikkarte. Inzwischen ist die Bank Teil der Insolvenzmasse geworden und soll abgewickelt werden.

Aufstieg und Fall der Wirecard AG von 2008 – 2021

Innerhalb von zehn Jahren ist die Wirecard von rund 4 € auf ca. 200 € geklettert. Doch ab September 2018 verhielt sie sich wie kaum ein anderer in den Dax aufgestiegener Titel eines findigen Unternehmens. Spätestens als Hedgefonds im großen Stil gegen die Aktie wetteten, wurde es eng. Wirecard sah sich von mehreren Seiten unter Beschuss: Leerverkäufer, verschreckte Anleger und massive Vorwürfe wegen finanzieller Tricksereien. Danach begann die beispiellose Talfahrt der Wirecard bis zum Ende inklusive Insolvenz. Ein kurzer Überblick:

Sommer 2008:
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf der Wirecard AG falsche Bilanzierung vor. Im Nachhinein wurde bekannt, dass Mitglieder der Schutzgemeinschaft über Differenzkontrakte auf fallende Kurse vor Bekanntmachung der Bilanzdefizite spekuliert hatten. Die Aktie der Wirecard AG fiel in Folge dessen um fast 70%.

April 2010:
Die Wirecard Aktie fiel um mehr als 30% aufgrund einer Falschmeldung des Nachrichtenportals Goldman, Morgenstern & Partners. Ein sofort eingeleitetes Verfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wurde angesichts mangelnder Beweise wieder eingestellt.

Februar 2016:
Nach dem Öffentlich werden eines Berichts des Analyse-Zentrums Zatarra Research & Investigation fiel der Kurs stark ab. Dem Unternehmen wurden von Seiten der Wirecard AG illegale Praktiken sowie versuchte Kursmanipulation vorgeworfen.

Februar 2017:
Das Manager Magazin berichtet über intransparente Bilanzierung bei Wirecard. Die Aktie fiel daraufhin um 8%. Die Vorwürfe wurden allerdings als unbegründet zurückgewiesen.

Januar/ Februar 2019:
Der Kurs der Wirecard Aktie fiel von 167 € auf unter 86 €. Als Grund konnte ein Bericht in der Financial Times über angebliche unlautere Geschäftsgebahren von Mitarbeitern der Wirecard in Singapur ausgemacht werden. Eine anschließende Klage der Wirecard AG führte zu einer Unterlassung der Berichterstattung und Entschädigungszahlungen.

Oktober 2019:
Im Oktober startet die Wirecard AG ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 200 Millionen €. Dadurch fiel der der Kurs der Wirecard Aktie von über 142 € rasant auf unter 112 €.

Juni 2020:

Da BaFin erstattet aufgrund des Verdachts der Marktmanipulation Anzeige. Im weiteren Verlauf des Monats gab die Wirecard Bilanzfälschungen im großen Stil zu und am 25. Juni 2020 stellte Wirecard einen Insolvenzantrag. Es stellte sich heraus, dass knapp 2 Milliarden Euro „fehlten“.

März 2021:

Die Insolvenz von Wirecard gab vielen Anlass zur Kritik am deutschen Finanzmarkt. Infolge des Skandals wurden Reformen der zuständigen Aufsichtsbehörden von der Bundesregierung angekündigt. Der 19. Deutsche Bundestag gründete den Wirecard-Untersuchungsausschuss (auch: 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages), der das Verhalten der Bundesregierung in Bezug zum Wirecard-Skandal untersuchen soll. Bis März 2021 befragte der Ausschuss 67 Personen.

April 2021:

Zu dem Vorfall wurden zahlreiche Zeugen geladen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesfinanzminister Olf Scholz, bayerischer Landespolizeipräsident a. D. Waldemar Kindler und Matthias Bühring von der Staatsanwaltschaft München.