Emerging Markets 2026: Chancen, Risiken & Strategien

Füllfederhalter auf Zeitung mit Titel "Emerging Market".
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Inhaltsverzeichnis

Die Emerging Markets stehen 2026 vor einem der spannendsten Jahre seit Langem. Nach einer Phase wechselhafter Kursentwicklungen und geopolitischer Unsicherheiten rücken die Schwellenländer wieder verstärkt in den Fokus vieler Anleger.

Wirtschaftliche Strukturreformen, ein sich verbesserndes globales Umfeld und neue Marktaufsteiger – allen voran Vietnam – sorgen dafür, dass 2026 ein Jahr der möglichen Wiederbelebung der Schwellenmärkte werden könnte. Für Privatanleger öffnen sich dadurch sowohl neue Chancen als auch Herausforderungen, denn die Gewichtungen, Klassifizierungen und Marktstrukturen verändern sich weiter.

Dieser Artikel erklärt kompakt und verständlich, welche Länder 2026 zu den Schwellenländern gehören, welche Entwicklungen Anleger erwarten können und wie man Emerging Markets sinnvoll ins eigene Portfolio integriert, ohne typische Anlegerfehler zu begehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Emerging Markets könnten nach Jahren der Underperformance vor einer Phase der Wiederbelebung stehen – unterstützt durch günstigere Bewertungen, strukturelle Reformen und eine freundlichere globale Geldpolitik.
  • Asien bleibt der Wachstumsmotor: Länder wie Indien, Indonesien, Vietnam und die Philippinen treiben die wirtschaftliche Dynamik der Schwellenmärkte maßgeblich voran.
  • Indexunterschiede sind entscheidend: MSCI und FTSE klassifizieren einzelne Länder unterschiedlich (z. B. Südkorea, Griechenland, Vietnam) – Anleger sollten Indexfamilien nicht unbedacht mischen.
  • Globale ETFs gewichten Schwellenländer niedrig: In MSCI ACWI und FTSE All-World machen Emerging Markets nur rund 10 % aus, obwohl sie etwa 50 % der globalen Wirtschaftsleistung stellen.
  • Die richtige Strategie ist entscheidend: Ob All-in-One-ETF, 70/30-Portfolio oder BIP-orientierte Gewichtung – langfristiger Anlagehorizont, Rebalancing und Disziplin sind der Schlüssel zum Erfolg.

Was sind Emerging Markets – und welche Länder gehören 2026 dazu?

Schwellenländer – oder Schwellenmärkte – sind Volkswirtschaften, die sich wirtschaftlich und strukturell zwischen klassischen Industrieländern und Entwicklungsstaaten bewegen. Sie verfügen über eine wachsende Mittelschicht, steigende Wirtschaftsleistung und dynamische Kapitalmärkte. Gleichzeitig bringen sie höhere politische und wirtschaftliche Risiken mit sich.

Da unterschiedliche Indexanbieter verschiedene Einstufungen verwenden, ist es wichtig, die Quelle zu kennen. Besonders relevant sind MSCI und FTSE Russell.

Unterschiedliche Klassifizierungen: MSCI vs. FTSE

Ein entscheidender Punkt für Anleger: Die Listen von MSCI und FTSE sind nicht identisch. MSCI stuft z. B. Südkorea weiterhin als Schwellenland ein, während FTSE das Land schon lange zu den entwickelten Industrieländern zählt. Das hat enorme Auswirkungen auf ETF-Gewichtungen und macht es für Privatanleger sinnvoll, nicht beide Indexfamilien gleichzeitig für Industrie- und Schwellenländer zu mischen.

Zudem stehen strukturelle Änderungen an:

  • Vietnam soll laut FTSE Russell im September 2026 zum Emerging Market aufsteigen, sofern die Marktstrukturen den Anforderungen entsprechen.
  • Griechenland soll 2026 bei FTSE nach der Herabstufung in Folge der Schuldenkrise wieder in die Kategorie Industrieländer zurückkehren – ein wichtiges Detail für Anleger, die unterschiedliche ETF-Zusammensetzungen verstehen möchten.

MSCI Emerging Markets Liste 2026

Die MSCI-Liste umfasst 2026 (voraussichtlich) folgende 24 Länder:

  • Amerika: Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Peru
  • Asien und Ozeanien: China, Indien, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Südkorea, Taiwan, Thailand
  • Afrika und Vorderasien: Ägypten, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Südafrika, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate
  • Europa: Griechenland, Polen, Tschechien, Ungarn

Diese Liste deckt einige der wachstumsstärksten Märkte der Welt ab, insbesondere im dynamischen Raum Asien.

