Kraft Heinz schnappt sich deutsches Gewürz-Startup Just Spices

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Der US-Lebensmittelriese Kraft Heinz hat bekannt gegeben, dass er die Mehrheit des Düsseldorfer Gewürz-Startups Just Spices übernehmen wird. Der Gewürzmarkt ist – nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie – zu einem Wachstumsmarkt avanciert. (Foto: Alexey Novikov / Adobe Stock)

Die US-amerikanische Kraft Heinz Company, immerhin fünftgrößter Lebensmittelproduzent der Welt, hat am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass sie 85% der Anteile am deutschen Gewürz-Startup Just Spices GmbH (Just Spices steht für „Nur Gewürze“) erworben hat.

Die restlichen 15% bleiben im Besitz der 3 Just-Spices-Gründer, Florian Falk, Ole Strohschnieder und Bela Seebach, die auch weiterhin die Geschäfte von Just Spices leiten werden. Welchen Betrag die Gründer für den Verkauf ihrer Anteile erhalten haben, wurde nicht bekannt gegeben.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Kraft Heinz entstand 2015 aus der Fusion der Kraft Foods Group und der H. J. Heinz Company. Nach der Verschmelzung hat der Lebensmittelkonzern die beiden Hauptstandorte der jeweiligen Konzerne in Chicago (Kraft) und Pittsburgh (Heinz) beibehalten.

Sowohl Kraft Foods (1903) als auch H. J. Heinz (1869) können auf eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte zurückschauen. Dass die Firmennamen des Unternehmens auch in Deutschland geläufig sind, überrascht nicht wirklich: Beide Unternehmensteile wurden von Nachfolgern deutscher Auswanderer in den USA gegründet.

Heute besitzt Kraft Heinz über 200 Marken. Die in Deutschland bekanntesten Marken des Lebensmittelkonzerns sind Kraft (Mayonnaise, Salatsoßen), Heinz (Tomatenketchup, Baken Beans) und Bulls Eye (Barbecue-Saucen).

Ende letzten Jahres beschäftigte die Kraft Heinz Gruppe etwa 38.000 Mitarbeiter, die im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 26,1 Mrd. US-Dollar (USD – etwa 23 Mrd. Euro) erwirtschafteten. Der operative Gewinn (EBIT) belief sich im gleichen Jahr auf 2,13 Mrd. USD (etwa 1,88 Mrd. Euro).

Das Gewürz-Startup Just Spices wurde 2014 in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf gegründet. Das Unternehmen bietet zahlreiche Gewürzmischungen, ein Salatdressing-Sortiment und diverse Quick-Fix-Mahlzeiten über sein eigenes E-Retail-Angebot, Online-Marktplätze von Drittanbietern und auch im traditionellen Lebensmitteleinzelhandel an.

Just Spices wirbt damit, dass seine Produkte zu 100% aus natürlichen Zutaten hergestellt werden. Die Zielgruppe der Düsseldorfer besteht insbesondere aus jungen Menschen, die die Just-Spice-Produkte vornehmlich im Online-Handel kaufen. Mit seinen Social-Media-Kanälen erreicht das Düsseldorfer Startup stolze 1,4 Mio. Follower.

In 3 Finanzierungsrunden konnte Just Spices 14,5 Mio. Euro an Risikokapital einheimsen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat in den letzten Jahren ein enormes Umsatzwachstum hingelegt: In 2020 konnten die etwa 150 Just-Spices-Mitarbeiter einen Umsatz von etwa 60 Mio. Euro einfahren; mehr als doppelt so viel, wie noch im Vorjahr. Kein Wunder, dass der US-Lebensmittelriese Interesse an den Gewürzmischern vom Niederrhein bekommen hat.

Gewürzmarkt boomt

Hinzu kommt noch, dass der Gewürzmarkt in Zeiten der Coronapandemie zu einem neuen Höhenflug angesetzt hat. So haben die Konsumforscher der GfK ermittelt, dass private deutsche Haushalte 2020 knapp 1 Mrd. Euro für Gewürze ausgegeben haben. Das waren 16,5% mehr als noch im Vorjahr.

Dass der Gewürzsektor boomt sieht auch Rafael Oliveira, International Zone Präsident bei Kraft Heinz: „Wir werden unsere Größe und Agilität nutzen, um das Geschäft von Just Spices auf dem schnell wachsenden Markt für Geschmackserweiterungen über den derzeitigen deutschen Standort und die jüngsten Markteintritte in Spanien, Österreich und der Schweiz zu beschleunigen.“

Wie es weitergeht

Der Kurs der Kraft-Heinz-Aktie legte am vergangenen Freitag, dem Tag der Bekanntgabe der Übernahmen, an der NASDAQ um gut 2% zu und ging mit 34,15 USD aus dem Handel. Offensichtlich begrüßen die Anleger den Zukauf des deutschen Gewürz-Startups.

Die Transaktion unterliegt noch den üblichen Abschlussbedingungen, einschließlich der Genehmigung durch die staatliche Fusionskontrolle. Die Übernahme wird voraussichtlich im ersten Quartal 2022 abgeschlossen sein.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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