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Dow Jones verzeichnet schlechtestes Halbjahr seit 60 Jahren

Inhaltsverzeichnis

Der Dow Jones hat das schwächste Halbjahr seit 6 Jahrzehnten hinter sich gebracht. Um mehr als 15 Prozent sackte der US-Leitindex in den ersten sechs Monaten des Jahres ins Minus. Weder der Bankencrash mit den verheerenden Auswirkungen für den US-Immobilienmarkt und das weltweite Finanzsystem noch der Ausbruch der Coronapandemie mit all seinen Unsicherheiten haben Anleger an der Wall Street derartig ins Verderben gestürzt.

Drahtseilakt der Notenbanken sorgt für Anleger-Nervosität

Vor allem der Drahtseilakt der Währungshüter, allen voran der US-Notenbank Federal Reserve, sorgt bei Anlegern für Bauchschmerzen. Auf der einen Seite ist es Kernaufgabe der Zentralbanken, für Preisstabilität zu sorgen. Das bedeutet nach Lesart der Notenbanker: Eine Inflationsrate von 2 Prozent.

Aktuell aber liegt die Teuerung mit mehr als 8 Prozent in den USA wie auch im Euroraum deutlich oberhalb dieser definierten Schwelle, und das bereits seit etlichen Monaten. Um der Inflationsdynamik Einhalt zu gebieten, hat sich die Fed im Frühjahr dazu entschlossen, die Leitzinsen anzuheben und seither bereits mehrere beherzte Schritte in diese Richtung ergriffen. Weitere Anhebungen sollen im Verlauf des Jahres folgen.

Inflationsbekämpfung, ohne Konjunktur abzuwürgen?

Das Problem dabei: Die Wirtschaft ist gerade erst dabei, sich von der Pandemie zu erholen. Dabei wird sie zusätzlich belastet von Material- und Lieferengpässen. Kommen nun noch hohe Zinsen hinzu, könnte das die Konjunktur abrupt wieder abwürgen. Nicht wenige Beobachter rechnen mit einem Abgleiten in eine Rezession, diesseits wie jenseits des Atlantiks.

Es ist dementsprechend Fingerspitzengefühl erforderlich, auch wenn grundsätzlich große Einigkeit in der Überzeugung herrscht, dass Zinsanhebungen in dieser Situation der einzig richtige Schritt sind, um die Inflationsmisere einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Nasdaq 100 rund 30 Prozent im Minus

Noch stärker als für den Dow Jones ging es in den vergangenen Monaten an der Wall Street für die Technologiebörse Nasdaq und den Auswahlindex Nasdaq 100 bergab. Um fast 30 Prozent wurden die einst gefeierten Tech-Werte im ersten Halbjahr in die Tiefe gerissen. Selbst Unternehmen mit eigentlich starkem Geschäftsmodell und zufriedenstellenden Bilanzen gerieten dabei in den Abwärtsstrudel.

Auch der S&P 500 hat im ersten Halbjahr ordentlich Federn lassen müssen. Der vielbeachtete, marktbreit gefasste Index rutschte um rund 20 Prozent ins Minus. Das belegt noch einmal umso eindrücklicher, dass die Krise nicht auf bestimmte Branchen oder Regionen begrenzt ist, sondern zunehmend zum Problem für den gesamten Aktienmarkt wird.

Keine Trendwende in Sicht

Eine Trendwende ist bis auf Weiteres nicht abzusehen, die Bären dominieren den Markt in diesem Jahr, bullishe Gegenbewegungen waren bis dato nur von kurzer Dauer oder auf wenige Einzelwerte begrenzt.

In Europa bleiben die Aktienmärkte ebenfalls unter Druck: Auch der Dax beendete sein schwächstes Halbjahr seit mehr als 10 Jahren, hinzu kommt die Furcht vor einem Stopp der Gaslieferungen aus Russland.