FTSE Emerging Markets Liste 2026

Bei FTSE gelten ebenfalls die meisten der oben genannten Länder als Emerging Markets – mit wichtigen Unterschieden:

  • Südkorea wird als Industrieland eingestuft
  • Griechenland soll 2026 im Laufe des Jahres ebenfalls zu den Industrieländern zählen
  • Vietnam steht vor der Hochstufung

Für ETF-Anleger bedeutet das: Die Gewichtungen können stark variieren, besonders in Asien, wo Unterschiede zwischen MSCI und FTSE besonders ausgeprägt sind.

Emerging Markets 2026: Welche Entwicklungen und Erwartungen gibt es?

Das Jahr 2026 könnte zum Wendepunkt der Emerging Markets werden. Viele Analysten betrachten die Aussichten konstruktiv – nicht euphorisch, aber verlässlich positiv. Dafür sprechen mehrere Faktoren.

Makrotrends und globale Finanzpolitik

Die weltweite Geldpolitik spielt eine entscheidende Rolle. Nachdem große Zentralbanken, darunter die US-Notenbank, Zinssenkungen eingeleitet haben, profitieren Schwellenländer von einem schwächeren Dollar. Das erleichtert Kapitalflüsse in lokale Börsen und stärkt Währungen in Emerging Markets – ein wichtiger Vorteil für internationale Anleger.

Wachstumsdynamik in Asien

Besonders Asien bleibt der Motor der globalen Expansion. Während China strukturelle Herausforderungen bewältigen muss, wächst Indien weiter mit hoher Geschwindigkeit. Länder wie Indonesien, Vietnam und die Philippinen gewinnen zusätzlich an Gewicht – sowohl demografisch als auch wirtschaftlich.

Diese Regionen gelten 2026 als Treiber einer möglichen breiten Wiederbelebung der Schwellenmärkte.

Bewertung und Kursniveau

Aktien aus den Emerging Markets sind im historischen Vergleich günstiger bewertet als viele Werte aus Industrieländern. Für Anleger ergibt sich daraus eine attraktive Mischung aus niedrigeren Einstiegspreisen und langfristiger Wachstumsmöglichkeiten.

Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen – politische Veränderungen, volatile Währungen, geopolitische Spannungen und einzelne marktregulatorische Eingriffe können temporäre Rücksetzer auslösen.

Risiko trifft Rendite

Höhere Renditen entstehen nur dort, wo Anleger auch höhere Risiken akzeptieren. Schwellenländer bieten starke Wachstumschancen – reagieren aber empfindlicher auf politische und wirtschaftliche Schwankungen.

Lange Phase unterdurchschnittlicher Wertentwicklung

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die lange Phase relativer Underperformance der Emerging Markets gegenüber den Industrieländern. Über viele Jahre hinweg blieben Schwellenländer-Aktien hinter den großen Börsen der USA und Europas zurück.

Historisch betrachtet folgten auf solche Phasen jedoch häufig Zeiträume überdurchschnittlicher Wertentwicklung. Für Anleger ergibt sich daraus ein antizyklischer Vorteil: Die Bewertungen sind moderat, die Erwartungen gedämpft – und genau das kann mittelfristig ein günstiges Umfeld für eine nachhaltige Wiederbelebung der Schwellenmärkte schaffen.

Wie können Privatanleger in Emerging Markets investieren?

Für Privatanleger bieten ETFs einen besonders einfachen, kostengünstigen und transparenten Zugang zu Emerging Markets. Sie ermöglichen die Investition in hunderte bis tausende Unternehmen gleichzeitig, reduzieren Einzelrisiken und eignen sich sowohl für langfristige Sparpläne als auch für Einmalanlagen. Wichtig ist jedoch, auf die Klassifikation der Länder zu achten: MSCI und FTSE unterscheiden sich in der Einstufung einzelner Länder, sodass eine Kombination beider Indexanbieter ungewollte Über- oder Untergewichtungen erzeugen kann.

Globale Lösungen – ACWI und All-World

Eine besonders einfache Möglichkeit ist ein breit gestreuter Welt-ETF, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer abbildet. Bekannte Beispiele sind:

  • iShares MSCI ACWI UCITS ETF (ISIN: IE00B6R52259)
  • Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN: IE00BK5BQT80)

Beide ETFs enthalten etwa 10 % Emerging Markets, während der Großteil in Industrieländer wie die USA, Japan oder Europa fließt. Dieses Verhältnis ergibt sich aus der Marktkapitalisierung der in den Indizes vertretenen Länder. Der Vorteil: Anleger erhalten eine vollumfängliche globale Diversifikation mit einem einzigen Produkt, das sich für eine „Set-and-Forget“-Strategie eignet.

Hinweis für Anleger

Auch wenn Schwellenländer nur rund 10 % der Indexgewichtung haben, ist der tatsächliche wirtschaftliche Einfluss deutlich größer, wie wir im nächsten Abschnitt erläutern.

