Bouygues: Französischer Baukonzern steigt in Bieterwettkampf um Energiekonzern Equans ein

Bouygues: Französischer Baukonzern steigt in Bieterwettkampf um Energiekonzern Equans ein
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Der Übernahmekrimi um Equans, die gerade abgespaltene Dienstleistungseinheit des französischen Energiekonzerns Engie, geht in die nächste Runde. Der Baukonzern Bouygues hat gerade eine Offerte für die Engie-Sparte im Wert von 5,5 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Damit wird das Bieterrennen weiter angeheizt. Neben Bouygues haben auch das französische Bauunternehmen Eiffage sowie der US-amerikanische Finanzinvestor Bain ihr Interesse bekundet, nachdem sich der börsennotierte Gebäudedienstleister Spie und der US-Private-Equity-Riese Carlyle zurückgezogen hatten.

Bouygues mischt in vielen Märkten mit

Bouygues ist eine Unternehmensgruppe, die in der Baubranche, im Bereich Medien und in der Telekommunikation international tätig ist. Die Geschäftsaktivitäten des Konzerns sind die Sektoren Bau mit den Bereichen Bouygues Construction, Bouygues Immobilier und Colas, Telekom mit Bouygues Telecom und Medien mit TF1 strukturiert. Darüber hinaus hält die die Gruppe eine Beteiligung von 28,30% an ALSTOM, einem weltweit tätigen Konzern im Energie- und Transportbereich.

Equans mit über 12 Milliarden Euro Umsatz

Das Objekt der Begierde, Equans, erbringt Energie- und Gebäudemanagement-Dienstleistungen für Kundenunternehmen und beschäftigt rund 40 % der gesamten Belegschaft von Engie weltweit. Die Engie-Tochter mit 74 000 Mitarbeitern kam zuletzt auf einen Umsatz von 12,5 Milliarden Euro.

Zum Hintergrund: Zur Jahresmitte hatte sich Engie von der Sparte getrennt. Seither agiert Equans als eigenständige Einheit innerhalb von Engie und wird von CEO Jérôme Stubler und seinem Managementteam geleitet. Das Unternehmen ist in 17 Ländern aktiv. Equans gilt als einer der globalen Marktführer im Bereich der „multitechnischen Dienstleistungen“ mit starken Positionen in Frankreich, Benelux und Großbritannien.

Großer Schluck aus der Pulle

Für Bouygues wäre Equans der größte Zukauf seit Jahren und würde den Bereich Energie- und Infrastrukturdienstleistungen zur umsatzstärksten Sparte des Konzerns machen. Dabei hat der Konzern gerade noch eine andere Großbaustelle: Bouygues bringt gerade die Fusion seines Fernsehsenders TF1 mit dem kleineren französischen Rivalen M6 unter Dach und Fach.

Genaue Prüfung zu erwarten

Es ist zu erwarten, dass ein möglicher Zusammenschluss von den Wettbewerbsbehörden genauestens geprüft wird. Im Oktober beschloss Macron, die Leiterin der französischen Kartellbehörde, Isabelle de Silva, nicht für eine zweite Amtszeit wieder zu ernennen, als sich ihre Behörde gerade auf die Überprüfung vorbereitete. In einem Interview mit der Financial Times im vergangenen Monat zeigte sich de Silva überrascht und stellte den „Wechsel des Kapitäns“ in dem heiklen Fall in Frage.

Deal hat hohe politische Relevanz

Dabei hat die Übernahme eine enorme politische Brisanz, die Frankreichs Haltung gegenüber ausländischen Erwerbern auf die Probe stellen wird. Dies gilt auch für die Präsenz von Bouygues unter den Bietern. Der Konzern, der sich im Besitz der Milliardärsfamilie Bouygues befindet, hat über seine Straßen- und Infrastrukturgeschäfte viele Beziehungen zum Staat, und der Vorsitzende Martin Bouygues ist ein langjähriger Verbündeter von Präsident Emmanuel Macron.

Zumal der Staat ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat: Immerhin besitzt der französische Staat einen Anteil von rund 24% an Engie und wird im Verwaltungsrat, wo er drei von 14 Sitzen innehat, über den Verkauf mitbestimmen können. Der Ausgang ist also noch vollkommen offen, spannend bleiben dürfte es aber allemal.