Lindt & Sprüngli – eine der teuersten Aktien der Welt

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Schlussgong-Weihnachtsserie über börsennotierte Schokoladenhersteller. Teil 1: Schweizer Tradition von Lindt & Sprüngli. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

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Das 1845 gegründete Unternehmen gehört zu den führenden Herstellern von Schokoladenprodukten und Spezialitäten der gehobenen Preiskategorie. Zu den bekanntesten Produkten gehören Fioretto, Lindor sowie der Gold-Osterhase mit Glöckchen.

Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli ist jedoch nicht nur ein Traditionsunternehmen mit einer langen Geschichte, sondern auch an der Börse notiert – und zwar mit großem Erfolg. Denn die Lindt & Sprüngli Aktie ist eine der teuersten Aktien der Welt. Genauer gesagt: Die zweitteuerste Aktie der Welt. Lediglich die Aktie der amerikanischen Aktiengesellschaft Berkshire Hathaway liegt noch vor der Aktie.


Lindt & Sprüngli-Aktie – eine Übersicht

WKN: 859568

ISIN: CH0010570759

Land: Schweiz

Branche: Nahrungsmittel und Genussmittel


Lindt & Sprüngli: Geschichte und Entwicklung

Die Ursprünge von Lindt & Sprüngli liegen im 19. Jahrhundert. Bereits 1845 gründeten David Sprüngli-Schwarz und sein Sohn, Rudolf Sprüngli-Ammann, eine Konditorei in der Altstadt von Zürich. 1859 eröffnete die Familie eine weitere Confiserie und gründete 1870 eine Schokoladenfabrik in der Züricher Werdmühle.

Nach dem Tode von David Sprüngli erbte der älteste Sohn, Johann Rudolf Sprüngli-Schifferli, die Schokoladenfabrik und übernahm die Firma seines Vaters im Jahr 1891.

Der Zusammenschluss von Sprüngli und Lindt

1899 baute Johann Rudolf eine neue, größere Fabrik in Kilchberg am Züricher See. Um diese Expansion zu finanzieren, wandelte er das Familienunternehmen noch in demselben Jahr in eine Aktiengesellschaft, der Chocolat Sprüngli AG, um.

Wenig später kaufte Sprüngli die kleine, aber sehr renommierte Schokoladenfabrik von Rudolphe Lindt aus Bern – mitsamt seinem Patent für das Conchierverfahren. Das neue Unternehmen nannte sich in Aktiengesellschaft Vereinigte Berner und Zürcher Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli um.

Die Expansion von Lindt

Von der Schweiz aus begann der Siegeszug der Lindt-Schokolade. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts expandierte das Unternehmen insbesondere aufgrund der hohen Nachfrage aus dem Ausland. 1915 machte das Exportgeschäft dreiviertel des Umsatzes aus. Lindt & Sprüngli-Schokolade wurde bereits damals in 20 Länder exportiert. Nach 1920 brachen die wichtigen Auslandsmärkte aufgrund des weltweit zunehmenden Protektionismus, der Weltwirtschafskrise und der Rationierung wichtiger Rohstoffe während des Krieges weg. Das Unternehmen musste seine Produktion daher deutlich zurückfahren und konzentrierte sich auf den nur langsam wachsenden Schweizer Markt.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Nachfrage nach Schokolade wieder stark an. Die Schweizer bauten ihre Produktionskapazitäten durch Lizenzverträge mit Schokoladenproduzenten in Italien (1947), Deutschland (1950) und Frankreich (1954) aus. In den 1960er und 1970er Jahren kaufte Lindt & Sprüngli mehrere Schokoladenfabriken in der Schweiz und integrierte diese in das Unternehmen. In den 1970er Jahren optimierte Lindt & Sprüngli auch das bereits im Jahre 1879 von Rodolphe Lindt erfundene Conche-Verfahren zur Produktion einer Schokolade mit besonders weicher Konsistenz. Durch den 1972 entwickelten Lindt & Sprüngli Chocolate Prozess (LSCP) konnte der hohe Zeit- und Energieaufwand beim Conchieren deutlich reduziert werden.

Der Börsengang und weltweite Siegeszug von Lindt & Sprüngli

Der Börsengang von Lindt & Sprüngli brachte frisches Kapital und legte 1986 den Grundstein für die internationale Expansion. Im Jahr 1989 erfolgte die Inbetriebnahme des Produktions- und Verwaltungsgebäudes in Stratham, New Hampshire in den USA.