BIP-orientierte Portfoliostrategien

Wer die Chancen der Schwellenländer stärker nutzen möchte, kann die Gewichtung im Portfolio bewusst an der globalen Wirtschaftsleistung (BIP) ausrichten. Emerging Markets tragen inzwischen rund 50 % zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei, sind in klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes jedoch weiterhin nur mit etwa 10 % vertreten. Eine BIP-orientierte Portfoliostrategie zielt darauf ab, diese strukturelle Untergewichtung gezielt zu korrigieren, ohne auf die Vorteile einer breiten globalen Diversifikation zu verzichten.

In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass Anleger den Schwellenländern einen deutlich höheren Portfolioanteil beimessen als in globalen Standardindizes. Häufig wird eine Gewichtung von etwa 40 bis 50 % Emerging Markets und 50 bis 60 % Industrieländern gewählt. Die genaue Aufteilung sollte sich an der individuellen Risikobereitschaft orientieren, da Schwellenmärkte stärkeren Schwankungen unterliegen. Eine exakte Abbildung der globalen Wirtschaftsleistung ist dabei nicht zwingend erforderlich – vielmehr dient die BIP-Gewichtung als strategische Leitplanke, um langfristige Wachstumschancen gezielt stärker einzubinden.

Beispielhafte ETF-Kombinationen für eine BIP-orientierte Strategie:

  • iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) + Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF(ISIN: IE00BTJRMP35)
  • Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (ISIN: IE00BK5BQV03) + Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (ISIN: IE00BK5BR733)

Diese Kombinationen ermöglichen es, die Emerging Markets näher an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zu gewichten und gleichzeitig weiterhin breit in etablierte Industrieländer zu investieren. Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass eine solche Ausrichtung mit höherer Volatilität, stärkeren zwischenzeitlichen Rückschlägen und längeren Erholungsphasen einhergehen kann. Wer diesen Ansatz verfolgt, sollte daher einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen und kurzfristige Schwankungen aushalten können.

70/30-Portfolio als Kompromisslösung

Für Anleger, die einen Mittelweg zwischen einfacher All-in-One-Lösung und vollständiger BIP-orientierter Gewichtung suchen, bietet sich das klassische 70/30-Portfolio an. Es setzt sich zusammen aus:

  • 70 % Industrieländer
  • 30 % Emerging Markets

Dieses Verhältnis ist leicht umsetzbar, erhöht die Exposure auf Schwellenländer deutlich gegenüber ACWI/All-World, reduziert aber die Volatilität gegenüber einer rein BIP-orientierten Strategie. ETFs können dabei analog zu den oben genannten Produkten ausgewählt werden.

Die 70/30-Strategie eignet sich besonders für Privatanleger, die mehr Chancen in Emerging Markets nutzen möchten, ohne ein komplexes BIP-orientiertes Portfolio managen oder besonders starke volatile Phasen vollständig mittragen zu müssen.

Tipps für Privatanleger: So gelingt die Emerging-Markets-Strategie 2026

Wer 2026 in Schwellenländer investieren möchte, sollte einige Grundsätze beachten:

  • Keine Mischungen unterschiedlicher Indexfamilien, wenn man Industrie- und Schwellenländer trennt
  • Sparpläne nutzen: regelmäßige Käufe reduzieren Timing-Risiken
  • Diversifikation statt Länderwetten: nicht ausschließlich auf China oder Indien setzen
  • Regelmäßiges Rebalancing: Durch Kursbewegungen können sich Gewichtungen stark verschieben. Ein jährliches oder zweijährliches Rebalancing hilft, das ursprüngliche Risikoprofil beizubehalten
  • Kosten im Blick behalten: ETFs mit niedrigen Gebühren bevorzugen
  • Langfristig denken: kurzfristige Schwankungen an Schwellenländer-Börsen gehören dazu

Mit diesen Punkten lassen sich viele Fallstricke vermeiden, und Anleger können strukturellen Chancen von Schwellenländern besser nutzen.

Fazit: Emerging Markets 2026 bieten Chancen – aber nur mit klarer Strategie

Die Emerging Markets stehen 2026 vor einem Jahr mit starken Impulsen: Die wirtschaftliche Dynamik aus Asien, mögliche FTSE-Aufstufungen, strukturelle Reformen und eine freundlichere globale Geldpolitik sorgen für neues Momentum. Hinzu kommt eine lange Phase unterdurchschnittlicher Wertentwicklung, die Emerging Markets aus Bewertungssicht wieder attraktiver macht.

Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen, die ernst genommen werden müssen. Für Anleger gilt daher: Mit einer gut ausbalancierten Strategie, klaren ETF-Entscheidungen, regelmäßigem Rebalancing und einem Bewusstsein für die Unterschiede zwischen den Indexanbietern lassen sich die Chancen und Vorteile der Schwellenländer sinnvoll nutzen.

Emerging Markets bleiben damit auch 2026 ein wichtiger Baustein langfristig orientierter Portfolios – ein Bereich, in dem Geduld, Disziplin und Struktur langfristig belohnt werden können.