Amazon meldet Milliardenverlust – Anleger und Analysten begeistert

Amazon meldet Milliardenverlust – Anleger und Analysten begeistert
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Amazon weiß positiv zu überraschen – mit einem Quartalsverlust von rund 2 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 7,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Dennoch reagierten Anleger und Analysten positiv auf das jüngste Zahlenwerk, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde.

Kursverlust bei Rivian belastet die Bücher

Das begründet sich zum einen daraus, dass der Verlust vor allem auf dem Papier steht und nicht unwesentlich auf ein größeres Investment zurückgeht: Amazon hält rund 18 Prozent an Rivian, einem Start-up für E-Autos und Tesla-Konkurrenten. Das Problem: Der Aktienkurs von Rivian ist im zurückliegenden Quartal um etwa die Hälfte eingebrochen. Das wiederum schlägt sich nun negativ in der Bilanz von Amazon nieder in Form eines Bewertungsverlustes in Höhe von 3,9 Milliarden Dollar.

Abseits dessen läuft das Geschäft eigentlich blendend: Das Anzeigensegment leidet bislang weniger stark als befürchtet unter der hohen Inflation, deretwegen viele Beobachter mit Zurückhaltung bei den Unternehmen bezüglich ihrer Ausgaben für Werbung und Marketing befürchtet hatten. Zudem entwickelt sich Amazons Cash Cow, der Bereich Amazon Web Services (AWS), in dem unter anderem auch das Cloudgeschäft beheimatet ist, blendend.

Umsatz verlangsamt – aber höher als erwartet

Mit einem Umsatzplus von knapp 7 Prozent im Zeitraum von April bis Ende Juni blieb das Wachstum zwar zum zweiten Mal in Folge hinter dem gewohnten Tempo zurück: Noch nie in den vergangenen 20 Jahren hat Amazon ein so langsames Wachstum verzeichnet wie in der ersten Jahreshälfte 2022. Doch selbst diese schwache Entwicklung führte zu einem Gesamtumsatz von 121,2 Milliarden Dollar und lag damit fast 2 Milliarden Dollar höher als von Analysten erwartet.

Besonders positiv wurde an der Börse die Prognose für das laufende dritte Quartal aufgenommen. Hier rechnet Amazon wieder mit einer Rückkehr des Umsatzwachstums in zweistellige Prozentbereiche, die aktuellen Erwartungen beziffert das Unternehmen auf 13 bis 17 Prozent. Die Umsatzprognose von 125 bis 130 Milliarden Dollar, die Amazon bekanntgegeben hat, deckt sich mit den Schätzungen der Analysten.

Amazon Aktie nach Q2-Bilanz zweistellig im Plus

Anleger feierten das Zahlenwerk und katapultierten die Amazon Aktie in Reaktion auf die Bilanzvorlage um zeitweise rund 13 Prozent ins Plus. Damit erreichte der Kurs des Papiers den höchsten Stand seit Ende April. Auch Analysten zeigten sich beeindruckt: Reihenweise wurden die Kaufempfehlungen für die Amazon Aktie bestätigt – und die Kursziele nach oben korrigiert.

So sieht die US-Großbank JP Morgan die faire Bewertung nunmehr bei 185 Dollar nach zuvor 175 Dollar. Dabei verwiesen die Experten nicht zuletzt auf Wachstumschancen in der zweiten Jahreshälfte. Ebenfalls auf 185 Dollar beziffern Analysten der Citigroup nunmehr das Kursziel für die Amazon Aktie. Zuvor hatte die Einstufung bei 180 Dollar gelegen.

Analysten schrauben Kursziele nach oben

Deutlich nach oben geschraubt wurden die Aussichten durch die kanadische Bank RBC: Hier liegt das Kursziel jetzt bei 175 Dollar – nach vormals 144 Dollar. Auch die Deutsche Bank hob ihr Kursziel für die Amazon Aktie an von 155 auf nun 175 Dollar.

Im Schnitt sehen die Experten damit ein Kurspotenzial von rund 25 Prozent. Die Amazon Aktie kostete zuletzt rund 140 Dollar. Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen einen Aktiensplit im Verhältnis 1:20 vollzogen und dadurch das Papier optisch günstiger gemacht. Dadurch soll die Amazon Aktie nun auch für Kleinanleger wieder attraktiver, weil erschwinglicher werden. Zuvor hatten Anleger um die 3.000 Dollar je Aktie auf den Tisch legen müssen.