Noch im gleichen Jahr gelangte die Lindt & Sprüngli SA in Frankreich vollständig in den Besitz des Stammhauses. 1993 wurde die langjährige Lizenznehmerin Bulgheroni SpA im italienischen Induno Olona als Lindt & Sprüngli SpA in das Unternehmen aufgenommen. Im darauf folgenden Jahr erfolgte in Österreich die Gründung der Lindt & Sprüngli (Austria) GmbH und die Integration der Wiener Confiserie Hofbauer in das Unternehmen.

Aufgrund des rasanten Wachstums der Lindt Gruppe wurde die Konzernstruktur 1994 neugestaltet: Es wurde eine Holding mit Sitz in Kilchberg gegründet, wodurch alle einzelne Unternehmen zu 100%-igen Tochtergesellschaften der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG wurden. Zu diesem Zeitpunkt erreichte der weltweite Nettoumsatz der Holding fast 900 Mio. Schweizer Franken (CHF).

1997 wurde die italienische Gesellschaft “Caffarel” in Turin gekauft, sowie eine Lindt & Sprüngli Company in Sydney gegründet. Anfang 1998 folgte die Akquisition der “Ghirardelli Chocolate Company” in San Francisco, der ältesten amerikanischen Schokoladenfabrik. Weitere Tochterfirmen finden sich mittlerweile in Hongkong, Mexiko, Polen, Schweden und Spanien.

2014 erwarb Lindt & Sprüngli den aus dem Film Forest Gump auch in Europa bekannt gewordenen Pralinenhersteller Russell Stover Candies, Inc. aus Kansas City für 1 Mrd. Euro. Mit dieser Übernahme stieg Lindt & Sprüngli zur Nummer 3 der nordamerikanischen Schokoladenhersteller auf.

Heute besitzt die Holding Produktionsstätten in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, den USA und in Österreich sowie Vertriebsgesellschaften und -büros auf 5 Kontinenten. Lindt & Sprüngli vertreibt seine Produkte auch über ein umfangreiches, weltweites Netz von Distributoren.

Wie teuer ist eine Lindt-Aktie?

Die Aktie von Lindt & Sprüngli ist die zweitteuerste Aktie der Welt. Ende Sommer 2021 knackte die Lind-Aktie endlich die wichtige Marke von 100.000 Franken pro Aktie. Seitdem konnte sich die Aktie auch weiterhin gut halten und notiert etwa ein wenig über oder unter dieser Marke.

Eine der potenziellen Ursachen, die den Aufstieg der Aktie gefördert haben: das Aktienrückkaufprogramm von Lindt. Dieses begann am 01. Juli 2021 und soll bis Ende 2022 anhalten. Die gekauften Aktien sollen anschließend vernichtet werden. Das Rückkaufprogramm begründet sich in der hohen Liquidität sowie des fortwährenden zufriedenstellenden Cash Flows.

Wie hat sich die Lindt-Aktie entwickelt?

Die Aktien der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG werden an der Schweizer Börse gehandelt. Die Aktie unterlag oftmals Schwankungen und kurzzeitigen Tiefs. In Summe konnte sich die Lindt-Aktie jedoch stetig steigern und im Jahr 2021 nun die wichtige Marke von 100.000 Franken überschreiten. Die Anzahl an Lindt-Aktien beläuft sich dabei nur auf 140.000.

Neben den nur selten gehandelten Namensaktien von Lindt & Sprüngli werden auch sogenannte Partizipationsscheine (PS) gehandelt. Aber auch diese Papiere notieren seit Juli 2021 über der Marke von 10.000 CHF und sind somit optisch teurer.

Über die Jahre gesehen haben sowohl Lindt & Sprüngli Namensaktien als auch Partizipationsscheine stetige Kursgewinne verzeichnen können. Hinzu kommt, dass das Unternehmen als sehr solider Dividendenzahler gilt. In den vergangenen 24 Jahren hat man die Dividende stets erhöht. Somit ist Lindt & Sprüngli kurz davor, als Dividenden-Aristokrat geadelt zu werden. So werden Aktiengesellschaften genannt, die ihre Dividenden in 25 aufeinander folgenden Jahren erhöht haben.

Lindt-Aktie: Umsatzrückgang im 1. Halbjahr 2020

Bis Anfang März 2020 erreichte das Unternehmen eine solide Steigerung von Umsatz und Profit. Als während des für die Chocolatiers wichtigen Ostergeschäfts die Lockdown-Maßnahmen griffen, führte dies dazu, dass das Ergebnis des 1. Halbjahrs spürbar negativ beeinflusst wurde. So erzielte Lindt & Sprüngli zwischen Januar und Juni 2020 nur noch einen Umsatz von 1,53 Mrd. Schweizer Franken (CHF), was einen Rückgang von 12,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutete. Auch der Unternehmensgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag im 1. Halbjahr 2020 nur noch bei 17,1 Mio. CHF und damit deutlich unter dem im Vergleichszeitraum erzielten 126,2 Mio. CHF.

Allerdings war dieser Rückgang nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Vielmehr waren die für den Bau des Schokoladenmuseums „Lindt Home of Chocolate“ aufgewandten Sonderausgaben für den starken Rückgang des Halbjahresgewinns mitverantwortlich. Doch auch das zweite Halbjahr 2020 konnten die Umsatzrückgänge nicht mehr ausgleichen. Insgesamt verringerte sich der weltweite Umsatz von Lindt & Sprüngli im Jahr 2020 auf knapp 4 Milliarden Schweizer Franken. Im Vorjahr 2019 belief sich der Umsatz noch auf 4,5 Milliarden Schweizer Franken. Die Zahlen zeigen, dass der Konzern rund 10 % weniger umgesetzt hat als das Jahr zuvor. Die Gewinnmarge, die im Jahr 2019 noch 15 % betrug, verringerte sich ebenfalls auf 10%.

Aufgrund der stabilen Finanzen und der hohen Liquidität sowie Effizienzsteigerungen in verschiedenen Bereichen war Lindt & Sprüngli jedoch zuversichtlich, den Corona-bedingten Wirtschaftsabschwung meistern zu können.

Lindt-Aktie: Erholung im Jahr 2021

Im Jahr 2021 konnte sich das Unternehmen kontinuierlich von den Umsatzeinbußen erholen. Der Konzern Lindt & Sprüngli reagierte gezielt auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und konnte zum ersten Halbjahr 2021 nun positive Zahlen vorweisen. Im Vergleich zum schwachen Vorjahr erzielte Lindt & Sprüngli eine organische Umsatzsteigerung auf 1,8 Milliarden Schweizer Franken im ersten Halbjahr.

Trotz der bestehenden Corona-Auswirkungen konnte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2021 auch die Marktanteile in den wichtigsten Märkten wie Europa und Nordamerika ausbauen. Im Einzelhandel waren vor allem die Marken Lindor und Excellence gefragt. Auf die globalen Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie reagierte der Konzern unter anderem mit dem Ausbau des Online-Handels. Die Umsätze in diesem Vertriebskanal verdoppelten sich und machen bereits 5% des Gesamtumsatzes aus.

Das eigene Filialnetz sowie die Duty-Free-Läden litten dagegen unter zeitweisen Schließungen und geringer Kundenfrequenz. Aus diesem Grund konnte in diesem Zweig nicht dasselbe Kapital wie im Jahr 2019 erzielt werden. Im laufenden Jahr und den kommenden Jahren erwartet das Management jedoch wieder ein organisches Umsatzwachstum von 5 bis 7% sowie eine stetige Verbesserung der operativen Marge auf 15%.

Wo kann man Aktien von Lindt & Sprüngli handeln?

Da die Schweizer Börsenregulierung seit dem 1. Juli 2019 nicht mehr mit jener in der Europäischen Union als gleichwertig betrachtet wird, dürfen Aktien von an der Schweizer Börse gelisteten Unternehmen nicht mehr an EU-Börsen gehandelt werden. Aufgrund dieser Streitigkeiten können Schweizer Aktien aktuell nur (mit höheren Gebühren) an der Heimatbörse in der Schweiz gehandelt werden.

Wenn Sie also Aktien oder Partizipationsscheine des Schokoladenkonzerns handeln wollen, müssen Sie diese über Anbieter an der Schweizer Börse oder an anderen Handelsplätzen außerhalb der EU kaufen oder verkaufen. Das ist kurzzeitig ein Argument gegen Schweizer Aktien.

Lohnt sich ein Kauf der Lindt-Aktie?

Trotz kurzeitiger Tiefs und Kursschwankungen hat die Aktie einen kontinuierlichen Wachstum vorweisen können. Doch auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie konnten nach wenigen Monaten überwunden werden. Während das Unternehmen im Jahr 2020 noch mit starken Umsatzeinbußen kämpfte, präsentiert sich Lindt & Sprüngli im Jahr 2021 siegessicher und mit positiverem Zahlen, die aufgrund der hohen Werbe- und Produktionsinvestitionen einen weiteren Aufwärtstrend vermuten lassen. Darüber hinaus schüttet die Lindt-Aktie regelmäßig Dividenden aus, von denen Anleger jährlich profitieren.

Bei Wertpapierdepot mit einem großen Volumen könnte die Lindt & Sprüngli-Aktie einen Blick wert sein, da es sich bei Lindt & Sprüngli um ein sehr solides Unternehmen mit einem wenig bis gar nicht konjunkturabhängigen Geschäftsmodell handelt.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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